
Jamshid Sharmahd wurde 1955 im Iran geboren und wuchs in Deutschland auf. Er heiratete, das Ehepaar bekam zwei Kinder, eine Tochter und einen Sohn. Anfang der 2000er Jahre zog die Familie in die USA, wo sie seitdem lebte. Sharmahd gründete ein Software-Unternehmen und engagierte sich gleichzeitig in der iranischen Opposition. Er betrieb unter anderem eine oppositionelle Webseite. Schon im Jahr 2009 versuchte das iranische Regime, ihn in den USA zu ermorden. Der US-amerikanische Geheimdienst konnte den Anschlag vereiteln.
Das Martyrium des deutschen Staatsbürgers beginnt im Juli 2020. Auf einer Geschäftsreise muss Sharmahd in Dubai zwischenlanden und eine Nacht in der Stadt übernachten. Er spricht noch mit seiner Familie und informiert sie, wo er ist – es soll das letzte Lebenszeichen für mehrere Jahre bleiben. In dieser Nacht wird er vom Geheimdienst der iranischen Revolutionsgarden entführt. Wenig später führt ihn das iranische Staatsfernsehen vor; die Filmaufnahmen zeigen einen traumatisierten Menschen, von Folter gezeichnet. Er wird zu einem Geständnis für ein konstruiertes Verbrechen gezwungen. Zwangsgeständnisse sind die Grundlage des „Justizsystems“ der Islamischen Republik Iran.
Die „stille Diplomatie“ mit dem Iran
Seine Tochter Gazelle kämpft Tag und Nacht für ihren Vater. Sie gibt ihre Arbeit als OP-Krankenschwester auf und macht weltweit auf den Fall von Jamshid Sharmahd aufmerksam. Die Bundesregierung, erzählt sie einmal dem Kölner Stadtanzeiger, erkläre ihr ständig, sie setze sich „hochrangig“ für ihren Vater ein. „Was das heißt, konnte mir leider noch nie jemand sagen“, so Gazelle Sharmahd damals. Das kann wohl niemand.
Die Bundesregierung ist in Bezug auf das iranische Regime eine Anhängerin der „stillen Diplomatie“ – die wohl schlechteste Art und Weise, mit einem diktatorischen Staat wie der Islamischen Republik umzugehen. Auf klare Töne gegen das iranische Regime wartete Gazelle Sharmahd vergebens. Die Bundesregierung traute sich nicht einmal, Jamshid Sharmahd als politische Geisel zu bezeichnen, was er offensichtlich war. Im Gegensatz übrigens zu Staaten wie Frankreich, Dänemark oder Österreich, die von „Staatsgeiseln“ sprachen und ihre Staatsbürger:innen größtenteils befreien konnten.
Jamshid Sharmahd indes, parkinsonkrank, ohne medizinische Versorgung und ohne Zähne – die, so verstand seine Tochter in einem der wenigen Telefonate mit dem Vater, ihm ausgeschlagen wurden – siechte in iranischer Haft vor sich hin. Von der eigenen Regierung vergessen. Er war offensichtlich keine Priorität für den deutschen Staat; er wurde kaum je erwähnt, wenn die Bundesregierung über die Islamische Republik Iran sprach.
Geschichte eines Scheiterns
Im Frühjahr 2024 schließlich die Nachricht: Jamshid Sharmahd wird zum Tode verurteilt. Die wohl schlimmste Zeit im Leben von Gazelle Sharmahd und ihrer Familie bricht an. Kein Zugang zu einem Anwalt, keine medizinische Versorgung, kein Lebenszeichen. Am 28. Oktober nun die schrecklichste aller Nachrichten: Die Islamische Republik hat Jamshid Sharmahd hingerichtet.
„Wir haben der iranischen Seite sehr deutlich gemacht, dass die Vollstreckung des Todesurteils schwerwiegende Folgen hätte und tun dies weiterhin“, so das Auswärtige Amt im Sommer dieses Jahres. Man kann davon ausgehen, dass von dieser Aussage nicht viel übrig bleiben wird. Möglicherweise ein Tweet der Außenministerin, vielleicht ein paar Sätze irgendwo auf einer Regierungs-Webseite.
Die Außenpolitik der Bundesregierung gegenüber der Islamischen Republik ist die Geschichte eines Scheiterns. Jamshid Sharmahd musste dafür mit seinem Leben bezahlen.







