David Ellison: Hollywoods neuer Milchbubi-Mogul

Die Ära der großen Hollywood-Bosse schien längst vorbei. Gründerfiguren wie Louis B. Mayer oder Jack Warner verschwanden mit der goldenen Zeit der Filmstudios. Doch seit dieser Woche ist der Typ mächtiger Hollywood-Mogul zurück.

Nach langem Gezacker mit US-Bundesstaaten um arbeitsrechtliche und kreative Zugeständnisse wurde am Montag der 111-Milliarden-Dollar-Deal zur Übernahme von Warner Bros. Disney durch Paramount Skydance endlich genehmigt. Das Ergebnis ist das größte Nachrichten- und Unterhaltungskonglomerat der Geschichte. An der Spitze steht ein Mann, dessen Einfluss über Film und TV Mayer und Warner vor Neid erblassen ließe: der 43-jährige David Ellison.

Doch trotz seiner Machtfülle fehlt Ellison die Statur der alten Gründergeneration. Auf den Fotos, die am Dienstag in Medien wie Forbes und der New York Times erschienen, wirkt er eher wie ein Milchbubi. Die weichen Gesichtskonturen und der Rollkragenpullover lassen ihn kaum wie einen Haudegen erscheinen, der mit Unternehmergeist und Durchsetzungsvermögen ein Imperium aufgebaut hat.

Vielmehr sieht man, was er vor allem ist: ein Erbe. Der Comedian John Oliver brachte es auf den Punkt: „Zugang zu reichen Eltern zu haben, sollte nicht das System sein, um in den USA Zugang zu ärztlicher Versorgung zu bekommen. Allerdings ist es das System, um Chef eines Medienimperiums zu werden.“

In Hollywood wurde Ellison lange verspottet

Die wahre Unternehmerpersönlichkeit der Familie ist nicht David, sondern sein Vater Larry Ellison. Der Gründer des Softwaregiganten Oracle besitzt ein Vermögen von über 200 Milliarden Dollar und ist der sechstreichste Mensch der Welt. Schon 1994, beim Börsengang von Oracle, vererbte er seinen Kindern je 90.000 Aktien. Die wären heute jeweils 4 Milliarden Dollar wert. Wo genau das Geld steckt, bleibt unklar. David und seine Schwester Megan sind an verschiedenen Unternehmungen ihres Vaters beteiligt.

Durch diese Beteiligungen wurde David zum Dealmacher der Unterhaltungsindustrie. Nach dem Studium versuchte er sich zunächst erfolglos als Schauspieler, später mit mehr Geschick als Produzent von Filmen wie „Terminator“, „Top Gun“ und dem Oscar-Kandidaten „True Grit“. Doch als Manager seiner Firma Skydance belächelte man ihn in Hollywood lange. Er galt als „dumb money“, als reicher Filmfan, dem man leicht das Geld aus der Tasche ziehen konnte.

Dennoch gelang es ihm, Skydance über die Jahre zu einem respektablen, unabhängigen Studio zu formen. Die Mega-Übernahme von Warner Bros Disney und der Bieterkrieg mit Netflix schienen jedoch eindeutig von seinem Vater finanziert und orchestriert. Und laut einem Bericht der New York Times aus der vergangenen Woche wird es auch Larry und nicht David sein, der letztlich bei Paramount das Sagen hat. Eine der Familie gehörende Firma hält 77 Prozent der stimmberechtigten Anteile – hinter dieser Firma steht Larry.

Wie stark Trump-Kumpel Larry Ellison bei den Entscheidungen um die Zukunft der Unterhaltungs- und Nachrichtenindustrie eingreifen wird, ist zu diesem Zeitpunkt Spekulation. Vielleicht lässt er seinen Sohn machen, vielleicht auch nicht. Vielleicht greift er nur bei den wichtigen Entscheidungen ein. Tatsache ist, der milchbärtige neue Super-Mogul David ist alles andere als ein souveräner Herrscher über sein Imperium.

  • informationsspiegel

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