Kriminalbeamter zu Gewalt gegen Frauen: Das Risiko Mann

H at er das wirklich gesagt? Im Öffentlich-Rechtlichen? Ein Mann? Keiner, der auf Instagram mit Oberlippenbart über kritische Männlichkeit spricht, sondern einer von der Polizei? Das fragte ich mich, als mein Instagram-Feed mir den Ausschnitt aus dem „heute journal“ vom Montagabend zeigte. Im Netz sorgt er für Beifall und Empörung.

In dem Ausschnitt fragt Moderatorin Dunja Hayali den Vorsitzenden des Bundes Deutscher Kriminalbeamten, Dirk Peglow, was er Frauen raten würde angesichts der gestiegenen Fälle von Vergewaltigungen und Sexualdelikten in der aktuellen Kriminalitätsstatistik der Polizei. Die Antwort: „Wenn man nach der statistischen Anzahl geht, besser keine Beziehung mit einem Mann eingehen. Da ist das Risiko erheblich höher, Opfer von psychischer oder physischer Gewalt zu werden.“

Noch bevor Peglow seinen Rat mit ernster Miene zu Ende gesprochen hat, ist zu hören, wie Dunja Hayali im Hintergrund lacht. Auch ich musste lachen, als ich den Interview-Ausschnitt sah. Weil ich es im ersten Moment für zu schön hielt, um wahr zu sein.

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Er sagte das, was eigentlich schon so lange klar ist. Was Emilia Roig, Beatrice Frasl, Pauline Harmange und andere feministische Autorinnen seitenlang in ihren Büchern aufgeschrieben haben. Was alle Mitarbeiterinnen in Frauenschutzhäusern berichten. Was Social-Media-Trends wie „boysober“ und „decentering men“ oder die 4B-Bewegung in Südkorea auf den Punkt bringen. Was ich und fast ausnahmslos all meine heterosexuellen Freundinnen erlebt haben, seitdem sie romantische Beziehungen mit Männern eingehen.

Dass sie ein Risiko sind. Dass sie der Seele und dem Körper schaden können, Vertrauen erschüttern, Traumata hinterlassen, die nach der Trennung in zahllosen Therapiestunden mühselig aufgearbeitet werden müssen – insofern man das Glück hat, einen Therapieplatz zu finden.

Gefühle und Socken hinterherräumen

Aber nicht alle Männer, werden jetzt wieder viele schreien. Stimmt, nicht alle Männer vergewaltigen oder fügen ihren Freundinnen physische oder psychische Gewalt zu. Oft laden sie auch einfach nur einen Berg an Arbeit auf deren Schultern ab. Hausarbeit. Emotionale Arbeit. Feministische Aufklärungsarbeit. Erziehungsarbeit. Beziehungsarbeit.

Frauen räumen ihren Partnern häufig nicht nur deren liegen gelassene Socken hinterher, sondern auch deren Gefühle, um die sie sich nicht kümmern, Konflikte, denen sie aus dem Weg gehen. Weil die Männer keinen Bock auf „Stress“ haben oder weil es sie überfordert, sich zu reflektieren oder – geschweige denn – zu entschuldigen.

Aber nicht alle Männer, werden jetzt wieder viele schreien. Stimmt, nicht alle Männer führen ihre Freundinnen in den Burn-out. Aber dass die Wahrscheinlichkeit nicht gering ist, dass eine Beziehung zu einem von ihnen für eine Frau bedeutet, dass sie ungesünder, gestresster und ärmer wird als ohne sie, haben in den letzten Jahren genug Studien nahegelegt.

Aber nicht alle Männer, werden jetzt wieder viele schreien. Manche ganz besonders laut. So wie die, die in den Youtube- und Instagram-Kommentaren zu Dirk Peglows Aussage von Gehirnwäsche reden, von der Spaltung der Gesellschaft, von Männerhass, ja gar von einem Männerverbot.

Dass Peglow es unmöglich ernst gemeint haben kann, dachte sich offenbar auch die BILD und hakte nach, wie die Aussage des Kriminalexperten denn jetzt zu verstehen sei mit den Männern und den Frauen. Dass er keinen pauschalen Aufruf gegen Beziehungen zwischen beiden gegeben habe und auch keinen Generalverdacht gegen Männer aussprechen wolle, sagte Peglow dem Boulevardmedium.

Dass er weder noch getan hat, konnte bereits jeder verstehen, der dem Kriminalexperten im Interview richtig zugehört hat, anstatt sich von seinem gekränkten Männerego leiten zu lassen. Peglow spricht von Statistiken – und die sprechen nun mal nicht für die Männer. Wer das nicht aushält, ist selbst Teil des Problems.

  • informationsspiegel

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