Folgen der Klimakrise: Ab 30 Grad kippt die Wirtschaft

Es ist noch nicht einmal Juni, schon herrschen in Europa vielerorts Temperaturen jenseits der 30 Grad. Auch in Deutschland war es dieses Jahr bereits ungewöhnlich heiß. Und die hohen Temperaturen haben nicht nur Folgen für Mensch und Natur. Auch aus ökonomischer Sicht gibt es gute Gründe, sich vor der nächsten Hitzewelle zu fürchten.

Wenn sich die Hitzewellen des vergangenen Jahrzehnts wiederholen, könnte sich der dadurch für die deutsche Wirtschaft entstandene Schaden von 2026 bis 2030 auf insgesamt rund 131 Milliarden US-Dollar summieren. Diese Zahl haben nicht Kli­ma­schüt­ze­r*in­nen berechnet. Sie stammt aus einer Studie, die der Kreditversicherer Allianz Trade, eine Tochter des Allianz-Konzerns, am Donnerstag veröffentlicht hat. Demnach sind Einbußen beim Bruttoinlandsprodukt in den kommenden vier Jahren von bis zu 3 Prozent möglich.

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Extreme Hitze ist längst kein kurzfristiges Wetterphänomen mehr, sondern ein struktureller wirtschaftlicher Schock

Milo Bogaerts von Allianz Trade

„Extreme Hitze ist längst kein kurzfristiges Wetterphänomen mehr, sondern ein struktureller wirtschaftlicher Schock“, warnt Milo Bogaerts von Allianz Trade. Ab Temperaturen über 30 Grad schmelze die Produktivität und Energiekosten stiegen. So verweisen die Allianz-Forschenden in ihrer Studie etwa auf die Hitzewelle in Frankreich im Jahr 2019. Damals musste die Leistung der Kernkraftwerke gedrosselt werden, was das Angebot verknappte und zu massiven Strompreisspitzen führte. „Hitze beeinträchtigt zudem die Übertragungsnetze, indem sie die Übertragungskapazität von Generatoren, Transformatoren und Stromleitungen verringert“, schreiben die Forschenden weiter.

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Vor allem aber, warnt Bogaerts, bremsen sinkende Renditewarnung aufgrund von steigender Temperaturen die Investitionsbereitschaft von Unternehmen. Das wiederum wirkt sich negativ auf die künftige Produktivität und Wettbewerbsfähigkeit aus. Dabei bewegt sich Deutschland, was die möglichen ökonomischen Schäden des Klimawandels angeht, noch im europäischen Mittelfeld. Frankreich, Italien und Spanien trifft es bereits härter, während die nordeuropäischen Länder kurzfristig etwa durch geringere Energiekosten noch vom Klimawandel profitieren.

Ab 30 Grad steigen die Energiekosten

Allerdings besteht bei Temperaturen ab 30 Grad eine Schwelle, an der die Effekte ins Negative kippen. Dann sinkt die Produktivität laut der Studie pro zusätzlichem Grad um 3 Prozent, während die Energiekosten – auch aufgrund eines höheren Kühlbedarfs – um etwa 1,2 Prozent pro Grad steigen.

Für den Allianz-Klimaökonom Hazem Krichene sind die grüne Transformation und die Anpassung an den Klimawandel deswegen zentrale Fragen der Wirtschaftspolitik. „Länder, die bei der Infrastruktur sowie dem Schutz von Unternehmen und Arbeitnehmern schneller vorankommen, werden im Vorteil sein. Europa muss Schritt halten“, warnt Krichene.

So sind Länder in heißen Regionen wie dem Nahen Osten, Afrika, Amerika oder Asien bereits besser an extreme Hitze angepasst. „Insgesamt ist Europa historisch auf Kälte ausgelegt und auf Hitze bis heute schlecht vorbereitet, obwohl Hitzewellen in den letzten Jahren nichts Neues sind“, sagt Krichene. Zum Beispiel sind Gebäude in Europa der Studie zufolge noch immer vor allem darauf ausgerichtet, Wärme zu speichern, statt sie abzuleiten.

  • informationsspiegel

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