FC Bayern München mal wieder Meister: Die langweiligste Liga der Welt

K aum Tränen. Kein Fan, der fassungslos in die Kamera heult und greinend von sich gibt: „Dass ich das noch erleben darf!“. Kein Stadtteil, der von den Fans rot und weiß angepinselt wird. Keine nennenswerten Umsatzsteigerungen in der Münchner Innenstadtgastronomie. Irgendwelche feuilletonistisch angehauchten Reportagen darüber, wie wichtig das alles für die Region und überhaupt ist, werden schon lange nicht mehr geschrieben. Denn nichts ist wichtig, originell oder gar aufregend an der Nachricht, dass die Fußballer des FC Bayern München die deutsche Meisterschaft gewonnen haben. Und genau das ist das Problem.

Zum 35. Mal haben die Bayern nun den Titel gewonnen. Wieder mal stand lange vor dem Ende der Saison fest, dass sie nicht mehr einzuholen sein würden. Und wieder einmal tun Klub und Spieler alles, um auf möglichst peinliche Weise so zu tun, als würden sie sich wirklich freuen über den Titel. Dafür haben sie jenen irdenen Kakadu zum Jubeln mit in die Kabine genommen, den sie bei der Meisterfeier des vergangenen Jahres aus einem Münchner Nobellokal haben mitgehen lassen. „Er trinkt am liebsten Champagner“, wird dazu Mittelfeldspieler Leon Goretzka in der Bild-Zeitung zitiert. Viel Münchnerischer kann man seine Freude wohl nicht zum Ausdruck bringen.

Ob wohl der Kakadu im nächsten Jahr auch wieder mitfeiern darf, wenn die Bayern den Titel gewonnen haben? Das dürfte wahrscheinlich eine der spannendsten Fragen der folgenden Saison werden. Sportlich dürfte sie vor dem ersten Spieltag schon entschieden sein. Denn niemand kann mithalten mit den Münchnern, die 2024 nur deshalb einmal nicht Meister geworden sind, weil Bayer Leverkusen alles, aber auch wirklich alles gelungen ist und die Bayern mit Thomas Tuchel einen Trainer hatten, der alles, aber auch wirklich alles, was funktioniert hat, noch einmal ganz anders als seine Vorgänger machen wollte. Mehr als ein Betriebsunfall war das nicht.

Der Preis für ein paar gute Champions-League-Spiele

Am Wochenende wurde der VfB Stuttgart, der gemeinhin als eine der spielstärksten Mannschaften der Liga gilt, in der Arena der Münchner regelrecht vorgeführt. Dass Borussia Dortmund mal mehr als Platz zwei erreichen könnte, davon träumen mittlerweile nicht mal mehr Kinder, die in BVB-Bettwäsche schlafen. Es ist unvorstellbar. Wer soll auch mithalten mit einem Klub, der einem Stürmer wie Harry Kane so viel Geld zahlen kann, dass der sich südlich von London eine Villa bauen lässt, die es mit dem Buckingham Palace aufnehmen kann.

Jahr für Jahr wird der finanzielle Abstand zur nationalen Konkurrenz größer. Schon jetzt haben die Bayern durch ihren Einzug ins Halbfinale der Champions League 83,445 Millionen Euro an Startgeldern und Erfolgsprämien von der Europäischen Fußballunion Uefa kassiert. Die Einnahmen an den Heimspieltagen in der europäischen Eliteliga sind da noch gar nicht dabei.

Und weil auch die Einnahmen aus der Rechteverwertung der Bundesliga so verteilt werden, dass der Erste weit mehr bekommt als der Letzte, wird der Abstand zu den anderen Teilnehmern an diesem öden Wettbewerb namens deutsche Fußballmeisterschaft immer größer. Etwa 100 Millionen Euro kassieren die Münchner derzeit pro Saison von der Bundesliga. Ein solider Mittelklasseklub wie der SC Freiburg muss mit knapp 30 Millionen Euro weniger planen. All die Klubs, die nach den Regeln der Liga wirtschaften müssen, wissen, dass sie nie deutscher Meister werden können, wenn die Geldverteilerei auf diese Art weitergeht.

Die Eintönigkeit der Liga ist der Preis für die paar herausragenden Spiele, in denen der FC Bayern mal gegen europäische Topklubs glänzen kann oder wirklich kämpfen muss. Es ist ein hoher Preis. Die Schlussphase des Viertelfinalrückspiels gegen Real Madrid mag die ganze Fußballrepublik elektrisiert und etliche Kurvenfans derart emotionalisiert haben, dass sie gleich ein paar Pressefotografen über den Haufen gerannt haben. Die Bayern haben tatsächlich mal zehn Minuten lang für Aufregung gesorgt. Gar nicht mal so viel im Vergleich zu der jahrelangen Ödnis in der heimischen Liga.

  • informationsspiegel

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