Abtritt des Linkspartei-Chefs: Van Aken statt Schmidt

Jan van Aken zieht sich aus der ersten Reihe der Politik zurück. Das ist schade, aber in Zeiten der Retro-Männlichkeit ein wichtiges Signal.

H elmut Schmidt war Kettenraucher, lag ein paarmal bewusstlos auf dem Boden des Kanzleramts in Bonn und bekam mehrere Herzschrittmacher eingesetzt. Nach seiner Kanzlerzeit brüstete er sich mit Pflichterfüllung und so.

Die Generation Wehrmacht ist nun schon länger tot, aber das Männerbild, dass man hart zu sich selbst sein müsse und ein gesundes Leben etwas für Weicheier sei, hielt sich doch ziemlich lange. Das lag auch an Schmidt, weil der Mann 96 Jahre alt wurde und viele Männer sich genau das mit Verweis auf den Ex-Kanzler einreden konnten. Dabei sprechen die Statistiken seit Jahrzehnten eine deutliche Sprache: Männer leben kürzer als Frauen, unter anderem deshalb, weil sie zu wenig auf sich und die Warnsignale von Körper und Seele achten.

Zum Glück ändert sich – langsam – das Männerbild, und eine kleine, aber nicht ganz unbedeutende Rolle spielen dabei Männer, die im öffentlichen Leben stehen: Kevin Kühnert machte mit 35 Schluss mit dem Hochleistungsberuf Spitzenpolitik und sagte: „Hier ist die Grenze für mich.“ Jetzt hat Jan van Aken angekündigt, wegen seiner Gesundheit nicht mehr als Linke-Parteichef anzutreten.

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Das ist bedauerlich für die Linkspartei, haben doch van Aken, der Mann aus der Bewegungslinken mit Hamburger Schnoddercharme, und Ines Schwerdtner, die intellektuelle Strategin, ein ziemlich perfektes Tandem abgegeben. In seiner Erklärung machte Jan van Aken, der im nächsten Monat 65 Jahre alt wird, eine klare Ansage, die aber immer noch ungewöhnlich ist für Männer des öffentlichen Lebens: „Ich muss auf mich aufpassen. Das tue ich hiermit.“

Er sendet damit ein wichtiges Zeichen gerade an jene sich selbst überschätzenden Männer, dass man nur ein Leben hat und man(n) auf dieses Leben achten sollte. Und in Zeiten, in denen sich alte Autokraten wie Putin und Trump für unsterblich halten und global von den scheinbar harten Kerlen der Manosphere gefeiert werden, ist das ein wohltuendes Signal.

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