Fehlende finanzielle Sicherheit: Gen Z will Immos und Dollars

W as ist Luxus? Das Dessert im Restaurant? Der Friseurtermin, der längst fällig ist? Die Gesichtsmaske am Abend?

Oder doch der Yoga-Retreat auf Bali? die Gen Z auf Tiktok und Co an, scheint das Motto eher Luxus im Überfluss zu sein: Bling-Bling überall. Auf den Zähnen, am Gürtel und der Handtasche, selbst die Elfbar (für die Boomer: eine elektronische Zigarettenmarke) blinkt, wenn man dran zieht. Geschmack: Cherry, Watermelon oder Blueberry Ice. Gen Z hat Bock auf reich sein, kein Bock auf Arbeit und will trotzdem ein gutes Leben.

Alles nur Klischees? Jeder Versuch, einer kompletten Generation Charaktereigenschaften anzudichten, muss scheitern. Und auch wenn das Bild des gierigen Luxus-Monsters namens Gen Z (Jahrgang 1995 bis 2012) komplett überzogen ist, ist es wichtig, darüber zu sprechen, was Reichtum und viel mehr das Fehlen davon mit einer Generation macht. Denn fest steht: Die Gen Z ist die Generation der finanziellen Sorgen.

Sie sind einerseits geprägt von der Coronapandemie. Einer Zeit, in der Kinder und Jugendliche, so stark wie wenige sonst, zurückstecken mussten. Der Wunsch nach Überfluss, der der Gen Z vorgeworfen wird, ist verständlich. Viele Jugendliche und junge Erwachsene wollen nachholen, was sie verpasst haben. Sie gehen ins Kino, in den Club, ins Restaurant. Die sozialen Medien – niemand ist bisher so eng damit aufgewachsen, wie die Gen Z – befeuert die Angst, etwas zu verpassen. Wer war schon im neuen Burgerladen essen? Wer hat die neusten Apple-Kopfhörer? Die lustigen angesagten Tattoos?

Hauptsache cool sein

Man will dazugehören, zu den coolen Kids, leisten können es sich aber nur die wenigsten. Denn mehr als ein Viertel der unter 25-Jährigen ist armutsgefährdet. Kein Wunder daher, dass die Sorge um die eigene finanzielle Sicherheit steigt. Schaut man sich etwa die Shell-Jugendstudie aus dem Jahr 2024 an: Im Vergleich zur letzten Erhebung von 2019 sorgen sich mehr Menschen um die wirtschaftliche Lage. Mehr als 67 Prozent der Befragten haben Angst vor Armut. Die Jahrgänge 1995 bis 2012, zwischen Millennials und Generation Alpha, sind geprägt von den vergangenen Jahren der hohen Inflation. Doch gab es nicht schon immer Zeiten von finanzielle Krisen und hohen Preisen?

&#xE80F

Wenn die Aussichten auf ein sicheres Zuhause, einen sicheren Job und eine sichere Altersvorsorge schwinden, wer kann es der Gen Z noch übel nehmen, vom Luxus zu träumen

Das stimmt und doch steigt die Gen Z in einen Arbeitsmarkt ein, in dem das Einkommen zunehmend ungleicher verteilt ist. Auch wenn in den vergangenen Jahren das Gehalt real angestiegen ist, sind es zu großen Teilen die Gutverdiener, die davon profitieren. Der Rest kann sich immer weniger leisten.

Kein Wunder also, dass sich jüngere Leute um ihre finanzielle Sicherheit sorgen. Und selbst wer die Möglichkeit zu sparen hat, braucht die Zeit und das Wissen, um sich mit Sparmöglichkeiten auseinanderzusetzen. Denn auch wenn die Gen Z gern „Immos und Dollars“ (Nina Chuba) hätte, in der Schule ist das Interesse nach Finanzbildung noch nicht angekommen.

Traum von Mietwohnung

Während die Generation der Boomer im kuschligen Eigenheim über die faule Gen Z schimpft, sind es die jungen Leute, die sich kaum noch eine eigene Wohnung zur Miete – der Traum vom Kauf, in weiter Ferne – leisten können. Knapp die Hälfte aller Studierenden lebt daher heute bei den Eltern. 2002 waren es 31 Prozent.

Wenn die Aussichten auf ein sicheres Zuhause, einen sicheren Job und eine sichere Altersvorsorge schwinden, wer kann es der Gen Z noch übel nehmen vom Luxus zu träumen, im Jetzt zu verschwenden und mit so viel Bling-Bling wie es geht durchs Leben zu gehen.

  • informationsspiegel

    Related Posts

    Ökonomin über Faschismus und Wirtschaft: „Wir müssen den Nährboden der Frustration angehen“
    • October 10, 2026

    Eine antifaschistische Wirtschaftspolitik sollte den Reichen ihr Überlegenheitsgefühl nehmen, sagt Isabella Weber. Die Voraussetzung: ein bezahlbares Leben für alle. mehr…

    Weiterlesen
    Streit um Energiereformen: Das Schlimmste verhindern
    • October 10, 2026

    Die Bundestagsabgeordnete Nina Scheer verhandelt für die SPD über die umstrittenen Energiereformen von Ministerin Katherina Reiche. Warum viele auf sie hoffen. mehr…

    Weiterlesen

    Nicht verpassen

    Ökonomin über Faschismus und Wirtschaft: „Wir müssen den Nährboden der Frustration angehen“

    • 7 views
    Ökonomin über Faschismus und Wirtschaft: „Wir müssen den Nährboden der Frustration angehen“

    Streit um Energiereformen: Das Schlimmste verhindern

    • 7 views
    Streit um Energiereformen: Das Schlimmste verhindern

    Kolumne Stadtgespräch aus Tel Aviv: Was der gescheiterte Fly-Dubai-Anschlag mit Israelis macht

    • 10 views
    Kolumne Stadtgespräch aus Tel Aviv: Was der gescheiterte Fly-Dubai-Anschlag mit Israelis macht

    Trump kauft Kraftstoff von Putin: „Das ermöglicht Russland, noch mehr zu töten“

    • 7 views
    Trump kauft Kraftstoff von Putin: „Das ermöglicht Russland, noch mehr zu töten“

    Jugendwort 2026: „Ragebait“ macht das Rennen

    • 7 views
    Jugendwort 2026: „Ragebait“ macht das Rennen

    Hinrichtung im Livestream: US‑Politiker und UNO fordern Verzicht

    • 8 views
    Hinrichtung im Livestream: US‑Politiker und UNO fordern Verzicht