Nachfolgerin von Robert Habeck: Mayra Vriesema Goes Bundestag

Berlin taz | Die große Nachricht kam nicht per Pressemitteilung, sondern als Instagram-Post: „Mayra Goes Bundestag“, unterlegt mit der Melodie des 80er-Hits I’m So Excited. So verkündet Mayra Vriesema dass sie für Robert Habeck in den Bundestag nachrücken wird. Schleswig-Holstein schickt also eine 26-Jährige nach Berlin. Sie ist damit eine der jüngsten Abgeordnetinnen und Abgeordneten im Bundestag.

Aufgewachsen ist Vriesema dort, wo laut eigener Aussage Busse manchmal zwei Stunden auf sich warten lassen und schnelles Internet nur ein Traum ist: in Hussum in Nordfriesland. „Das ist maximal weit weg von Kiel und von Berlin“, sagte sie in ihrer Bewerbungsrede zur Bundestagswahl für die Grünen. Genau diese Dorf-Perspektive will sie mitnehmen in die Hauptstadt.

Zur Grünen Jugend fand die damals 17-Jährige noch im Kinderzimmer der Eltern. Ihr Herzensthema entdeckte sie dann beim Studium der Internationalen Politik und des Internationalen Rechts in Kiel: Wohnen. Oder besser gesagt: nicht wohnen. Oder: Kaum-Wohnraum. Denn ihre Suche nach einem WG-Zimmer in Kiel zeigte, wie knapp und teuer Wohnraum ist. Das Thema trägt sie noch heute mit in ihre Politik.

„Es ist höchste Zeit, dass das Mietrecht wieder im Sinne der Menschen ist“, sagt sie während des Wahlkampfes. Was sie fordert, klingt nach klassischen Mieterinnen- und Mieterforderungen: Mietpreisbremse verlängern, Schlupflöcher beim möblierten Wohnen schließen, mehr Geld für sozialen Wohnungsbau.

Noch immer studiert Vriesema, inzwischen im Master. Trotzdem hat sie den politischen Alltag bereits kennengelernt: Schon als stellvertretende Landesvorsitzende verhandelte sie mit, als CDU und Grüne in Kiel bei den Koalitionsverhandlungen zum Thema Bauen und Wohnen. Praktische Erfahrung brachte auch der Job als Mitarbeiterin bei der Grünen Bundestagsabgeordneten Denise Loop, die nun Kollegin ist.

Warum man sie wählen sollte, fasste Vriesema einst in fünf Punkte zusammen: jung, feministisch, Erstakademikerin, bodenständig, vom Dorf. Vor allem das „Erstakademikerin“ betont sie immer wieder. Vriesema ist die erste in ihrer Familie mit Abitur, Tochter zweier Gastronomie-Beschäftigter, Schwester eines angehenden Tischlers.

Politisch kündigt sie links-grüne Oppositionsarbeit an. Persönlich bedeutet es viel Berlin, aber Schleswig-Holstein im Gepäck. Wahrscheinlich das „Moin“, kann ihr dort niemand nehmen.

Vriesema freue sich riesig auf die neue Aufgabe und sei voller Energie für alles, was komme. „Ein großes Dankeschön an Robert für seine Arbeit in den letzten Jahren und sein Vertrauen“, schreibt sie auf Instagram. Und so steht sie jetzt in den Startlöchern, wenn sie am 01. September das Bundesmandat übernehmen wird.

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