Nato-Leistungsschau 2025: Bericht der bitteren Superlative

Dieser Bericht liest sich wie eine grandiose Leistungsschau. Nato-Generalsekretär Mark Rutte sparte am Donnerstag bei der Vorstellung des Jahresberichts des Militärbündnisses nicht mit Superlativen: Nie dagewesene Investitionen, mehr Zusammenhalt, auf dem Weg in die Unabhängigkeit. Rutte sprach von einem historischen Ereignis, als die Nato-Mitgliedsstaaten sich beim Gipfel 2025 in Den Haag auf das 5-Prozent-Ziel einigten, also auf die Zusage, 5 Prozent des jeweiligen Bruttoinlandprodukts zukünftig in Verteidigung zu investieren.

Diese historische Zusage schlug sich 2025 auch gleich in einer ersten Etappe nieder. Deutschland und die anderen Nato-Partner der USA steigerten ihre Militärausgaben um eine Rekordsumme. Und zwar um 19,6 Prozent auf 574 Milliarden US-Dollar (498 Mrd. Euro). Das Plus lag damit noch etwas höher als 2024, als eine Steigerung von rund 19,4 Prozent registriert wurde.

Deutschland steigerte seine Ausgaben nach den Zahlen im Bericht sogar um rund 20 Prozent auf 88,8 Milliarden Euro. Nicht um Inflations- und Wechselkurseffekte bereinigt waren es sogar 106,9 Milliarden Euro. Der Anteil der Verteidigungsausgaben am Bruttoinlandsprodukt betrug rund 2,4 Prozent.

Zu den Spitzenreitern bei den Ausgaben zählen Polen mit 4,3 Prozent, Litauen mit 4 Prozent und Lettland mit rund 3,8 Prozent. Dies überrascht wenig, sind es doch genau diese Staaten, die die höchste Bedrohungslage mit Blick auf die russische Vollinvasion in der Ukraine spüren.

Rutte hat Trump noch nicht abgeschrieben

US-Präsident Donald Trump hatte seit seinem zweiten Amtsantritt immer wieder Druck auf die Nato-Staaten gemacht, mehr in ihre Verteidigung und damit in das Bündnis zu investieren. Trump ist nicht der erste US-Präsident, der das fordert, aber sein Druck kam offenbar an. Insgesamt gaben die 32 Nato-Länder 2025 laut Bericht rund 1,41 Billionen Euro für Verteidigung aus.

Und Rutte lobte die nach wie vor hohe Bereitschaft, die Ukraine militärisch zu unterstützen, wie auch humanitäre Hilfe zu leisten und sich für die Zukunft der Ukraine innerhalb der Nato und der EU einzusetzen. Elegant übertönte der Nato-Generalsekretär, dass es doch vor allem Bündnisse im Bündnis sind, konkret eine Koalition der Willigen, die sich für das Land im Jahr 5 des Krieges einsetzen. Darunter vor allem Großbritannien, Frankreich, Deutschland – und natürlich die Niederlande, Ruttes Heimatland. Die USA – konkret Donald Trump – sind nach wie vor der „Elefant im Raum“.

Rutte, der auch schon mal Trump-Flüsterer genannt wurde, – sucht den Dialog, glaubt an das transatlantische Bündnis, aber eben auch an die Hausaufgaben der Europäer, die nun zu erledigen wären. Essentielles Kriegsgerät werde nach wie vor in die Ukraine geliefert, auch solches, das aus den USA kommt. „Das ist gut“, so Rutte in Brüssel. „Wir sind stolz darauf, was wir tun.“ Russland sei nach wie vor die größte Bedrohung, sowohl im Luftraum, über Sabotage- und Cyberattacken.

Irritation wegen Zusagen im Irankrieg

Seit Ende Februar müssen sich die Nato-Staaten allerdings mit einem weiteren Krieg beschäftigen. Trotz diverser Ultimaten ist ein Ende der Bombardierungen seitens der USA, Israel und Iran nicht abzusehen. Da Energietransporte durch die Straße von Hormus blockiert werden, sind die wirtschaftlichen Folgen dieses Krieges international und unmittelbar zu spüren. Rutte erwähnte in diesem Zusammenhang auch den versuchten Angriff auf die britische Airbase Diego Garcia. Iran habe nun offenbar die Fähigkeiten, auch Nato-Gebiet anzugreifen, so der Nato-Generalsekretär.

Ebenso elegant wie in Sachen Ukraine wich Rutte Fragen zu seinen umstrittenen Aussagen aus, dass die Nato-Partner doch in irgendeiner Form Hilfe bei der Öffnung der Straße von Hormus anbieten werden. Hintergrund ist der Aufruf Trumps zum Einsatz von Marinekräften. Laut Financial Times hat dies die Spannungen innerhalb der Nato mit Blick auf die USA verschärft, dem wichtigsten Mitglied des Militärbündnisses.

Mitten in der Leistungsschau wurde ein weiterer Bericht veröffentlicht, der eigentlich für mehr Aufregung sorgen sollte. Weltweit sind laut der Kampagne zur Abschaffung von Atomwaffen (ICAN) heute knapp 10.000 Atomwaffen einsatzbereit, die zusammen eine Sprengkraft wie 135.000 Hiroshima-Bomben haben. Gut 40 Prozent seien auf ballistischen Raketen in Silos, auf mobilen Abschussrampen oder U-Booten sowie auf Bomberstützpunkten montiert. Der Rest werde in Reserve gehalten.

Zu den montierten Atomsprengköpfen besäßen die neun Atommächte weitere knapp 2.500, die ausgemustert seien und demontiert werden müssten, hieß es weiter. China, Indien, Nordkorea, Pakistan und Russland bauten ihre Arsenale aus, Frankreich und die USA hätten ähnliche Pläne. Zu den Atommächten gehören auch Großbritannien und Israel.

  • informationsspiegel

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