Absurde Wahlplakate: Ist das noch Wahlkampf oder schon Stalking?

E ine Pause von der Politik gibt es im Wahlkampf nicht. Einen Monat lang auf Alkohol verzichten oder auf Zucker, wie es Achtsame im trostlosen Monat Januar verwirklichen, um ein bisschen Selbstwirksamkeit zu spüren: kein Problem.

Ein Tag ohne Scholz, Merz, Habeck oder Lindner, einfach der eigenen mental health zuliebe: unmöglich. Neuerdings drängen sie sich einem nicht nur morgens unter der Dusche beim Radiohören oder im Bett vor dem Schlafen­gehen beim letzten Blick aufs Mobiltelefon auf, sondern sie stalken einen auch im Freien.

„Mehr für dich. Besser für Deutschland“, schmunzelt mich Olaf Scholz etwa vor dem Hintergrund einer gewellten Deutschlandfahne an. Nicht nur ästhetisch erinnert dieses Wahlplakat an die Konkurrenz von rechts außen.

Auch dass die Sozialdemokratie nicht mehr mit Solidarität, sondern mit Egoismus für sich wirbt, passt dazu. Aber mehr von was eigentlich? Mehr Regierungskrise, mehr Armut, mehr nichtssagende Kanzler-Statements?, frage ich mich da nur und lasse den Bundeskanzler rechts liegen.

Lindner nicht mehr im Unterhemd

„Schönreden ist keine Wirtschaftsleistung“, klugscheißt Christian Lindner mit schneidigem schwarz-weißen Wahlkampffoto an der nächsten Ecke. Während die Farbreduzierung in anderen Kontexten das Ableben einer Person markiert, betont sie hier die Zeitlosigkeit der immer gleichen Klientel­politik der Liberalen.

2017 zeigte sich Lindner für einen Wahlwerbespot noch im Unterhemd, diesmal bleibt er angezogen: Sex sells gilt zwar immer noch auch für die Politik – aber heute würde eine solche Abbildung zu viel Angriffsfläche bieten, wo der ehemalige Finanzminister nach seiner Entlassung als Deutschlands frechster Arbeitsloser geschmäht wurde.

„Für ein Land, auf das wir wieder stolz sein können“ wiederum steht unter einem geschäftig zur Seite blickenden und gestikulierenden Friedrich Merz. Kennen wir diesen Spruch nicht schon?

Wiederverwertete Wahlslogans

„Für ein Deutschland, in dem wir gut und gerne leben“ plakatierte die CDU 2017 mit Angela Merkel. Damals konnten Konservative noch stolz darauf sein, dass sie den Rechtsextremen nicht jeden Wunsch von den Lippen ablesen.

Heute zeigt Friedrich Merz, wie wenig er von Prinzipientreue hält, indem er ausgerechnet Wahlkampfslogans seiner Erzrivalin wiederverwertet – und die Gewalttat von Aschaffenburg als willkommene Gelegenheit begrüßt, die sogenannte Brandmauer gegen die AfD einzureißen.

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Zusammen – das klingt wie eine genervte Aufforderung, nun endlich mal den Beziehungsstatus zu klären

„Zuversicht“ kann ich auf einem grünen Plakat schon aus der Ferne lesen, weil Robert Habeck auf dieses eine groß gedruckte Wort setzt.

Situationship mit Baerbock

Ich muss an Freunde denken, die einen genauso fürsorglich angucken, wenn man von einem Problem erzählt, die aber gar nicht richtig zuhören und anfangen zu trösten, bevor man ausgesprochen hat, weil wer will schon allzu lang über Probleme reden: „Du, ich weiß, das ist nicht leicht, aber glaub mir, das wird schon wieder!“

„Zusammen“ steht auf dem Plakat der Parteikollegin Annalena Baerbock. Wenn man sich ein Fragezeichen dazudenkt, klingt das wiederum wie eine genervte Aufforderung, den Beziehungsstatus in einer schon viel zu lange dauernden Situationship zu klären.

Ne, du, lass lieber Freunde bleiben.

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