
M it dem Beginn der russischen Vollinvasion in der Ukraine hat die Internationale Eislaufunion (ISU) russische Eiskunstläufer von internationalen Wettkämpfen ausgeschlossen. In dieser Saison sind sie wieder zugelassen, obwohl der Krieg noch immer tobt. Laut der ISU dürfen sie als neutrale Sportler bei internationalen Wettbewerben starten, ohne Fahne und ohne Hymne. Zugelassen werden soll laut ISU nur, wer nicht in Militär- oder Sicherheitsorganen Russlands dient, keinem Armeesportverein angehört, wer seit Februar 2022 nicht aktiv an Handlungen gegen die Ukraine beteiligt war und seitdem nicht öffentlich die Position Russlands unterstützt hat.
Bisher haben 75 russische Kufenkünstler eine Zulassung erhalten. Die Zahl erscheint hoch, doch dazu muss man wissen, dass Eiskunstlauf in Russland äußerst populär ist. Und Putin schmückt sich auch mit den Leistungen der Eiskunstläufer, missbraucht sie für seine Propaganda. Etliche lassen dies bereitwillig zu.
Zu den zugelassenen Sportlern gehört Alexandra Ignatova, die unter ihrem Mädchennamen Trusova für ihr Feuerwerk an Vierfachsprüngen bekannt wurde und bei Olympia 2022 Silber gewann. Die inzwischen 22-Jährige, die vor einem Jahr Mutter wurde und seitdem ihr Baby für Putins Geburtenpolitik in die Kameras hält, hat letzte Woche bei einem Challenger-Wettbewerb in Japan den zweiten Platz belegt. Russische Eiskunstläufer haben in der gerade begonnenen Saison in zwei Juniorenwettkämpfen alle Siege davongetragen. Den bisher einzigen internationalen Wettkampf bei den Senioren mit russischer Beteiligung in Japan haben sie zwar nicht derart dominiert, aber sie zeigten Leistungen auf Weltniveau.
Der ukrainische Verband hat in einem offenen Brief gegen die Zulassung russischer Athleten protestiert. Er zählte mehrere zugelassene Sportler auf, die seiner Meinung nach gegen das Neutralitätsgebot der ISU verstoßen hätten. Sie gehören entweder dem Armeesportverein ZSKA Moskau an, haben an öffentlichen Propagandaveranstaltungen teilgenommen oder staatliche Orden erhalten.
Spitzname „Putins neue Geliebte“
Bekannteste der genannten Läufer ist mit Kamila Walijewa jene Sportlerin, die während der Olympischen Spiele 2022 als 15-Jährige wegen eines positiven Dopingbefunds traurige Berühmtheit erlangte. Ihre vierjährige Dopingsperre ist inzwischen abgelaufen. Die Ukrainer zählen auf, dass Walijewa seit Herbst 2025 in der Akademie von Tatjana Nawka trainiert. Nawka ist als Ehefrau von Kremlsprecher Dmitri Peskow und Propagandistin für das russische Regime international sanktioniert.
Walijewa hat selbst fleißig an Propagandaveranstaltungen für Regime und Krieg teilgenommen. Sie verdiente ihr Geld mit patriotischen Eisshows. Sie befürwortete Gesetze zum Vorgehen gegen Oppositionelle, sie saß 2024 in Kasan sogar bei einer Veranstaltung neben Putin. In Russland hat die 20-Jährige den Spitznamen „Putins neue Geliebte“. Walijewa wurde kurz nach der Veröffentlichung des Briefs aus der Ukraine der neutrale Status wieder entzogen. Das gab die ISU zwar nicht bekannt, doch die US-amerikanische Nachrichtenagentur AP hat es aus ihrem Umfeld erfahren. Die Entscheidung ist nicht rechtskräftig, Walijewa kann Rechtsmittel einlegen.
Auch dem russischen Meister Mark Kondratjuk hat die ISU den neutralen Status zugesprochen und wieder entzogen. Kontratjuk war während des Kriegs in der Ukraine Mitglied der Sportkompanie des russischen Militärs, leistete einen Eid auf die Streitkräfte und nahm an einem Treffen mit Putin und dem damaligen Verteidigungsminister Sergei Schoigu teil.
Für die ISU hat die Zulassung russischer Sportler auch eine wirtschaftliche Motivation. Weil die Sportart in Russland so populär ist, garantieren russische Teilnehmer volle Eishallen, Übertragungsrechte für russische TV-Stationen und Werbeeinnahmen.






