Nachtzug von München nach Rom: Im Traum die Alpen unterquert

Gegen viertel vor acht zuckelt der blau-gelbe Zug gemächlich in den Münchner Hauptbahnhof ein. Die wartenden Passagiere können sich schon zwanzig Minuten vor Abfahrt aus der Januarkälte in den beheizten Zug retten. Mit seinen Minicabins bietet der NightJet der Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) während der 14 Stunden Fahrt nach Rom einen preiswerten Kompromiss zwischen Sitz- und Liegewagen. Zwischen 59 und 149 Euro kostet eine Nacht in der Minikabine, wenn man über die unkomplizierte NightJet-Seite bucht.

Fast pünktlich setzten wir uns in Bewegung, während die letzten Fahrgäste Gepäck und Schuhe in den privaten Fächern verstauen. Die Minicabins verteilen sich auf zwei Etagen. Um die obere zu erreichen, muss man ein wenig klettern, was dem Ganzen einen Klassenfahrtcharme verleiht. Ein besonders süßes Feature: Zwischen zwei jeweils nebeneinanderliegenden Kajüten gibt es eine kleine Luke, die sich durch eine Schiebetür öffnen oder schließen lässt. Reist man zu zweit, kann man sich also durch dieses Fenster eine Gute Nacht wünschen.

Auf ihren 1,90 mal 0,63 Metern bieten die kleinen Kajüten eine bequeme Liegefläche inklusive Bettlaken, Kissen und einer dünnen Decke. Durch die Höhe von 90 Zentimetern kann man es sich auch in der Senkrechten bequem machen, den Falttisch herunterklappen und durch das kleine Fenster blicken. Klaustrophobischen Fahrgästen mag das Set-up wie ein gut ausgestatteter Sarkophag erscheinen. Wer mit kleinen Räumen aber kein Problem hat, fühlt sich in dem gemütlichen Kokon gut aufgehoben. Eine Toilette und einen Waschraum gibt es am Ende des Waggons, beide sind klein, aber, sofern es für Zugtoiletten eben möglich ist, sauber.

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taz-Serie Nachtzugkritik

Nachtzüge sind eine umweltfreundliche Alternative zu vielen Flügen. Die taz stellt deshalb in loser Folge Verbindungen mit Schlaf- oder Liegewagen vor. Wir schreiben aber auch, was besser werden muss, damit sie für mehr Menschen attraktiver werden. Alle Folgen gibt es auf taz.de/nachtzugkritik.

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Nachdem die Gäste Zeit hatten, sich ein wenig einzurichten – Rätselheft hervorkramen, das Handy mit dem (wirklich zuverlässigen) WLAN verbinden, den Laptop über eine der beiden Steckdosen laden – kommt der Schaffner zur Ticketkontrolle. Dabei erkundigt er sich, ob man morgens einen Kaffee haben möchte.

Ausgeschlafen ankommen

Gegen 11 Uhr machen sich die meisten Gäste bereit für die Nacht. Auf dem Flur begegnet man sich in Schlafanzughosen und mit dem Kulturbeutel unterm Arm. In seiner Koje wird man sanft in den Schlaf gewiegt – und nur einmal von einer erschreckend lauten Durchsage geweckt, als wir um 2 Uhr das italienische Tarvisio erreichen.

Als gegen halb neun die Wintersonne aufgeht, liegen die Alpen schon weit hinter uns. Der Schaffner bringt den versprochenen Kaffee im Pappbecher, der mit Blick aus dem Fenster schon ganz italienisch schmeckt. Dazu gibt es Brötchen mit Marmelade, all inclusive. Manche Gäste lassen aus dem oberen Geschoss die Beine baumeln, andere dehnen sich im Gang.

Mit 45 Minuten Verspätung rollen wir gegen 11 Uhr in Rom ein. Als ich aussteige, freue ich mich heimlich schon auf die Rückfahrt. Auf dieser wird der NightJet seinem Namen aufgrund einer defekten Lok und der daraus entstehenden Verspätung allerdings nicht so ganz gerecht. Entschädigt werden wir mit mehr kostenlosem Kaffee, Brötchen, einer Rückerstattung des halben Fahrtpreises und mit einem zauberhaften Alpenpanorama. Gefrorene Wasserfälle, glitzernde Gipfel: Ohne die Verspätung wären diese in der Dunkelheit verborgen geblieben.

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