Hinrichtungen in Iran: Protest gegen Machtdemonstration des Regimes

Zwei Demonstranten – der 28-jährige Amir-Hossein Safari und der 23-jährige Abolfazl Sepahi – wurden am Dienstagmorgen in der iranischen Stadt Isfahan hingerichtet. Fotos, die in den sozialen Medien kursieren, zeigen Kräne, die in der Nacht auf Dienstag auf einem öffentlichen Platz aufgestellt wurden. Dort wurden die beiden Demonstranten beim ersten Gebetsruf am Morgen gehängt.

Laut der in Oslo ansässigen Organisation Iran Human Rights hat Iran allein in diesem Jahr mindestens 424 Todesurteile vollstreckt, die meisten davon in Zusammenhang mit Drogendelikten. Aber auch mehr als 50 Demonstrierende wurden hingerichtet. Im Jahr 2025 fielen laut Amnesty International 2.159 Menschen den staatlichen Hinrichtungen in Iran zum Opfer – so viele, wie nirgends sonst auf der Welt.

Im Falle von politischen Häftlingen finden die Vollstreckungen der Todesurteile in der Regel im Verborgenen statt. Die Öffentlichkeit erfährt erst im Nachhinein davon. Doch im Falle von Amir-Hossein Safari und Abolfazl Sepahi war es anders.

Den beiden Demonstranten warfen die Behörden vor, während des Massenaufstands im Januar vier Regimekräfte getötet zu haben. Ihre Geständnisse wurden laut Menschenrechtsorganisationen wohl unter Folter erzwungen. Zwei weitere Männer wurden in Zusammenhang mit demselben Prozess bereits hingerichtet.

An Safari und Sepahi wollte die iranische Justiz nun wohl ein Exempel statuieren: Sie wurden öffentlich gehängt – und zwar direkt auf dem Alikhani-Platz, dem Ort, an dem auch die Sicherheitskräfte ums Leben kamen. Der Alikhani-Platz befindet sich im Norden Isfahans und verbindet verschiedene Arbeiterviertel. In den letzten Jahren wurde er immer wieder zum Schauplatz von Massenprotesten.

Dann eröffneten die Sicherheitskräfte das Feuer

Die öffentliche Hinrichtung sollte wohl als Machtdemonstration und als Abschreckung dienen. Doch in Iran treffen staatliche Hinrichtungen auf eine Zivilgesellschaft, die die Todesstrafe seit Jahrzehnten aktiv bekämpft. Vor zwei Wochen traten im Ghezel-Hesar-Gefängnis in der Stadt Karadsch rund 1.500 iranische Häftlinge in den Hungerstreik, um gegen Hinrichtungen zu protestieren.

Im Falle des Alikhani-Platzes mobilisierten sich sofort Hunderte Menschen. Als die Regimekräfte in der Nacht auf Dienstag begannen, Kräne für die bevorstehende Hinrichtung aufzubauen, verbreiteten sich die Bilder davon in den sozialen Medien wie ein Lauffeuer. Binnen weniger Stunden versammelte sich eine große Menschenmenge, um die Hinrichtung zu stoppen – trotz Lebensgefahr für die Demonstranten selbst.

Das Regime hatte Reaktionen aus der Bevölkerung offensichtlich erwartet und Hundertschaften an Sicherheitskräften zum Schutz der Hinrichtung bereitgestellt. Videos von Augenzeugen zeigen, wie die Sicherheitskräfte zuerst versuchen, die friedlichen Demonstranten durch Tränengas zu vertreiben. Dann eröffneten sie das Feuer. Eine junge Psychologiestudentin soll laut Augenzeugenberichten, die noch unbestätigt sind, dabei ums Leben gekommen sein.

Im Augenblick droht drei weiteren Männern – Ali Daschti, Amir-Hossein Maleki und Ghaem Hosseini – im Zusammenhang mit dem Alikhani-Platz-Prozess die unmittelbare Hinrichtung. Ihre Familien wurden laut iranischen Aktivisten zu einem letzten Besuch ins Gefängnis eingeladen.

  • informationsspiegel

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