Minoritäten in der Türkei: „Wer Völkermord sagt, wird verklagt“

In der Türkei hat die Verfolgung von Minoritäten historische Kontinuität. Nun geht es gegen Geflüchtete und Queere. Ein Überblick mit der Journalistin Çiçek Tahaoğlu.

Berlin taz | Eine Demokratie funktioniert über Mehrheiten – doch wo es eine Mehrheit gibt, gibt es auch immer Minderheiten. Der Umgang eines Staates mit diesen ist auch immer Gradmesser für den Zustand seiner Demokratie.

Die Türkei ist in vielerlei Hinsicht eine pluralistische Gesellschaft und seit Jahrhunderten das zu Hause vieler Minoritäten. Leider gibt es auch eine historische Kontinuität, was die gesellschaftliche und staatliche Verfolgung dieser angeht.

Ein Beispiel dafür ist zum Beispiel das Dersim-Massaker 1937-1938. Zehntausende Ale­vi­t*in­nen wurden bei einem vermeintlichen Aufstand getötet. Oder die Pogrome gegen Grie­ch*in­nen in der Nacht vom 6. auf den 7. September 1955 in Istanbul, Izmir und Ankara.

Und natürlich der Völkermord an der armenischen Bevölkerung im Jahr 1915/1916. Dieser fällt in die Zeit des osmanischen Regimes und war einer der ersten systematischen Genozide des 20. Jahrhunderts. Über eine Million Menschen sind dabei ums Leben gekommen, Tausende wurden deportiert und zwangsumgesiedelt.

Gibt es ein historisches Bewusstsein?

Während in der Vergangenheit der kurdische, alevitische und armenische Teil der Bevölkerung im Fokus von Repressionen stand, sind aktuell geflüchtete und queere Menschen am stärksten von Ausgrenzung, und Diskriminierung und sogar Verfolgung betroffen.

In dieser Podcast-Reihe blicken wir anlässlich der Verhaftung von Ekrem Imamoğlu und der damit ausgelösten Protestwelle auf die politischen und gesellschaftlichen Entwicklungen in der Türkei.

In der 6. und letzten Folge dieser Serie geht es um die sprachliche, kulturelle, religiöse und sexuelle Diversität von Menschen in der Türkei. Den Umgang der AKP-Regierung mit diesen Gruppen und um die Frage, ob es ein historisches Bewusstsein für vergangene Verbrechen gibt?

Hierzu haben wir die Journalistin Çiçek Tahaoğlu eingeladen. Sie beobachtet die intersektionelle feministische Bewegung in der Türkei und alle Bewegungen, die für die Anerkennung ihrer Rechte in der türkischen Mehrheitsgesellschaft kämpfen.

Die Podcast-Reihe „Türkei“ im Format „Freie Rede“ ist ein Projekt der taz Panter Stiftung und wird ausschließlich durch Spenden finanziert. Die taz Panter Stiftung freut sich über Unterstützung: taz.de/spenden

Anmerkung der Redaktion: Für diese Sendung haben wir in der vorigen Folge die Journalistin Sibel Schick angekündigt.

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