J unggesell*innenabschiede, der Sieg des Lieblingsfußballklubs oder einfach ein anstrengender Arbeitstag: Es gibt viele Gründe, weshalb jede*r von uns mal ein Bier oder ein Weinchen am Bahnhof kauft und direkt trinken mag. Seit dem 1. Mai gibt es ein Alkoholverbot an zwei zentralen Bahnhöfen in der Hauptstadt: dem Berliner Zoo und dem Ostbahnhof.
Was ein Novum für Berliner*innen darstellt, ist in Städten wie Hamburg und Bremen nichts Neues. Von Kontrollen durch Sicherheitspersonal bis zur Videoüberwachung: Die Deutsche Bahn, die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) oder auch der Hamburger Verkehrsverbund (HVV) wollen mit ihren Konzepten für mehr „Sicherheit und Sauberkeit“ an den Bahnhöfen sorgen.
Aber kann solch eine Regelung ein gemeinschaftlicheres Zusammenleben fördern? Darüber lässt sich streiten: Wer in der Bahn sitzt oder an den Bahnhöfen wartet, kommt mit vielen unterschiedlichen, häufig auch alkoholisierten Menschen zusammen. Sicher ist, der Alkoholkonsum fördert das aggressive Verhalten von Menschen. Nach Angaben der Bundespolizeidirektion gab es in Berlin im Jahr 2024 insgesamt 577 Gewalttaten im Bahnverkehr – darunter wurden 24,4 Prozent unter Alkohol- oder Drogeneinfluss begangen.
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In Hamburg wurde bereits im April 2024 ein Alkoholverbot am Bahnhof eingeführt. Mit Bußgeldern wird dieses Verbot durchgesetzt: 40 Euro beim ersten Verstoß und bis zu 200 Euro bei Wiederholungen werden eingezogen. Im Jahr 2025 sind laut Bundespolizei Hamburg die Gewalttaten wie Körperverletzungen in der Stadt um 25 Prozent gesunken. Man darf jedoch nicht vergessen, dass das eingeführte Waffenverbot, die Ausweitung von KI-Videoüberwachung und ein erhöhtes Polizeiaufgebot auch Gründe für die sinkende Gewalt sind.
Auch in Bremen sind die Zahlen von allen Straftaten wie zum Beispiel Diebstahl gesunken. Im Jahr 2025 gab es insgesamt 2.500 Straftaten am Hauptbahnhof – 100 weniger als im Vorjahr. Davon waren 319 Fälle Gewalttaten.
Zu einfach gedacht
Neben der Bahn und der Polizei befürwortet auch die Stadtmission Berlin ein Alkoholverbot an Bahnhöfen. Ehrenamtliche Mitarbeiter*innen werden von alkoholisierten Menschen bespuckt und beschimpft, obwohl sie nur helfen wollen. Mit einem eingeführten Alkoholverbot könnten sie sich besser auf die Menschen konzentrieren, die Hilfe annehmen wollen.
Das strukturelle Problem wird zum größten Teil einfach verdrängt
So weit, so gut. Doch unter vielen Aspekten ist ein Alkoholverbot an Bahnhöfen zu einfach gedacht, denn das strukturelle Problem wird zum größten Teil einfach verdrängt. Häufig sind obdachlose Menschen alkoholkrank und leben teilweise in Bahnhöfen. Kaum bezahlbarer Wohnungsraum, Krankheiten und Arbeitsverlust: Das sind Gründe, weshalb Menschen zur Flasche greifen, um sich von ihrem Leid abzulenken. Ein Alkoholverbot bestraft sie für ihre Krankheit und Lebensumstände. Sollten sie sich an die Regeln halten, können sie sich eben ein paar Straßen weiter betrinken. Das Problem wird in den Bahnhöfen unsichtbar gemacht, aber eben nicht gelöst.
Außerdem erhöhen Verstärkungen von Sicherheitspersonal und Polizeipräsenz den Druck auf marginalisierte Gruppen, wie etwa durch nach wie vor verbreitetes Racial Profiling. Menschen, die als „ausländisch“ wahrgenommen werden, erfahren wahrscheinlicher aufgrund ihres Aussehens Kontrollen.
Laut Bahn wurden der Ostbahnhof und der Berliner Zoo als Stationen ausgewählt, da sie eine „Rund um die Uhr“-Kontrolle gewährleisten könnten. Die Zahlen sagen das eine, die möglichen Konsequenzen das andere. Vielleicht muss ein gemeinschaftlicheres Leben mehr strukturell gedacht werden als in Verboten und Kontrollen.







