Festnahmen bei Nawalny-Gedenken: Angst vor einem toten Mann

Mindestens 19 Personen wurden festgenommen, weil sie des Oppositionellen Nawalny gedachten. Selbst im Jenseits sieht der Kreml in ihm eine Bedrohung.

E s gibt sie also noch in Russland, auch wenn sie nur wenige sind: Menschen, die es sich nicht nehmen ließen, am Montag an den vor zwei Jahren in Haft getöteten Oppositionellen Alexei Nawalny zu erinnern. Sie wissen, welches hohe Risiko sie eingehen. Einen Blumenstrauß niederzulegen, kann schlimmstenfalls im Gefängnis enden. Wer von dort – wenn überhaupt – lebend zurückkehrt, ist für den Rest des Lebens gezeichnet.

Auch am Montag wurden mindestens 19 Personen festgenommen, weil sie Nawalnys gedachten. Das sagt viel aus über ein Regime, das sogar vor einem Toten Angst hat – nach dem Motto: Die Bedrohung lauert auch noch im Jenseits. Gleichzeitig wird von offizieller Seite behauptet, Nawalny habe im gesellschaftspolitischen Leben Russlands doch ohnehin keinerlei gesellschaftspolitische Rolle gespielt. Noch Fragen? Eben.

Genauso entlarvend sind die Einlassungen von Wladimir Putins Pressesprecher Dmitri Peskow. Anschuldigungen, der Kremlkritiker sei in der Haft vergiftet worden, entbehrten jeder Grundlage und würden zurückgewiesen, teilte Peskow der Öffentlichkeit mit.

=”” span=””>

Das Logo der taz: Weißer Schriftzung t a z und weiße Tatze auf rotem Grund.
taz debatte

=”” div=””>

Dümmer und dreister zu lügen – in der Causa Nawalny beileibe nicht zum ersten Mal – das geht kaum noch. Dass bei dem Ableben Nawalnys nachgeholfen wurde, dürfte mittlerweile hinlänglich bewiesen sein – nicht zuletzt durch die jüngst veröffentlichten Untersuchungsergebnisse unabhängiger Speziallabors. Dabei hat der Einsatz von Gift, um unbequeme Zeit­ge­nos­s*in­nen für immer zum Schweigen zu bringen, unter Wladimir Putin Methode – auch im Ausland. Die Liste der Opfer ist lang, Nawalny – schon im August 2020 nach einem Anschlag mit Nowitschok nur knapp dem Tod entronnen – dürfte nicht der letzte Fall dieser Art gewesen sein.

Übrigens: In einer gemeinsamen Erklärung haben fünf westeuropäische Staaten, darunter auch Deutschland, erklärt, man gehe davon aus, dass Nawalny mit einem tödlichen Toxin vergiftet worden sei. Die USA sucht man in dieser Gruppe vergeblich. Das lässt tief blicken – in einem Abgrund.

Gemeinsam für freie Presse

Als Genossenschaft gehören wir unseren Leser:innen. Und unser Journalismus ist nicht nur 100 % konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Alle Artikel stellen wir frei zur Verfügung, ohne Paywall. Gerade in diesen Zeiten müssen Einordnungen und Informationen allen zugänglich sein. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass kritischer, unabhängiger Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung. Unser nächstes Ziel: 50.000 – und mit Ihrer Beteiligung können wir es schaffen. Setzen Sie ein Zeichen für die taz und für die Zukunft unseres Journalismus. Mit nur 5,- Euro sind Sie dabei!

Jetzt unterstützen

  • informationsspiegel

    Related Posts

    +++ Nachrichten im Irankrieg +++: Trump spart nicht mit Beleidigungen gegen Iran
    • April 5, 2026

    Der US-Präsident droht mit Angriffen auf zivile Infrastrukturen und spricht zugleich von einer bevorstehenden Einigung. Der Einsatz zur Rettung eines US-Waffenoffiziers lief womöglich nicht ganz reibungslos ab. mehr…

    Weiterlesen
    Parlamentswahl in Ungarn: Und Schuld haben ausländische Kräfte
    • April 5, 2026

    Bei der Parlamentswahl in Ungarn sieht es für Fidesz und Viktor Orbán nicht gut aus. Doch Orbán könnte sich mit „Einmischung von außen“ herausreden. mehr…

    Weiterlesen

    Nicht verpassen

    +++ Nachrichten im Irankrieg +++: Trump spart nicht mit Beleidigungen gegen Iran

    • 5 views
    +++ Nachrichten im Irankrieg +++: Trump spart nicht mit Beleidigungen gegen Iran

    Parlamentswahl in Ungarn: Und Schuld haben ausländische Kräfte

    • 3 views
    Parlamentswahl in Ungarn: Und Schuld haben ausländische Kräfte

    Ammoniakfabrik in Mexiko: Menschenrechte? Hier nicht

    • 5 views
    Ammoniakfabrik in Mexiko: Menschenrechte? Hier nicht

    Mangelware Quark und Skyr im Supermarkt: Finger weg von meinen Grundnahrungsmitteln!

    • 4 views
    Mangelware Quark und Skyr im Supermarkt: Finger weg von meinen Grundnahrungsmitteln!

    Mark-Rothko-Retrospektive in Florenz: Rothko rennt gegen die Wand

    • 3 views
    Mark-Rothko-Retrospektive in Florenz: Rothko rennt gegen die Wand

    Im Wochenendhaus: Mein Körper will auf dem Land sein, mein Kopf in der Stadt

    • 3 views
    Im Wochenendhaus: Mein Körper will auf dem Land sein, mein Kopf in der Stadt