
Greenpeace fordert, dass die EZB die Abkehr von Öl und Gas fördert. Hintergrund ist eine Studie zum Kaufkraftverlust durch hohe fossile Preise.
Die Umweltorganisation Greenpeace fordert, dass die Europäische Zentralbank (EZB) ihre Instrumente nutzt, um die von hohen Öl- und Gaspreisen ausgelöste Inflation zu bremsen. Sie müsse mit ihren Richtlinien für die Kreditvergabe dafür sorgen, dass fossile Geschäftsmodelle nicht mehr finanziert werden, sagte Mauricio Vargas, Finanzexperte von Greenpeace Deutschland, der taz. Gleichzeitig müssten die Finanzierungsbedingungen für Projekte besser werden, die eine Abkehr von Öl und Gas forcieren.
Hintergrund der Forderung ist eine Analyse zur fossilen Inflation im Auftrag von Greenpeace. Danach ist der Kaufkraftverlust durch die massiv gestiegenen Ölpreise infolge des Irankriegs deutlich nach oben gegangen. Im August lag die Geldentwertung in Deutschland bei 2,9 Prozent. Der Analyse zufolge wären es bei einem Ölpreis auf dem Niveau von Januar 2026 nur 1,9 Prozent gewesen. Im Euro-Raum habe die Inflation bei 2,2 Prozent statt bei 3,2 Prozent gelegen. Nach vorläufigen Berechnungen lag die Geldentwertung im September in Deutschland bei 3,3 Prozent – getrieben von den Energiepreisen, die gegenüber dem Vorjahresmonat um 14,9 Prozent kletterten.
Die Abhängigkeit von Öl und Gas mache Verbraucher:innen anfällig für geopolitische Krisen und damit verbundene Preissprünge, betonte Vargas. Deshalb müsse die EZB diese Abhängigkeit stärker als wiederkehrende Inflationsursache anerkennen. „Wer langfristig stabile Preise will, muss die fossile Abhängigkeit verringern.“ Aufgabe der EZB sei, für stabile Preise zu sorgen. Dabei müssten fossile Kosten ebenso eine Rolle spielen wie die Haushaltsdisziplin von Staaten. „Da mischt sich die EZB ja auch in die Tagespolitik ein“, erklärte er. Die chinesische und die ungarische Zentralbank hätten bereits entsprechende Konsequenzen gezogen. Sie fördern Kreditvergaben zur Dekarbonisierung, berichtete er.
Mauricio Vargas, Greenpeace
Der Analyse zufolge sind Haushalte, die sich von fossilen Energien weitgehend unabhängig gemacht haben, von der Inflation weniger betroffen. Demnach hatte ein Haushalt mit Wärmepumpe, Solaranlage mit Speicher und E-Auto zwischen Januar und August 2026 nur eine Preissteigerung von 1,5 Prozent zu stemmen.
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