Korruptionsverdacht: Cousin von Präsident Ferdinand Marcos in Haft

Der frühere philippinische Parlamentspräsident Martin Romualdez ist am Montag in Manila unter Korruptionsverdacht festgenommen worden. Ihm wird vorgeworfen, Schmiergelder in Millionenhöhe aus Hochwasserschutzprojekten eingestrichen zu haben. Viele Projekte wurden in dem regelmäßig von schweren Taifunen heimgesuchten Land nach bisherigen Erkenntnissen überhaupt nicht gebaut.

Romualdez ist ein Cousin und früherer Vertrauter von Präsident Ferdinand „Bongbong“ Marcos Jr.; der Sohn des 1986 gestürzten langjährigen Diktators Ferdinand Marcos Sr. Romualdez galt lange als potenzieller Wunschnachfolger des jetzigen Präsidenten für die nächsten Präsidentschaftswahlen 2028. Marcos darf dann nicht mehr antreten.

Vor einem Jahr musste Romualdez bereits wegen Korruptionsverdachts von seinem einflussreichen Amt als Präsident des Unterhauses zurücktreten, blieb aber Abgeordneter. Jetzt soll er sich zusammen mit drei weiteren Beschuldigten vor dem Antikorruptionsgericht Sandiganbayan verantworten. Romualdez hat ein Fehlverhalten stets bestritten.

Ombudsmann Jesus Crispin Remulla, dessen Behörde die Anklage erhob, sagte bei einer Pressekonferenz am Montag, es gehe um umgerechnet 102 Millionen Euro, die auf verschiedene Transaktionen verteilt worden seien.

Hochwasserschutzprojekte nur auf dem Papier

Fast 10.000 Hochwasserschutzprojekte im Wert von rund 7,5 Milliarden Euro, die seit Marcos’ Amtsantritt Mitte 2022 umgesetzt werden sollten, werden inzwischen überprüft. Zahlreiche Projekte erwiesen sich als minderwertig, überteuert oder wurden gar nicht realisiert. Marcos selbst hatte massive Korruption beim Hochwasserschutz beklagt und Untersuchungen angeordnet. Die Philippinen leiden regelmäßig unter Überschwemmungen, die oft viele Tote fordern.

Innenminister Jonvic Remulla, ein Bruder des Ombudsmannes, begleitete den nationalen Polizeichef bei der Vollstreckung des Haftbefehls gegen Romualdez und sagte, der Politiker sei am Montagnachmittag wegen instabilen Blutdrucks und einer Panikattacke in ein Krankenhaus in Manila gebracht worden.

Er werde in ein Gefängnis verlegt, sobald Ärzte dies für vertretbar hielten. Sein Vermögen werde Romualdez nicht schützen, sagte Innenminister Remulla. Niemand könne sich mit Geld dem Gesetz entziehen. Die Philippinen belegen im aktuellen Korruptionswahrnehmungsindex von Transparency International Rang 120 von 181 Staaten.

Romualdez spielt auch eine Rolle in der Affäre um Morddrohungen von Vizepräsidentin Sara Duterte gegen Marcos Jr. Sie hatte bei einer Pressekonferenz 2024 erklärt, sie habe einen Auftragsmörder angewiesen, Marcos, dessen Frau und den damaligen Repräsentantenhausvorsitzenden Romualdez zu töten für den Fall, dass sie selbst getötet werde. Später wollte sie ihre Worte nicht als Drohung verstanden wissen, sondern als Ausdruck ihrer Sorge um die eigene Sicherheit.

Auch Vizepräsidentin Sara Duterte unter Druck

Am Samstag hatte Duterte bei einem Gericht in Manila eine Kaution hinterlegt, um einen Haftbefehl gegen sie im Zusammenhang mit den Morddrohungen auszusetzen. Auf dem Weg zum Auto bat Duterte Journalisten, sie zu begleiten. „Ich fühle mich angesichts all dieser Polizisten nicht sicher. Sie schikanieren die Menschen bei mir zu Hause und belästigen mich seit 2023“, sagte Duterte. „Was will diese Regierung eigentlich mit mir anstellen?“

Im Mai hatte das Repräsentantenhaus wegen der Drohungen und wegen mutmaßlicher finanzieller Unregelmäßigkeiten Dutertes ein Amtsenthebungsverfahren gegen sie eingeleitet, das im Juli vor dem Senat begann. Sollte Duterte verurteilt werden, könnte sie von öffentlichen Ämtern ausgeschlossen werden. Damit wäre auch ihre bereits erklärte Präsidentschaftskandidatur für 2028 hinfällig. Sie gilt bisher als Favoritin. 2025 war bereits ein erstes Amtsenthebungsverfahren gegen sie gescheitert.

Marcos und Duterte sind Vertreter zweier mächtiger politischer Dynastien und waren bei der Wahl 2022 noch gemeinsam angetreten, hatten sich dann aber zerstritten. Sara Duterte ist die Tochter von Ex-Präsident Rodrigo Duterte, der im vergangenen Jahr auf Anordnung des Internationalen Strafgerichtshofs (IStGHf) festgenommen wurde. Er wartet jetzt in Den Haag auf seinen Prozess wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Während seiner Amtszeit (2016–2022) wurden nach Angaben von Menschenrechtsorganisationen bis zu 30.000 Menschen im sogenannten „Krieg gegen die Drogen“ extralegal hingerichtet. (mit ap)

  • informationsspiegel

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