
Von wegen Waffenruhe: Israelische Angriffe in Libanon haben am Wochenende 21 Menschen getötet, darunter zwei Kinder und zwei Frauen sowie einige Hisbollah-Kämpfer. Laut des libanesischen Gesundheitsministeriums wurden am Sonntag mindestens 14 Menschen getötet und 37 verletzt – es war der tödlichste Tag seit dem am 17. April eigentlich ein Waffenstillstand in Kraft trat.
In dem Dorf Burj Qallouiyeh hat ein israelischer Luftangriff die gesamte Familie Nader getötet: Vater Ghassan, seine Frau Manal und ihr gemeinsames Kind Ali. Die Haushälterin des Paares kam ebenfalls ums Leben.
Israelische Militärflugzeuge griffen am Sonntag 16 Dörfer im Südlibanon an, Drohnen attackierten drei weitere Orte. Fünf weitere Dörfer wurden mit Artillerie beschossen, meldet die libanesische Zeitung L’Orient-Le Jour.
Derweil bildeten sich wieder Staus auf der Autobahn Richtung Norden. Bewohner*innen aus sieben Dörfern mussten fliehen. Grund sind Warnungen der israelischen Armee, die den Bewohner*innen mit dem Tod drohen, sollten sie in ihren Häusern bleiben. Auf einer Landkarte hatte das Militär sieben Dörfer rot markiert. Die Orte liegen nördlich des Flusses Litani. Einige Stimmen in Israels Regierung, darunter auch der Verteidigungsminister, sehen den Litani als „neue Grenze“ und möchten das Gebiet bis 30 Kilometer hinter der eigentlichen Grenze annektieren.
Hisbollah greift Nordisrael an
Die Hisbollah griff israelische Soldaten bei deren Einmarsch im Südlibanon an und schoss Raketen auf Nordisrael. Die Miliz spricht von fünf Angriffen mit Lenkraketen und einer sogenannten Kamikazedrohne gegen Fahrzeuge und Soldaten der israelischen Armee, unter anderem in Taybeh sowie Kfar Kila – Grenzdörfer, die von israelischen Soldaten besetzt sind. Laut israelischer Armee wurde am Sonntag im Südlibanon ein israelischer Soldat getötet. Die Miliz erklärte, damit auf die anhaltenden israelischen Angriffe zu reagieren.
In Taybeh und Yaroun soll die israelische Armee die Zerstörung von Häusern am Montag fortgesetzt haben, berichten libanesische Medien. Ein Merkava-Panzer soll die Außenbezirke von Bint Jbeil beschossen haben.
In den vergangenen Wochen hatte Israel zusätzliche Grenzdörfer eingenommen und besetzt im Südlibanon nun eine Fläche von rund 580 Quadratkilometern. Dort plündern, demolieren und zerstören israelische Soldaten Häuser und Infrastruktur wie Straßen oder Solaranlagen. Viele Dörfer liegen in Trümmern, Videos des israelischen Militärs belegen Sprengungen ganzer Häuserblöcke, beispielsweise in Bint Jbeil, einige Tage vor Beginn der Waffenruhe.
Viele Verstöße seit Beginn der Waffenruhe
Durch israelische Angriffe wurden seit dem 2. März mehr als 2.500 Menschen getötet, meldete das libanesische Gesundheitsministerium am Montag. Darunter seien 100 Rettungssanitäter. Dem Ministerium sowie Augenzeugenberichten zufolge griff die israelische Armee systematisch das Gesundheitssystem und Ersthelfer an. 16 Krankenhäuser und medizinische Einrichtungen wurden zerstört, nur noch ein Krankenhaus in Südlibanon ist arbeitsfähig.
Schon den Waffenstillstand nach dem Krieg im Jahr 2024 hatte Israels Militär über 10.000-mal gebrochen, zählte die UN auf. Gegen die derzeitige Waffenruhe hat das Militär seit dem 17. April mindestens 478-mal verstoßen. Dazu zählen: Bombardierungen, Artillerieangriffe, Sprengungen und Zerstörungen von Infrastruktur, Schüsse mit Maschinengewehren, Phosphorbomben, Überschallknalle und militärische Überflüge. Das zählten das libanesische Nationale Zentrum für wissenschaftliche Forschung und das Nationale Zentrum für Naturgefahren und Frühwarnung.
Libanons Präsident Joseph Aoun sagte am Sonntag, ein echter Waffenstillstand sei die „unverzichtbare Voraussetzung für jede Verhandlung“.






