Der Krieg geht weiter: Nachdem der erste Band des Comics „George Lucas“ sein Publikum mit einem Happy End entlassen hatte, scheint in der Fortsetzung von Renaud Roche und Laurent Hopman für den Hollywoodregisseur zunächst alles geregelt zu sein. Lucas’ langer Kampf, um sein Studio von „Krieg der Sterne“ zu überzeugen, insbesondere wegen der unerwartet hohen Produktionskosten, ist für ihn siegreich ausgegangen.
Zuvor hatte das Riesenprojekt an zahlreichen Hürden zu scheitern gedroht, wie das Zeichner-Autor-Duo anekdotenreich in Band 1 erzählte. Schon gar nicht hatten die Studiobosse von 20th Century Fox dem jungen Nerd einen Kassenschlager zugetraut. Daher überließen sie dem knapp 30-Jährigen leichtsinnigerweise die Rechte am Film, Merchandising eingeschlossen.
Im zweiten Band, von Roche und Hopman in Anspielung auf die „Krieg der Sterne“-Filmreihe „Episode II“ benannt, macht sich der frisch mit Rekordgewinn aus seinem riskanten Unternehmen hervorgegangene Lucas im Sommer 1977 daran, noch größere Projekte zu verfolgen.
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Renaud Roche, Laurent Hopman: „George Lucas – Episode II“. Aus dem Französischen von Anne Bergen. Splitter Verlag, Bielefeld 2026, 208 Seiten, 29,80 Euro. (Episode I ist ebenso weiter bei Splitter erhältlich)
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Da er sich auch die Rechte für die Fortsetzung seiner „Krieg der Sterne“-Reihe gesichert hat, überlegt er, damit ein Franchise zu starten. Regie und den Rest sollen andere übernehmen, er sieht sich selbst als ausführenden Produzenten. Sein Ziel ist es, mehr Zeit für die Familie zu haben.
Die Skywalker Ranch
Ein weiteres Großvorhaben will er gleichwohl angehen. Im abgelegenen Marin County möchte er Ländereien kaufen, wo eine gigantische Ranch entstehen soll, die spätere Skywalker Ranch. Fernab von Hollywood will er dort unabhängig Filme produzieren können, eigene und die von befreundeten Kollegen wie Steven Spielberg. Finanziert werden soll alles mit Erlösen aus dem Merchandising von „Krieg der Sterne“.
Renaud Roche illustriert dieses Zukunftsvorhaben als einen Ausflug von George Lucas mit seiner damaligen Frau Marcia in die offenen Weiten von Marin County. Auf dessen Wiesen lässt Roche die späteren Gebäude als durchscheinende Projektionen emporwachsen, optisch sehr ähnlich den Videobotschaften, die Lucas in seinen „Krieg der Sterne“-Filmen verwendet.
Aber auf dem Weg vom Traum zur echten Ranch muss Lucas erst einmal den zweiten Teil seiner Filmreihe machen.
Foto: Splitter Verlag
War „George Lucas – Der lange Weg zu Star Wars“ als klassische Biografie angelegt, die das Leben des jungen Lucas von der Kindheit bis zur Fertigstellung des ersten Teils von „Krieg der Sterne“ schilderte, ist „Episode II“ weit konzentrierter, beschränkt sich auf eine Zeitspanne von gerade einmal drei Jahren.
Das Imperium schlägt zurück
Den überwiegenden Teil davon nimmt die Arbeit an dem Film ein, der 1980 als „Das Imperium schlägt zurück“ in die Kinos kommen und in die Filmgeschichte eingehen sollte. Erneut erweist sich der Weg dahin als beschwerlich. Zwar ist Lucas in diesem Abschnitt seines Lebens ein „gemachter Mann“, doch bedeutet das nicht, dass ihm kein neues Ungemach drohen würde.
„Episode II“ erzählt in der Hauptsache von der Organisation des Drehs von „Das Imperium schlägt zurück“ mit all seinen technischen Innovationen und Rückschlägen, internen Krisen und Pannen.
Gleich zu Beginn baut Mark Hamill, der Darsteller des Luke Skywalker, einen spektakulären Autounfall, bei dem er sich so schwer verletzt, dass in seinem Gesicht deutliche Narben zurückbleiben. Kurzerhand entscheidet sich Lucas, dass Luke Skywalker am Anfang des Films ebenfalls verletzt werden muss. Die Kontinuität muss halt stimmen.
Roches klare Linie mit dynamischem Strich bleibt aufs Wesentliche reduziert, Hintergründe deutet er oft bloß an. Die Panels folgen einem regelmäßigen Aufbau mit drei Zeilen, den Roche manchmal auflockert, etwa wenn er Szenen im Studio detaillierter zeigen will – wie den Sumpf von Dagobah, wo Luke Skywalker auf den Jedi-Meister Joda trifft.
Perfektionist Lucas
Während der Arbeit an „Das Imperium schlägt zurück“ kann man den Perfektionisten Lucas kennenlernen, der den Spagat aushalten muss, die Regiearbeit an einen anderen zu delegieren, jedoch seine eigene künstlerische Vision weiter zu verfolgen.
Roche und Hopman porträtieren Lucas als sympathischen Kontrollfreak mit Neigung zur Verbissenheit, der mitunter schwer von neuen Einfällen zu überzeugen ist.
„Episode II“ würdigt in diesem Punkt explizit den Beitrag des Regisseurs Irvin Kershner. Bei diesem hatte George Lucas an der University of Southern California früher Film studiert.
Der 20 Jahre ältere Kershner schmuggelte einige Ideen ins Drehbuch ein, die nicht unwesentlich halfen, den Film zum Klassiker zu machen. Darunter auch die berühmte Szene am Ende des Films, in der Prinzessin Leia zu Han Solo sagt: „Ich liebe dich“, was dieser lakonisch erwidert mit: „Ich weiß.“ Witz dieser Art, so deuten Roche und Hopman an, geht Lucas ein wenig ab.
Film über Film
Aus heutiger Sicht mutet die „Krieg der Sterne“-Filmreihe mit all ihren Ergänzungen bis hin zu den „Star Wars Stories“ und Serien, an denen Lucas seit 2012 nicht mehr beteiligt ist, womöglich längst wie ein formelhaftes Profitunternehmen an. Im Mai steht mit „Star Wars: The Mandalorian and Grogu“ die jüngste Fortführung an. Unter Freunden des „Krieg der Sterne“-Universums jedenfalls gelten die ersten beiden Filme von 1977 und 1980 mehrheitlich als die gelungensten.
Doch wie man „Episode II“ entnehmen kann, war die Filmkritik beim Kinostart von „Das Imperium schlägt zurück“ nicht sonderlich gnädig.
Es hagelte Verrisse bis hin zum schon damals vorgebrachten Vorwurf, der Film sei eine „lieblose Geldmaschine“. In der Sache trifft das insoweit zu, als sich die Gewinne durchaus sehen ließen. „Das Imperium schlägt zurück“ rangierte seinerzeit weit oben unter den erfolgreichsten Filmen.
Anders als Lucas freute das dessen Freund Steven Spielberg nur bedingt: „Nicht cool“, sagt dieser gegen Ende des Comics, „du hast gerade ‚Der weiße Hai‘ von Platz 3 verdrängt.“






