Folgen der Klimakrise: Wie das Niedrigwasser die Landwirtschaft trifft

Die anhaltende Trockenheit führt nicht nur zu Niedrigwasser in den Flüssen, sondern setzt auch der Landwirtschaft zu: Weite Teile West- und Süddeutschlands verzeichnen extrem trockene Böden. Nur in Teilen Nord- und Mitteldeutschlands regnete es genug, um die Vorräte des sogenannten pflanzenverfügbaren Wassers in den oberen Bodenschichten aufzufüllen. Das geht aus dem Dürremonitor des Umweltforschungszentrums Leipzig hervor.

Aufgrund der niedrigen Pegelstände in Flüssen und des Grundwassers beschränken derzeit zahlreiche Kommunen die Wasserentnahme für Landwirt*innen: In Brandenburg sind es sieben Landkreise, im niedersächsischen Lüchow-Dannenberg dürfen Land­wir­t*in­nen bei hohen Temperaturen und Windstärken ihre Flächen gar nicht beregnen.

Allerdings können nur wenige Land­wir­t*in­nen ihre Flächen überhaupt künstlich bewässern: Laut Statistischem Bundesamt wurden selbst im extrem trockenen Jahr 2022 nur 3,3 Prozent der Äcker beregnet. „Das trifft vor allem den Anbau von Sonderkulturen wie Gemüse“, erklärt Philip Brändle, Landwirtschaftsexperte vom Naturschutzbund Nabu. „Die Investitionen in die Beregnung von Mais und Getreide ist ohnehin meist nicht rentabel.“

Entscheidend für die Landwirtschaft sei, dass tatsächlich Wasser in der oberen Bodenschicht verfügbar ist, sagt Brändle. „Das ist abhängig von Regen und der Bodenqualität. Leichte Böden wie Sand speichern Wasser schlecht, schwere Böden wie Lehm dagegen sehr gut.“ Es sei deswegen außergewöhnlich, dass zum Beispiel in Ostbrandenburg, wo es viele leichte Böden gibt, die Wassersituation aktuell weniger angespannt ist als im Westen und Süden. Die Getreideernte war laut Bauernverband bislang allerdings durchschnittlich.

Wetterdienst: regional „historisch“ wenig Regen

Der Juli war laut Deutschem Wetterdienst (DWD) in Deutschland extrem trocken: Pro Quadratmeter fielen nur 40 Liter Regen, zwischen 1961 und 1990 waren es durchschnittlich 78 Liter. „Historische Ausmaße“ nahm die Niederschlagsarmut laut DWD im Westen und in Teilen des Südwestens an. Dort seien mancherorts nur 10 Liter Regen pro Quadratmeter gefallen.

Während der Klimawandel zwar Hitze in Europa deutlich wahrscheinlicher macht, lässt sich das generell für Trockenheit nicht sagen: Heißere Luft kann mehr Wasser aufnehmen, deswegen verschieben sich Niederschlagsmuster eher, als dass die Regenmengen flächendeckend sinken. Die Hitze sorgt aber für mehr Verdunstung, außerdem kommt es wegen der heißeren und deswegen potenziell feuchteren Luft zu mehr Starkregen. Kurzen, heftigen Niederschlag können Böden aber schlechter speichern.

Um die Äcker an die Erderhitzung anzupassen, empfiehlt Nabu-Experte Brändle, mehr verschiedene Nutzpflanzen anzubauen: „Unterschiedliche Kulturen brauchen zu unterschiedlichen Zeitpunkten Wasser“, erklärt er. Wenn Land­wir­t*in­nen also viele unterschiedliche Kulturen anbauten, streue sich das Risiko von fehlendem Regen. „Das hat auch ökologische Vorteile, weil das mehr Artenvielfalt auf dem Acker nach sich zieht.“ Pflanzen die Land­wir­t*in­nen darüber hinaus Zwischenfrüchte und Untersaaten an, bauen sie mehr Humus auf und verbessern so die Wasserhaltefähigkeit der Böden „deutlich“.

Zentral sei aber der Klimaschutz, sagt Brändle: „Wenn die Agrarpolitik weiterhin auf ein System setzt, das darauf angewiesen ist, viel synthetischen, chemischen Dünger zu nutzen, für die viel fossile Energie gebraucht wird, heizen sie durch den CO₂-Ausstoß den Klimawandel weiter an.“

Besser wäre laut Brändle zum Beispiel der Anbau von Leguminosen, also zum Beispiel Erbsen und Bohnen, um Stickstoff zu binden, statt dafür synthetische Dünger zu nutzen. Düngemittel wiederum werden in Deutschland unter anderem per Binnenschiff transportiert – und das wird ohnehin immer schwieriger, weil viele Wasserstraßen wenig Wasser führen.

Neuer Verkehrsminister beruft Krisentreffen ein

Bislang läuft der Wassermangel in der Landwirtschaft politisch weitgehend unter dem Radar. Bei den niedrigen Pegelständen in den Flüssen ist das anders: Wegen des extremen Niedrigwassers hat der neue Bundesverkehrsminister Steffen Bilger (CDU) für Donnerstag zu einem Krisentreffen nach Bonn eingeladen.

Bilger hat bereits rund eine Milliarde Euro für neue oder sanierungsbedürftige Schleusen an der Donau in Bayern zugesichert. Gleichzeitig will der Bund die Förderung für moderne Binnenschiffe, die besser auf Niedrigwasser fahren können, im kommenden Jahr um mehr als die Hälfte eindampfen.

  • informationsspiegel

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