Brüchiger Waffenstillstand in Libanon: Aufregung um zertrümmerte Christusfigur

In den vergangenen Tagen sorgte ein Bild für Wirbel, an dessen Echtheit einige zunächst Zweifel hegten: Ein israelischer Soldat zertrümmert den Kopf einer auf den Boden gekippten Christusfigur. Am Montag bestätigte das israelische Militär dann die Echtheit des Bildes.

Aufgenommen wurde das Bild im christlich geprägten Dorf Debel in Südlibanon, einem der wenigen Dörfer im Süden des Landes, aus dem die Be­woh­ne­r*in­nen während des Krieges zwischen Israel und der Miliz Hisbollah nicht geflohen sind. Weiterhin sind dort Tausende israelische Soldaten stationiert, auch nachdem am Freitag ein von den USA vermittelter Waffenstillstand zwischen Israel und Libanon in Kraft getreten war.

Das israelische Militär nehme den Vorfall „sehr ernst“, das Verhalten des Soldaten „sei in keiner Weise mit den Werten vereinbar, die von seinen Truppen erwartet werden“. Gegen die Beteiligten würden „angemessene Maßnahmen“ ergriffen. Am Dienstag wurden der israelische Soldat, der die Statue zertrümmert hat, sowie der Soldat, der ihn dabei fotografiert hat, vom Kampfeinsatz abgezogen und zu 30 Tagen Haft verurteilt, wie das Militär mitteilt.

Auch der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu verurteilte den Vorfall „aufs Schärfste“ und kündigte an, dass das Militär „harte Disziplinarmaßnahmen gegen den Täter“ verhängen werde.

Scharfe Kritik aus dem katholischen Polen

Doch international schlugen die Wellen da schon hoch. Aus dem katholisch geprägten Polen meldete sich Vizepremier Radosław Sikorski mit einem wütenden Kommentar. „Man muss diesen Soldaten bestrafen, aber auch Lehren ziehen hinsichtlich der Art und Weise, wie sie ausgebildet werden“, schreibt Sikorski auf X.

Außenminister Gideon Saar konterte: „Ich schlage vor: Statt anderen Moralpredigten zu halten, sollten Sie persönlich den schändlichen Antisemitismus verurteilen, den wir im polnischen Parlament gesehen haben.“ Am Holocaustgedenktag hatte der rechtsradikale Abgeordnete Konrad Berkowicz im polnischen Parlament eine israelische Flagge mit einem Hakenkreuz entrollt.

Der Vorfall könnte auch für das israelisch-amerikanische Verhältnis Folgen haben. Evangelikale Christen gelten in den USA als eine treue proisraelische Gruppierung; Angriffe israelischer Soldaten auf Chris­t*in­nen dürften jedoch auch ihnen nicht gefallen, etwa dem US-Botschafter in Israel, Mike Huckabee. Er forderte „rasche, strenge und öffentliche Konsequenzen“.

Die ehemalige US-Kongressabgeordnete Marjorie Taylor Greene, ebenfalls evangelikale Christin (und einst glühende Trump-Anhängerin, nun seine Gegnerin) teilte das Bild und schrieb: „‚Unser größter Verbündeter‘, der jedes Jahr Milliarden unserer Steuergelder und Waffen erhält.“

Beliebtheit Israels in den USA sinkt

Der Vorfall kommt zu einer Zeit, in der die Beliebtheit Israels in der US-amerikanischen Öffentlichkeit sinkt. Im vergangenen Jahr hatten einer Studie des Pew Research Centers zufolge 53 Prozent der erwachsenen US-Bürger*innen kein gutes Bild von Israel, in diesem Jahr sind es 60 Prozent.

150 jüdische Rab­bi­ne­r*in­nen und Führungspersönlichkeiten veröffentlichten am Dienstag einen offenen Brief, bei dem sie sich bei der christlichen Gemeinschaft „für diese abscheuliche Tat“ entschuldigten. Sie tun dies auch vor dem Hintergrund von zunehmenden Belästigungen von Chris­t*in­nen in Israel durch radikale nationalistische Juden.

Dabei geht es etwa um das Anspucken von Chris­t*in­nen, das besonders in der Altstadt Jerusalems zu einem Phänomen geworden ist. Es geht aber auch um Schäden an Kirchenbesitz. Laut einer Studie des Rossing Instituts gab es im Jahr 155 gemeldete Fälle von Belästigungen von Christ*innen. Das Institut betont, dass es sich bei diesen Fällen lediglich um die Spitze des Eisbergs handele.

  • informationsspiegel

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