Höhere Beitragsbemessungsgrenzen: Sozialpolitik geht anders

Gutverdienende müssen künftig höhere Sozialbeiträge bezahlen. Doch Verwaltungshandeln ersetzt keine Entscheidung über die künftige Sozialpoliitk.

H urra! SPD-Arbeitsministerin Bärbel Bas will Gutverdienende stärker in die Pflicht nehmen und die Beitragsbemessungsgrenzen der Renten-, Pflege- und Krankenversicherung erhöhen. Hurra? Der Bund der Steuerzahler bekommt schon Schnappatmung, aber weder macht Bas auf Robin Hood, noch muss eine Mil­lio­när:in um ihr Geld fürchten. Es handelt sich vielmehr um eine Routineverordnung, die jährlich ansteht. Die Entscheidung darüber, wie der Sozialstaat gerecht und nachhaltig finanziert wird, steht aus.

Die Beitragsbemessungsgrenze regelt, bis zu welcher Höhe vom Einkommen Sozialabgaben berechnet werden. Sie liegt derzeit bei 8.050 Euro in der Renten- und 5.512,50 Euro in der Kranken- und Pflegeversicherung. Diese Grenzen werden, der Lohnentwicklung folgend, jedes Jahr nach oben verschoben, um Besserverdienende an der Finanzierung des Sozialstaats angemessen zu beteiligen. Doch das reicht nicht, um die Einnahmen zu stabilisieren.

Deutschland gibt etwa 30 Prozent seines Bruttoinlandsprodukts für So­zia­les aus und liegt damit auf ähnlichen Niveau wie andere reiche Ländern. Klar ist aber auch, dass die Ausgaben für Pflege, Gesundheit und Rente in den nächsten Jahren enorm steigen werden. Was daran liegt, dass die Gruppe der Ü60 viel stärker wächst als die der U40 und dass wir wegen des medizinischen Fortschritts länger leben.

Das ist schön, doch die finanzielle Last trägt vor allem die Mittelschicht. Mit ihren Sozialabgaben steuern Ar­beit­neh­me­r:in­nen und Ar­beit­ge­be­r:in­nen über 60 Prozent zum Gesamt­budget des Sozialstaats bei. Den Sozialversicherungskassen fehlen aber bereits jetzt mehrstellige Milliardenbeträge, Tendenz steigend.

Will man verhindern, dass Beiträge steigen oder Leistungen gekürzt werden, dann muss die Einnahmebasis breiter werden. Einkünfte aus Kapital und Immobilien müssen genauso zur Finanzierung herangezogen werden wie Einkünfte aus Arbeit. Den Sozialstaat können wir uns leisten – es ist keine Frage des Ob, sondern des Wie.

taz lesen kann jede:r

Als Genossenschaft gehören wir unseren Leser:innen. Und unser Journalismus ist nicht nur 100 % konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Texte, die es nicht allen recht machen und Stimmen, die man woanders nicht hört – immer aus Überzeugung und hier auf taz.de ohne Paywall. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass guter, kritischer Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung. Unser nächstes Ziel: 50.000 – und mit Ihrer Beteiligung können wir es schaffen. Setzen Sie ein Zeichen für die taz und für die Zukunft unseres Journalismus. Mit nur 5,- Euro sind Sie dabei!

Jetzt unterstützen

  • informationsspiegel

    Related Posts

    Armeekleidung für Frauen in der Ukraine: „Frauen sind keine kleinen Männer“
    • September 6, 2026

    Fast 75.000 Frauen kämpfen in der ukrainischen Armee. Doch es fehlt an passgenauen Schutzwesten und Uniformen. Das kann gefährlich werden. mehr…

    Weiterlesen
    Russlands Außenminister Lawrow: Deutschland will „erneut den Krieg“
    • September 6, 2026

    Zum ersten Mal besuchen Kushner und Witkoff die Hauptstadt der Ukraine. Russlands Außenminister Lawrow eskaliert rhetorisch nach Drohnenanschlägen in Leipzig. mehr…

    Weiterlesen

    Nicht verpassen

    Armeekleidung für Frauen in der Ukraine: „Frauen sind keine kleinen Männer“

    • 7 views
    Armeekleidung für Frauen in der Ukraine: „Frauen sind keine kleinen Männer“

    Russlands Außenminister Lawrow: Deutschland will „erneut den Krieg“

    • 8 views
    Russlands Außenminister Lawrow: Deutschland will „erneut den Krieg“

    Müllskandal in Kroatien: Massenproteste gegen Müllberge

    • 6 views
    Müllskandal in Kroatien: Massenproteste gegen Müllberge

    Jens Spahn, BSW, AfD, J.D. Vance: Der Trost, dass die Union niemand Besseren findet als Spahn

    • 7 views
    Jens Spahn, BSW, AfD, J.D. Vance: Der Trost, dass die Union niemand Besseren findet als Spahn

    Einigung bei Volkswagen: Nur Sparen schafft keine Zukunft

    • 6 views
    Einigung bei Volkswagen: Nur Sparen schafft keine Zukunft

    Großeinsatz im Hambi: Wo versteckt sich Daniel V.?

    • 6 views
    Großeinsatz im Hambi: Wo versteckt sich Daniel V.?