Erhöhung der Tabaksteuer: Rauchzeichen von der CDU

Bei der Anhörung zur Tabaksteuererhöhung lädt die Union nur Ver­tre­te­r:in­nen aus der Tabakindustrie ein. Deren Einfluss ist ohnehin zu massiv.

I m Konrad-Adenauer-Haus wird offenbar gern und viel gequalmt, anders ist das Vorgehen der Union bei der Erhöhung der Tabaksteuer nicht zu erklären. Am Montagnachmittag fand dazu eine öffentliche Anhörung von neun Sachverständigen im Finanzausschuss des Bundestages statt. Und was macht die Union?

Sie schickt ausschließlich Ver­tre­te­r:in­nen der Tabakindustrie und einer Gewerkschaft, die die Interessen der Tabakindustrie vertritt. Noch im Juli hatte das Kabinett eine schrittweise Erhöhung der Tabaksteuer ab dem 1. Januar 2027 auf den Weg gebracht. So sollen künftig Zigaretten, Feinschnitt und andere Tabakwaren höher besteuert werden. Der Bund erhofft sich dadurch bis 2030 Einnahmen von bis zu 11,7 Milliarden Euro. Klar, dass der Tabakindustrie bei diesen Plänen der Kopf raucht.

Denn Studien und Erfahrungen aus EU-Ländern wie den Niederlanden belegen, dass hohe Steuern vor allem junge Menschen davon abhalten, überhaupt mit dem Rauchen anzufangen. Und damit auch die Folgekosten für die Gesellschaft senken.

Das Logo der taz: Weißer Schriftzung t a z und weiße Tatze auf rotem Grund.

taz debatte

=”” div=””>

Die „Argumente“, die die Raucherlobby im Finanzausschuss präsentierte, entbehren hingegen jeglicher wissenschaftlicher Grundlage. So würden beispielsweise „illegale Zigarettenfabriken“ entstehen und der Schwarzmarkt geriete außer Kontrolle. Am besten wäre es für die Tabakindustrie natürlich, wenn sich die Tabaksteuer komplett in Rauch auflösen würde.

Mit ihrer Sachverständigen-Auswahl negiert die Union nicht nur wissenschaftliche Fakten, sondern fällt auch ihrem eigenen Suchtbeauftragten Hendrik Streeck (CDU) in den Rücken. Dieser hatte kürzlich den Druck beklagt, den die Tabaklobby auf Abgeordnete des Bundestags ausübt, und das Vorgehen sogar als „Stalking“ bezeichnet.

Würde die Bundesregierung ihre Anti-Tabak-Politik ernst nehmen, müsste sie ihre Kontakte zur Tabaklobby drastisch reduzieren. Trotz des ratifizierten WHO-Rahmenübereinkommens zur „Eindämmung des Tabakgebrauchs“ ist Deutschland weiterhin EU-Schlusslicht bei der Tabakkontrolle. Hoffentlich atmen die Abgeordneten vor der finalen Abstimmung im Bundestag noch einmal tief durch, damit schnelle Gewinne der Tabakindustrie nicht über der Gesundheit stehen.

Gemeinsam für freie Presse

Die taz gehört zu 100 Prozent ihren Leser:innen und ist damit nicht nur konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Alle Artikel stellen wir frei zur Verfügung, ohne Paywall. Gerade in diesen Zeiten müssen Einordnungen und Informationen allen zugänglich sein. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass kritischer, unabhängiger Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung für taz zahl ich. Dank Ihnen haben wir nun die 50.000 erreicht. So viele unterstützen freiwillig und regelmäßig. Noch nicht dabei? Werden Sie jetzt Teil der Community!

Jetzt unterstützen

  • informationsspiegel

    Related Posts

    Musikfestival Out.Fest in Portugal: Stottern, scheuern und dröhnen
    • October 8, 2026

    Ortsbesuch in der portugiesischen Industriestadt Barreiro, wo das experimentelle Musikfestival Out.Fest stattfindet. Inklusion trägt hier zum utopischen Sound bei. mehr…

    Weiterlesen
    Spazierengehen üben: Schlendern wie am Schnürchen
    • October 8, 2026

    Der Spaziergang sollte kein schnelles Weglaufen sein. Es gibt viel zu entdecken. Der Vorsatz des Monats: weiterlaufen, nur nicht zu flott. mehr…

    Weiterlesen

    Nicht verpassen

    Musikfestival Out.Fest in Portugal: Stottern, scheuern und dröhnen

    • 7 views
    Musikfestival Out.Fest in Portugal: Stottern, scheuern und dröhnen

    Spazierengehen üben: Schlendern wie am Schnürchen

    • 6 views
    Spazierengehen üben: Schlendern wie am Schnürchen

    Anklage gegen Polizisten: Frankfurter Polizist soll Mann in Gewahrsam gedemütigt haben

    • 6 views
    Anklage gegen Polizisten: Frankfurter Polizist soll Mann in Gewahrsam gedemütigt haben

    Kampf für Bildungsgerechtigkeit: Keine Gelder mehr für Bildung von Zugewanderten

    • 5 views
    Kampf für Bildungsgerechtigkeit: Keine Gelder mehr für Bildung von Zugewanderten

    Maulkorb für Forschungspolitiker: Galoppierende Geheimhaltung

    • 5 views
    Maulkorb für Forschungspolitiker: Galoppierende Geheimhaltung

    Datenschutzbeauftragter Hennemann: „Digitale Souveränität ist wichtig“

    • 6 views
    Datenschutzbeauftragter Hennemann: „Digitale Souveränität ist wichtig“