Geschäftsbericht von Vonovia: Keine guten Aussichten für Mie­te­r*in­nen

Für Vonovia selbst klingt alles vielversprechend. „Starkes Ergebnis und Zuversicht für weitere Geschäftsentwicklung“. Mit diesen Worten ist der Geschäftsbericht für das Jahr 2025 überschrieben, der am Donnerstag veröffentlicht wurde. Das Kerngeschäft der Vermietung profitierte demnach „von einem positiven Marktumfeld und zeigte erneut einen verlässlich steigenden Cashflow“. Es gibt kaum Leerstand, die Mieten wurden um 4,1 Prozent erhöht, die Aktionäre sollen eine Dividende von 1,25 Euro je Aktie erhalten. Unter dem Strich erwirtschaftete Vonovia einen bereinigten Gewinn von 1,54 Milliarden Euro, das sind 5,3 Prozent mehr als im Vorjahr.

Doch ganz so überzeugt sind nicht alle, was sich unter anderem daran zeigt, dass der Aktienkurs einbricht. In ‌der Vergangenheit musste Vonovia wegen der Immobilienkrise den Wert seiner Immobilien immer wieder herunterschreiben und hat deshalb Milliardenverluste verzeichnet.

Vonovia-Chef Luka Mucic kündigte an, in den kommenden Jahren die hohe Verschuldung weiter abzubauen, dafür seien auch „verstärkte Verkaufsaktivitäten“ geplant. Ziel sei „das Wachstum zu stärken und Mehrwert für unsere Aktionärinnen und Aktionäre zu schaffen“. Das heißt auch: Der Druck auf Mie­te­r*in­nen bleibt weiter hoch.

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Die Niederlagen vor Gericht werden einfach mit eingepreist.

Maximilian Fuhrmann, Mieterbund NRW

Vonovia ist Deutschlands größter Vermieter. Der Konzern steht immer wieder in der Kritik wegen zu hoher Heizkostenabrechnungen oder unzulässigen Mieterhöhungen. Davon kann auch Maximilian Fuhrmann vom Deutschen Mieterbund in Nordrhein-Westfalen berichten. „Das vergangene Jahr war geprägt von aggressiven Mieterhöhungen bis an die Grenze des Erlaubten und darüber hinaus“, sagt er der taz am Telefon.

Niederlagen vor Gericht mit eingepreist

Vonovia gehe dabei sehr systematisch vor. In Berlin, Dresden, Dortmund und Stuttgart habe Vonovia „zwar zahlreiche Schlappen vor Gericht erlitten, da Mieterhöhungen mit Fantasiezuschlägen auf den Mietspiegel begründet wurden“. Das halte den Konzern aber nicht davon ab, weiter unzulässige Mieterhöhungen zu verschicken. „Die Niederlagen vor Gericht werden einfach mit eingepreist“, erklärt Fuhrmann.

Das Problem sei, dass ein Großteil der Mie­te­r*in­nen „aus Unwissenheit oder aus Angst die Wohnung zu verlieren, den überhöhten Mieten einfach zustimmt“. Das habe fatale Folgen. Denn die überhöhten Mieten fließen dann auch in die Berechnung des nächsten Mietspiegels ein. „Das hat also einen preistreibenden Effekt auf alle Mieten“, kritisiert Fuhrmann. Man müsse daher den Mieterschutz ausweiten, um diese Dynamik zu verhindern.

Ein weiteres Problem sei, dass die Mieten in Städten wie Bochum oder Essen, in denen die Mietpreisbremse nicht gilt, stetig stiegen. „Die Angebote von Vonovia liegen dort deutlich über dem Mietspiegel. Gleichzeitig ist das Lohnniveau im Ruhrgebiet immer noch niedrig“, sagt Fuhrmann. Deswegen sei es wichtig, die Mietpreisbremse flächendeckend auszuweiten.

„Wohnungen sollten nicht an Börse gehandelt werden“

Auch Caren Lay, Sprecherin für Mietenpolitik der Linksfraktion im Bundestag, kritisiert das Vorgehen von Vonovia scharf: „Ein profitorientierter Aktienkonzern wirtschaftet gegen das Gemeinwohl. Wohnungen sollten nicht an der Börse gehandelt werden.“ Lay spricht sich deshalb für eine Vergesellschaftung der Wohnungen aus.

Derzeit berät eine von der Bundesregierung eingesetzte Expertenkommission wie man gegen überhöhte Mieten vorgehen kann – etwa darüber, ob es künftig Bußgelder bei Verstößen gegen die Mietpreisbremse geben soll. Ergebnisse werden erst Ende des Jahres erwartet.

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