Manager treffen Merz im Kanzleramt: Konzernbosse kündigen hohe Investitionen an

Berlin taz | Die Chefs mehrerer Dutzend Konzerne versprechen der Bundesregierung, dass ihre Unternehmen bis 2028 insgesamt 631 Milliarden Euro in Deutschland investieren. Das erklärten Vertreter der Initiative „Made for Germany“ bei einem Treffen mit Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) am Montag in Berlin. Zu welchem Anteil es dabei wirklich um neue, zuvor nicht geplante Ausgabe geht, bleibt unklar. „Ein dreistelliger Milliardenbetrag und damit ein signifikanter Anteil der Gesamtsumme entfällt auf Neuinvestitionen“, so die Initiative.

Mit ihrer Ansage wollen die Manager demonstrieren, dass Deutschland ein attraktiver Investitionsstandort ist. Auch Merz will die Ankündigung so verstanden wissen. „Die Botschaft, die wir damit senden, ist: Deutschland ist zurück“, sagte er nach dem Gespräch mit Vertretern der Initiative im Kanzleramt. „Wir stehen hier vor der größten Investitionsinitiative, die wir in Deutschland in den letzten Jahrzehnten gesehen haben.“ Die deutsche Wirtschaft ist zwei Jahre nacheinander geschrumpft. Angesichts der Zollpolitik von US-Präsident Donald Trump sind die Aussichten auch für dieses Jahr nicht gut. Bundeskanzler Merz hat aber eine Trendwende versprochen. Das Treffen mit den Wirtschaftsbossen sollte offenbar als Kulisse dienen, diesem Anspruch Nachdruck zu verleihen.

Mit dem Ziel, die schwächelnde Wirtschaft in Schwung zu bringen, hat die Bundesregierung vor kurzem ein Paket mit Entlastungen für Unternehmen in Höhe von 48 Milliarden Euro auf den Weg gebracht, das empfindliche Löcher in die Landeshaushalte reißen wird. Ökonomen beklagen allerdings, dass der Bund die vorgesehenen Gelder nicht zielgerichtet verteilt. Bundesregierung – und Unternehmen – versprechen sich darüber hinaus starke Konjunkturimpulse durch das beschlossene kreditfinanzierte Finanzpaket in Höhe von 500 Milliarden Euro. Damit soll innerhalb von zwölf Jahren die Erneuerung der Infrastruktur finanziert werden. Zwar gibt es leichte Anzeichen, dass sich die deutsche Wirtschaft erholen könnte – der große Stimmungsumschwung ist aber bislang ausgeblieben.

Das will die Manager-Initiative „Made for Germany“ ändern. Bislang haben sich die Chefs von 61 Unternehmen angeschlossen. Es handelt sich um die führenden Akteure der deutschen Wirtschaft – vom Versicherungskonzern Allianz, über die Deutsche Bank und den Autobauer Mercedes-Benz bis zum Technologiekonzern Siemens und dem Medienhaus Springer. Auch US-amerikanische Unternehmen sind dabei, etwa der Finanzinvestor Blackrock. Kleinere Unternehmen und Start-ups sind kaum vertreten. Die Investitionen sollen unter anderem in neue Produktionsanlagen, die Infrastruktur und Forschung fließen.

Große Übereinstimmung zwischen Bossen und Koalitionsvertrag

Die Konzernvertreter diskutierten bei dem Treffen im Bundeskanzleramt, wie das Investitionsklima in der Bundesrepublik besser werden könnte. Deutschland habe ein enormes Potenzial, sagt Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing nach dem Gespräch, an dem auch Finanzminister Lars Klingbeil (SPD) und Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) teilnahmen. „Jetzt müssen wir gemeinsam dafür sorgen, dass wir dieses Potenzial voll ausschöpfen“, sagte Sewing. Er hatte gemeinsam mit dem Vorstandsvorsitzenden von Siemens, Roland Busch, den Anstoß für die Manager-Initiative gegeben. Wie Sewing war auch Busch nach dem Treffen zufrieden. „Das Gespräch hat gezeigt, dass Politik und Wirtschaft am selben Strang ziehen“, sagte Busch. Er findet: Es gibt eine große Übereinstimmung zwischen dem Handlungsbedarf, den die Manager sehen, und dem Koalitionsvertrag.

Öko­no­m:in­nen bewerten den Vorstoß der Bosse unterschiedlich. Die Wirtschaftsweise Monika Schnitzer begrüßte ihn als „positives Signal“. Der Chef des Münchner Ifo-Instituts, Clemens Fuest, warnte hingegen vor einem Strohfeuer. Die Ankündigungen seien erst mal Werbung, sagte er.

  • informationsspiegel

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