Ältester Staatschef der Welt: Kameruns Präsident besucht Kamerun

Berlin taz | Das Staatsfernsehen schaltet auf Live-Sondersendung, jubelnde Menschen säumen Straßen, am Flughafen wird der rote Teppich ausgerollt: Am Montag um 16.27 Uhr ist Kameruns Präsident Paul Biya nach 49 Tagen Abwesenheit in Kamerun eingetroffen.

Es wurde gefeiert wie ein Staatsbesuch, und im Grunde ist es auch einer, denn je älter und kränker der mittlerweile 91 Jahre alte Biya wird, desto länger werden seine häufigen Aufenthalte in Genf in der Schweiz, wo die Wege zwischen Luxusresidenz und Privatklinik kurz sind. Und nun ist er heimgereist, als wolle er zwischendurch seine Regierung inspizieren.

Am 8. September war Biya zuletzt in der Öffentlichkeit aufgetreten: In China beim Abflug vom China-Afrika-Gipfel. Hernach ward er nicht mehr gesehen und am 7. Oktober meldete der in den USA basierte TV-Sender ABS (Africa Broadcasting Services) unter Berufung auf ­anonyme Quellen in Kameruns Hauptstadt Yaoundé, Biya sei tot.

Zuvor hatte der kamerunische Oppositionspolitiker Christian Ntimbane eine offizielle Erklärung über Biyas „räumliche Situation“ gefordert. „Dem Präsidenten geht es gut und er wird in den nächsten Tagen nach Kamerun zurückkehren“, konterte Kameruns Regierung, und das Präsidentenamt erklärte, der Staatschef, der in Genf „seinen Tätigkeiten nachgeht“, sei „bei exzellenter Gesundheit“.

„Debatte über den Zustand des Präsidenten ist verboten“

Sicherheitshalber verfügte Kameruns Regierung dann, über Biyas exzellente Gesundheit dürfe nicht gesprochen werden. „Jede Debatte in den Medien über den Zustand des Präsidenten der Republik ist verboten“, hieß es in einer „Sehr dringend“ betitelten internen Regierungsanweisung an alle staatlichen Stellen vom 9. Oktober. „Zuwiderhandlung wird bestraft.“ Alle Provinzgouverneure sollen „Überwachungszellen“ einrichten, um alle Debatten in Medien und sozialen Netzwerken dahingehend zu verfolgen.

Biya ist der dienstälteste Präsident der Welt. Staatschef Kameruns ist er seit 1982, davor war er ab 1975 Premierminister. Er regierte lange als Diktator, duldet Pluralismus nur insofern dieser ihn nicht gefährdet und verlässt sich zunehmend auf seine Familie. Wenn er nicht in Genf lebt, dann meist in seinem südkamerunischen Geburtsdorf Mvomeka’a, abgeschottet, heißt es. 2025 will der 91-Jährige für eine achte Amtszeit wiedergewählt werden. Dem steht nun sicherlich nichts mehr im Wege.

Denn auf den TV-Bildern vom Montag steht Paul Biya selbständig und kann sprechen. Man hört ihn nicht, aber über eine Minute lang sieht man, wie er mit einem Vertrauten am roten Teppich auf der Landebahn diskutiert, die herausgeputzte Ehefrau stumm und unbeachtet zwei Meter weiter hinten. „Dies ist ein Mensch, er lebt“, freut sich der Kommentator.

Dann steigt das Ehepaar in einen schwarzen gepanzerten Wagen. Die Kolonne braust los. Leibwächter im Anzug rennen neben dem Hauptfahrzeug her, während sich eine rechte Hand nochmal kurz winkend aus dem hinteren Fenster streckt. Es bleiben Blaulicht und Polizeisirenen. „Ein besonderer Tag in der Geschichte dieses Landes“, analysiert das Staatsfernsehen.

  • informationsspiegel

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