Entwicklungshilfe: Kontrolle ist gut, Vertrauen ist besser

Mit Entwicklungszusammenarbeit wollen reichere Staaten wie Deutschland ärmere Staaten aus dem Globalen Süden dabei unterstützen, die Lebensbedingungen vor Ort zu verbessern und wirtschaftliche Unterschiede zwischen den Ländern zu verkleinern. Das scheint erst mal ein faires Anliegen, schließlich basiert der Reichtum der einen historisch auch auf der Ausbeutung der anderen.

Trotzdem steht Entwicklungszusammenarbeit immer wieder infrage, und dass nicht nur, wenn wie in diesem Sommer die FDP gleich die komplette Abschaffung des Entwicklungsministeriums fordert und das Thema ins Auswärtige Amt integrieren will.

Die Kritik richtet sich dabei meist gegen die vermeintlich fehlende Effizienz von Projekten der Entwicklungszusammenarbeit. Das Geld werde nicht sinnvoll eingesetzt oder werde vor Ort zweckentfremdet. Aber stimmt das? Und würde es helfen, klare Vorgaben für den Einsatz der Mittel zu machen und diese zu kontrollieren?

Die Studie

Mit diesen Fragen haben sich Forschende der Universität Passau und der Weltbank in einem Feldexperiment am Beispiel kleiner argrarnaher Unternehmen in Burkina Faso beschäftigt. Das sind etwa Firmen, die Landmaschinen vermieten, Saatgut verkaufen oder Getreide zu Mehl mahlen.

In der im Fachmagazin Journal of Development Economics veröffentlichten Studie haben sie untersucht, ob es einen Unterschied macht, wenn die vergebenen Mittel an einen bestimmten Zweck gebunden sind oder nicht. Die Vergabe zweckgebundener Mittel, etwa für Schulungen oder Beratung, ist oft die bevorzugte Herangehensweise, weil die Geld­ge­be­r:i­nnen sich sorgen, Fördergelder könnten in den Zielländern ineffizient verwendet oder sogar veruntreut werden.

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Zwei Jahre beobachteten die Forschenden 1.200 Betriebe, die entweder flexibel einsetzbare Geldbeträge oder für feste Ziele gebundene Beträge erhielten, dazu kam eine Kontrollgruppe, die gar keine Hilfen bekam.

Die Ergebnisse sind eindeutig: Emp­fän­ge­r:in­nen von direkten Geldzahlungen schnitten in jedem untersuchten Bereich besser ab als jene von zweckgebundenen Leistungen. Zwar führten Direktzahlungen nicht zu signifikanten Erhöhungen von Umsatz oder Beschäftigung, allerdings zu Investitionssteigerungen und einer verbesserten Krisensicherheit. Direkte Zahlungen verursachten außerdem weniger Kosten.

Was bringt’s?

Die Studienergebnisse legen nahe: Die Sorgen über mögliche Fehlinvestitionen oder veruntreute Gelder sind unbegründet. Direkte Geldzahlungen können sogar die einfachere Möglichkeit sein, Betriebe in den Zielländern zu stabilisieren. Vor allem aber belegen die Ergebnisse, dass Unternehmen in den betroffenen Ländern oft eine bessere Kenntnis der Bedürfnisse und Umstände vor Ort haben als die designierten Ex­per­t:in­nen in Bonn, Berlin und Frankfurt.

  • informationsspiegel

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