
M eine Damen und Herren, es ist Herbst. Kann sein, dass es politisch noch ein heißer Herbst wird, der heißeste seit Beginn der Wetteraufzeichnungen vielleicht, für die tischtennisspielende Gemeinde jedoch ist das zuallererst eine gute Nachricht. Es ist Herbst, Saisonbeginn, die Meisterschaft geht endlich wieder los, und vor allen Dingen: Die Schwitzerei in tropischen Hallen hat endlich ein Ende.
In meinem kleinen Wiener Verein, der in einer ehemaligen Werkhalle in einem nicht als solchem gemeldeten Industriedenkmal spielt, gab es sommers sogar eine Petition: Es wurde der Einbau einer Klimaanlage gefordert. Kein Wunder, bei mehr als 30 Grad in der Halle wird auch das sonst so klimafreundliche Tischtennis zur Challenge. Man schwitzt, man schwitzt mitunter viel, was bedeutet, dass der Schweiß überallhin tropft, nicht zuletzt auf den Ball, und einen nassen Ball kann man nicht spielen, der nimmt keinen Spin an, sondern fällt recht schnell auf die eigene Tischhälfte.
Die Regelkunde dazu ist recht schwierig. Eigentlich sollte der Punkt wiederholt werden; im Hobby- und Amateurbereich wird aber meist einfach weitergespielt, dein Pech, wenn der Ball runterplumpst, weil er nass ist: Punkt für den Gegner. Es kursieren sogar Geschichten von Leuten, die im Punktspiel den Ball beim Aufschlag heimlich extra nass machen, ein bisschen Spucke reicht, der Gegner kann den Ball nicht zurückspielen, weil er vom Schläger einfach runterfällt. Die Regel dazu lautet: „Gespielte Punkte zählen.“ Nebeneffekt dieser Regel: Auch bei anderweitig verursachten Fehlern schauen die Spielenden gern zuerst auf den eigenen Schlager, auf der Suche nach dem nassen Ballabdruck.
Ein nasser Ball ist aber durchaus auch ein eigener Nachteil. Mitunter der Grund, warum man bei Profispielen immer wieder sieht, wie die Profis Tische und Böden zwischen den Ballwechseln trocknen. Darko Jorgić, Spitzenspieler aus Slowenien, pustet sogar vor eigenem Aufschlag auf den Ball, um ihn ja trocken zu halten.
Champions
Apropos Slowenien, da findet mitten im Herbst das Highlight dieses Herbstes statt: die Europameisterschaft in den Einzel- und Doppelwettbewerben, also ohne Mannschaftswettbewerb. Klingt etwas kompliziert, aber der ETTU hat vor einiger Zeit beschlossen, dass zwei Turniere eines mehr ist, also finden die EMs wechseljährig statt: Dieses Jahr die Einzel/Doppel, nächstes Jahr wieder die Teams. Ich freue mich schon auf Ljubljana, von Wien aus ist es nicht so weit dahin. Während ich Porto 2027 wahrscheinlich auslassen muss, peile ich Cluj (Rumänien) für 2028 an.
In Ljubljana könnte es durchaus spannend werden – Dang Qiu (D), der vorletzte Europameister, hat am Wochenende in Astana einen hochrangigen WTT-Wettbewerb gewonnen und scheint in Bestform; mit Finalgegner und Titelverteidiger Alexis Lebrun und seinem Bruder Félix wird durchaus zu rechnen sein. Auch Truls, mein persönlicher Lieblingsspieler, gehört zu den Favoriten, der hat neulich in Macao ein „Champions“ gewonnen.
Bei den Frauen wird spannend zu sehen, ob Annett Kaufmann der nächste Schritt gelingt oder ob Sabine Winter im Herbst ihrer Karriere noch einmal einen ganz großen Titel holt. Auch Titelverteidigerin Sofia Polcanova, obschon ein wenig auf dem absteigenden Ast, und ihre letzte Finalgegnerin Bernadette Szőcs spielen um den Titel mit.
Bevor es am 12. Oktober dann losgeht, gibt es noch die Bundesliga mit Fan Zendong, ein China Smash, vorher noch die Asia Games für die in Asien und für uns in Wien vier Wettbewerbe, also drei verschiedene Meisterschaften und den Cup. Bislang sind wir ungeschlagen. Aber wir haben auch gerade erst angefangen.






