Epsteins Kontakte nach Norwegen: Nobel-Institut erwartet Erklärung vom Ex-Vorsitzenden

afp | Nach den jüngsten Veröffentlichungen zum US-Sexualstraftäter Jeffrey Epstein gerät in Norwegen der ehemalige Ministerpräsident Thorbjørn Jagland zunehmend in Erklärungsnot. Das Nobel-Institut in Oslo erklärte am Mittwoch, es warte auf eine Erklärung Jaglands zu seinen mutmaßlichen Verbindungen zu dem US-Milliardär. Jagland war von Januar 2009 bis März 2015 Vorsitzender des Nobel-Komitees, das jedes Jahr über die Vergabe des Friedensnobelpreises entscheidet.

Die norwegische Zeitung VG berichtete unter Verweis auf die am Freitag veröffentlichten Dokumente, dass Jagland einen engen Kontakt zu Epstein gehabt habe. So habe Jagland einmal um finanzielle Unterstützung beim Kauf einer Wohnung gebeten. Dazu sagte Jagland der Zeitung, dass er alle Kredite für seine Immobilien von der norwegischen Bank DNB erhalten habe.

„Wenn sich herausstellt, dass Thorbjørn Jagland finanzielle Leistungen von Jeffrey Epstein erhalten hat, während er Mitglied des Nobel-Komitees war, würde das unserem Verhaltenskodex widersprechen“, sagte Kristian Berg Harpviken, Direktor des Nobel-Instituts, vor Journalisten. Er wolle Jagland aber nicht vorverurteilen. Jagland war von 1996 bis 1997 Ministerpräsident Norwegens und von 2009 bis 2019 Generalsekretär des Europarats.

Besuche beim US-Milliardär

In einem Schriftwechsel soll Epstein Jagland laut der Zeitung VG gebeten haben, ein Treffen mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin zu arrangieren.

Den vom US-Justizministerium veröffentlichten Dokumenten zufolge hielt Jagland sich 2018 bei Epstein in New York auf und 2015 und 2018 in Epsteins Wohnung in Paris. 2014 plante der ehemalige Ministerpräsident zudem einen Urlaub mit seiner Familie auf der Insel des US-Investors, die Reise wurde aber letztlich abgesagt.

Am Sonntagabend räumte Jagland gegenüber der Zeitung Aftenposten „Fehler in der Beurteilung“ Epsteins ein.

Das Justizministerium in Washington hatte am Freitag mehr als drei Millionen weitere Dokumente zum Fall Epstein veröffentlicht, darunter E-Mails, Fotos und Videos. Darin erscheinen wieder die Namen zahlreicher Persönlichkeiten.

Auch Königshaus verwickelt

Am Montag war eine der bekanntesten norwegischen Diplomatinnen, Mona Juul, wegen ihrer mutmaßlichen Verbindungen zu Epstein vorübergehend suspendiert worden. Die norwegische Kronprinzessin Mette-Marit räumte „peinliche“ Fehler ein, nachdem norwegische Medien über ihre Freundschaft mit Epstein berichtet hatten.

Epstein soll Tausende Minderjährige und junge Frauen missbraucht und teils an Prominente weitergereicht haben. Er war erstmals 2008 verurteilt worden, weil er minderjährige Mädchen missbraucht hatte. Wegen eines umstrittenen Deals mit der Staatsanwaltschaft erhielt er damals eine nur 18-monatige Haftstrafe.

2019 wurde er unter anderem wegen des sexuellen Missbrauchs von Minderjährigen erneut festgenommen. Rund einen Monat später wurde er erhängt in seiner New Yorker Gefängniszelle aufgefunden, nach offiziellen Angaben nahm er sich das Leben.

  • informationsspiegel

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