Jordanien und der Krieg: Jubel und Sorge in Jordanien

Irans Raketen fliegen auf ihrem Weg in Richtung Israel wieder über Jordanien. Das Land befindet sich unfreiwillig mitten in der Konfrontation.

Eine Person fotografiert vier weitere Menschen, die auf den Überresten einer iranischen Rakete stehen

Ins Visier genommen: Überreste einer iranischen Rakete, die über Jordanien nach Israel gefeuert wurde Foto: Ohad Zwigenberg/ap

Amman taz | Fast sechs Monate, nachdem der Iran eine Welle an Raketen und Drohnen auf Israel schoss, wiederholten sich am Dienstagabend die Szenen am Jordaniens Himmel. Kurz nach halb acht waren in der Hauptstadt Amman dumpfe Explosionen zu hören, ehe dutzende brennende Raketen wie Sternschuppen aus Richtung Osten den Himmel überquerten.

Aus dem Westen erhellten ebenfalls Flugkörper die Nacht. Manchmal trafen sie auf die ankommenden Raketen, die in der Luft explodierten und teils in Richtung Boden fielen. Menschen schrien auf den Straßen und aus den Fenstern – teilweise aus Angst, teilweise aus Freude.

Über 180 Raketen soll der Iran nach Angaben des israelischen Militärs abgefeuert haben. Laut der iranischen Führung handelte es sich dabei auch um Hyperschallraketen, die von Radaren schwerer zu erfassen sind. Mehrere konnte das israelische Luftabwehrsystem abfangen, einige erreichten jedoch ihr Ziel. Auch die USA haben sich von ihren Marine-Schiffen aus im Mittelmeer am Abschuss beteiligt.

Unklar ist, ob die jordanische Luftwaffe auch so wie im April dazu beigetragen hat. Das Königreich befindet sich geographisch in der Schusslinie zwischen Israel und dem Iran – und gerät als traditioneller Partner des Westens unfreiwillig zwischen die Fronten.

Experte: „Jordanien bleibt für Iran immer Transitzone“

Sicherlich könne man sagen, dass Jordanien „stets zum Abschuss von Raketen beitragen wird, die seinen Luftraum verletzen“, sagt der jordanische Geopolitik-Experte Amer Al-Sabaileh. Die Lage sei mit Risiken verbunden, und doch sei unwahrscheinlich, dass sich die Beziehungen zwischen Iran und Jordanien ändern. „In den Augen Irans wird Jordanien immer eine Transitzone bei den Auseinandersetzungen mit Israel bleiben.“

Für Ayman Khalil, Direktor des jordanischen Arab Institute for Security Studies, seien Eindämmungsstrategien gegen die Bedrohung durch Raketen in der Region notwendig.

Das jordanische Militär teilte am Abend mit, seine Einheiten stünden angesichts der Lage in Bereitschaft an den Grenzen und würden weiterhin „die Heimat vor jeder Bedrohung schützen, die ihre Sicherheit unterminiert“.

Regierungssprecher Mohammad Momani wiederholte gegenüber lokalen Medien, Jordanien werde nicht zum Schlachtfeld und der Schutz der Jor­da­nie­r*in­nen stünde an erster Stelle.

Einschläge von Raketenfragmenten

Unter Jor­da­nie­r*in­nen sorgen die iranischen Raketenangriffe für gemischte Gefühle. „Für mich ist jede Reaktion auf die Gräueltaten im Libanon, Palästina und Syrien eine gute Reaktion“, sagt ein 35 Jahre junger Mann palästinensischer Herkunft. „Unabhängig von dem, was man von der Hisbollah oder dem Iran hält.“ Sie zeugten von Solidarität.

Ein jordanischer Mann, der in einem Gemischtwarenladen arbeitet und ebenfalls anonym bleiben möchte, findet hingegen, das sei eher ein „Spiel“ Irans. „Der Iran will sich ein gutes Image vor seinen eigenen Bürgern aufbauen und Kontrolle über seine An­hän­ge­r*in­nen in anderen Ländern erlangen“. Kritik übt er am Abschuss der Raketen in Himmel über Jordanien, denn die Splitter hätten jemanden töten können.

Raketenfragmente haben drei Menschen an verschiedenen Orten leicht verletzt, auch Straßen und Gebäude wurden beschädigt. In den Medien und sozialen Netzwerken kursierende Video zeigen etwa ein Mann, der durch die zerstörten Räume seines Hauses in Mafraq wandert, die Wände zerbröckelt.

In Sahab, Südostamman, steht hingegen ein Raketenteil mitten auf der Straße in Flammen. In der Kleinstadt As-Salt feiern, singen und klatschen junge Männer auf einem abgebrochenen Flugkörper – scheinbar unwissend über die Gefahren, die von eventuellen Blindgängern ausgehen.

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