Kooperation trotz Moskau-Nähe Belgrads: Warum Selenskyj bei Vučić war

Premiere in Belgrad: Erstmals besucht der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj seinen serbischen Amtskollegen Aleksandar Vučić. Der gilt als Freund Russlands. Was verbindet die beiden Länder dennoch?

dpa | Serbiens Regierung gilt als moskautreu, die Ukraine wird von Russland mit Krieg überzogen – trotzdem möchten beide Länder enger zusammenarbeiten. Darüber sprach der serbische Präsident Aleksandar Vučić mit seinem ukrainischen Kollegen Wolodymyr Selenskyj, der erstmals Belgrad besuchte. Es ging auch um den künftigen Weg beider Länder in die EU.

Eine militärische Zusammenarbeit mit der Ukraine war kein Thema, wie Vučić bei einer Pressekonferenz betonte. Er verneinte, dass Serbien zusammen mit der Ukraine Drohnen bauen wolle. Eine derartige Kooperation sei allerdings mit Israel geplant, sagte Vučić. Vertreter der beider Länder unterzeichneten eine Absichtserklärung zur Kooperation in Landwirtschaft und Lebensmittelsicherheit. Ein Freihandelsabkommen solle bis Ende des Jahres ausgearbeitet werden, sagte Selenskyj. Er bedankte sich auch für die humanitäre Hilfe Serbiens für den Medizin- und Energiebereich in der Ukraine.

Die Ukraine erkennt Kosovo nicht als unabhängig an

Vučić erklärte, dass sein Land die territoriale Integrität der Ukraine unterstütze. Er dankte Kyjiw dafür, im Fall Serbien dasselbe zu tun: „Wir sind der Ukraine dankbar für die Unterstützung der territorialen Integrität Serbiens“, sagte er. Dabei erwähnte Vučić die frühere serbische Provinz Kosovo nicht, die 2008 nach einem blutigen Krieg ihre Unabhängigkeit erklärte – zielte aber offensichtlich darauf ab. Die meisten EU-Staaten erkennen diese Abspaltung Kosovos an, nicht aber Serbien – und auch nicht die Ukraine. Kyjiw will keinen Präzedenzfall schaffen, mit dem sich die Abspaltung des von Russland reklamierten Donbass und der Halbinsel Krim rechtfertigen ließe.

Noch vor drei Wochen zögerte Vučić mit Hilfe für Ukraine

Davor hatten sich Vučić und Selenskyj mehrfach auf Gipfeltreffen in anderen europäischen Ländern getroffen. Erst Mitte Juli kamen sie beim Ukraine-Südosteuropa-Gipfel in Kyjiw zusammen – auch mit EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen. Dabei weigerte sich Vučić als einziger Teilnehmer, eine gemeinsame Erklärung über fortgesetzte Unterstützung für die Ukraine und höheren Druck auf Russland zu unterzeichnen.

Serbien unterhält gute Beziehungen zu Russland und hat sich als eines von wenigen europäischen Ländern nicht den EU-Sanktionen gegen Moskau angeschlossen. Zugleich liefert das Balkanland Waffen an die Ukraine, ohne dies offiziell zuzugeben.

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