Mutmaßlicher Täter festgenommen: Tote und Verletzte nach Schüssen im Zentrum von Krakau

Bei Schüssen im Zentrum der polnischen Stadt Krakau (Kraków) wurden sechs Menschen getötet: vier Frauen und zwei Männer. Ein gutes Dutzend Menschen wurde verletzt, darunter zwei Polizisten. Der mutmaßliche Täter soll zunächst aus einem Auto geschossen haben und dann zu Fuß geflüchtet sein. Ein Polizist schoss ihn daraufhin an. Der Mann wurde festgenommen und liegt inzwischen in einem Krakauer Krankenhaus. Nach Angaben von Tomasz Waszczuk, Pressesprecher der Bezirksstaatsanwaltschaft Krakau, ist er 24 Jahre alt und polnischer Staatsbürger.

Die Schüsse auf dem Großen Ring, dem Hauptplatz von Krakau, seien aus einem fahrenden Auto abgegeben worden, berichtete der Sender Polsat News unter Berufung auf die Einsatzkräfte. Die Behörden riefen die Menschen in der Umgebung zunächst dazu auf, sich in Sicherheit zu bringen. Eine polnische Fernsehreporterin berichtete kurz nach 17 Uhr, alle Zugänge zum Platz seien abgesperrt. Der Polizeieinsatz dauerte zu diesem Zeitpunkt noch an.

Täter soll wahllos auf Passanten geschossen haben

„Gegen 15 Uhr begann ein Mann, der mit einem Auto auf den Marktplatz gefahren war, aus dem Fahrzeug heraus auf zufällige Personen zu schießen“, teilte die Polizei auf X mit. Auf Videos in den sozialen Medien war zu sehen, wie ein Rettungshubschrauber auf dem Platz landete.

Ein Zeuge, der in einem Restaurant am Platz arbeitet, sagte dem Sender TVP Info, ihm sei aufgefallen, dass der Platz plötzlich menschenleer gewirkt habe. Als er vor das Restaurant getreten sei, habe er mehrere Verletzte am Boden liegen sehen. Zwei von ihnen seien reanimiert worden.

Der mutmaßliche Täter trug einen olivgrünen Tarnanzug und schoss auch mit einem Gewehr, wie es bei der Armee verwendet wird. In seinem Auto soll sich Munition befunden haben.

„Der Schütze hat geschossen, um zu töten“, sagte Kuba Jałoszyński, Professor an der Polizeiakademie. Der Mann habe gewusst, was er tat. Er habe offenkundig nicht zum ersten Mal eine Waffe in der Hand gehabt.

Inzwischen gilt es als wahrscheinlich, dass der Mann allein handelte. Er soll mehrere Waffen gehabt haben, darunter einen Karabiner und ein Gewehr vom Typ AR-15.

TVP Info spricht von einem „Terroranschlag“

Der Sender TVP Info blendete während seiner Livesendung die Worte „Atak Terrorystyczny“ ein. Ob es sich um einen Terroranschlag handelte, war zunächst unklar. „Unser Land kennt so etwas nicht, bei uns ist so etwas bisher nicht passiert“, sagte der Psychologe Tomasz Kozlowski im Liveinterview mit dem Sender.

In einer Einordnung von TVP wurde darüber spekuliert, ob der Schütze damit gerechnet haben könnte, dass nach dem Krakauer Fußball-Derby am Vortag weniger Polizei am Hauptplatz im Einsatz sein würde. Ob das Derby bei der Wahl des Tatzeitpunkts eine Rolle spielte, ist unklar.

Polens Regierungschef Donald Tusk teilte mit, dass er laufend über die Lage in Krakau nach der „tragischen Schießerei“ informiert werde. „Die Polizei untersucht die Hintergründe und alle Umstände des Vorfalls“, schrieb er auf X. Inzwischen soll sich Tusk per Flugzeug auf dem Weg nach Krakau befinden. Für 21.45 Uhr wurde eine Pressekonferenz angekündigt.

Menschen finden Zuflucht in Geschäften

Aus Gebäuden rund um den Hauptplatz werden noch Menschen in Sicherheit gebracht. Eine Frau sagte dem Sender TVP Info am Telefon, sie habe sich gegen 17 Uhr noch mit einer Gruppe französischer Touristen in der Marienkirche befunden, einem Wahrzeichen der Stadt.

Eine Zeugin berichtete TVP Info, viele Menschen auf dem Platz hätten zunächst nicht begriffen, was geschah. Einige hätten gedacht, dort werde ein Film gedreht. Sie selbst sei in ein Geschäft gerannt und habe sich dort in Sicherheit gebracht. Viele Ladenbesitzer sollen Menschen in ihre Geschäfte gelassen haben, damit sie dort Schutz finden konnten.

Krakau ist mit mehr als 800.000 Einwohnern die zweitgrößte Stadt Polens. Sie gilt als beliebtes Ziel für Touristen aus aller Welt. Wichtige Sehenswürdigkeiten sind neben dem Großen Ring das Schloss auf dem Wawelhügel und die Kathedrale. Die Altstadt zählt zum Unesco-Welterbe. (mit dpa)

  • informationsspiegel

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