Chancenungleichheit in Deutschland: Ein Desaster für Jugendliche und den Staat

Der Chancenmonitor attestiert anhaltend ungleiche Bildungschancen. Wer hofft, das ändere die Prioritätensetzung der Bundesregierung, liegt falsch.

D as nennt man wohl perfektes Timing. Just in der Woche, in der die Bundesregierung die Weichen für eine bessere Zukunft stellen will, erinnert der „Chancenmonitor“ an das noch immer nicht eingelöste Aufstiegsversprechen im Land. Die Ergebnisse sind eine Mahnung, die sich Bund und Länder endlich zu Herzen nehmen müssen: Die anhaltend ungleichen Bildungschancen sind nicht nur für die betroffenen Kinder und Jugendlichen ein Desaster, sondern auch für den Staat. Ihm entgehen viele Milliarden Euro an späteren Steuern, die gut ausgebildete Erwachsene dann bezahlen würden – ganz zu schweigen von Transferzahlungen, die dann wegfallen.

Doch wer glaubt, diese Aussicht würde dazu führen, dass Investitionen in Kitas und Schulen in Deutschland Priorität hätten, irrt. Das zeigen nicht nur die Sparorgien in den Bundesländern, die vielerorts dazu führen, dass Schulsozialarbeit wegfällt oder Kitafachkräften gekündigt wird. Man sieht das auch daran, dass Bildung immer schnell unter die Räder kommt, weil was anderes dann doch wichtiger ist. Oder verschiedene Bildungsbereiche auch noch untereinander um die wenigen Haushaltsmittel konkurrieren. Wie bei den 4 Milliarden Euro aus dem Sondervermögen, die der Bund ursprünglich für den zusätzlichen Kitaausbau angedacht hatte – und dann für die Sanierung maroder Unigebäude öffnete. Letzte Woche kam raus: Die meisten Ministerien stecken die Kohle lieber in die chronisch unterfinanzierten Unis.

Eine ähnliche Pleite droht dem vom Bund angekündigten Programm für Kitas im sozialen Brennpunkt, das 2027 starten soll. Eine super Sache, wenn es nicht – wie zu befürchten – mit anderen Handlungsfeldern des neuen Kitagesetzes konkurrieren muss. Ob die Länder dann gezielt in Chancengerechtigkeit – oder in längere Öffnungszeiten an allen Kitas investieren, entscheiden sie selbst. Noch liegt kein Gesetzentwurf vor. Union und SPD können beweisen, dass sie der Chancengerechtigkeit doch noch Priorität einräumen. Es wäre überfällig.

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