Netflix-Serie „Seven Dials“: Agatha Christies junge Detektivin

Von kaum einer Autorin wurden so viele Romane verfilmt wie von Agatha Christie, deren 50. Todestag (12.1.) gerade erst begangen wurde, unter anderem mit einer großen Ausstellung in der British Library in London. Auf einigen Sendern ermittelt auch hierzulande gefühlt fast täglich Hercule Poirot oder es ist irgendein anderer komplizierter Kriminalfall made by Agatha Christie zu sehen. Auch im Kino sind die Geschichten der 1890 geborenen Britin zu sehen, wie der „Mord im Orient-Express“, den Hollywood erst 2017 starbesetzt neu verfilmte.

Bei Netflix ist nun eine neue Adaption ihres frühen Spionage-Romans „The Seven Dials“ (1929) zu sehen. Der Dreiteiler ist deshalb so faszinierend, weil in diesem in den 1920er-Jahren angesiedelten Roman eine junge Frau im Zentrum der Geschichte steht. Lady Bundle Brent, wunderbar als rotzfreche Aristokratentochter gespielt von Mia McKenna-Bruce, geht ähnlich wie Agatha Christies Miss Marple dem Ermittler von Scotland Yard, Superintendent Battle (Martin Freeman), mit ihren eigenen Untersuchungen mächtig auf die Nerven.

Aber anders als in den späten Miss-Marple-Geschichten steht die junge emanzipierte Bundle für die moderne Zeit der 20er-Jahre, die mit großen Gala-Empfängen in den höheren Kreisen der britischen Aristokratie und wilden Jazz-Nachtclubs im Swinging London herrlich in Szene gesetzt werden. Stellenweise erinnert das fast an „Babylon Berlin“.

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die serie

„Agatha Christies Seven Dials“

ab 15.1. auf Netflix

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Bundles Verlobter, der für das Außenministerium arbeitet, wird ermordet. Hat das etwas mit einem geheimen Abkommen zu tun, das hinter den Kulissen eines Festes auf dem riesigen Anwesen von Bundles Familie ausgehandelt werden soll? Es geht um die Erfindung eines Wissenschaftlers, die neue Maßstäbe für Technologie und Rüstung bedeutet und die der Regierungsbeamte George Lomax (Alex Macqueen) für das Empire sichern soll.

Krimi mit zeitgenössischer gesellschaftskritischer Note

Die mit ihrem Oldtimer-Coupé über Landstraßen und durch London rasende Bundle steckt plötzlich mittendrin in einer internationalen Spionageverschwörung und kann auch keinem ihrer jugendlichen Freunde mehr trauen, die ihr anfangs zur Seite stehen. Weiß ihre Mutter, Lady Caterham (Helena Bonham Carter), mehr über den geheimnisvollen Fall?

Die Serie geht frei mit der literarischen Vorlage um und räumt der jungen, taffen Heldin etwas mehr Raum ein. Es geht um sozialen Status, Klasse und die Frage nach der Loyalität zum britischen Empire. Da der Wissenschaftler nicht wie im Roman abtrünniger Deutscher ist, sondern aus Kamerun stammt, werden auch gleich noch Rassismus und koloniale Gewalt mitverhandelt. Das wirkt zwar ein wenig aufgesetzt, tut der Geschichte aber gut und gibt diesem Krimidrama eine zeitgenössisch gesellschaftskritische Note.

Aristokratische Attitüden werden in dieser opulent inszenierten Vintage-Krimigeschichte als wundervoll blasiert und „very british“ auf die Schippe genommen. Dass es dann sogar noch eine Geheimgesellschaft Kapuzen tragender Verschwörer gibt, dürfte dem Zeitgeist der 20er-Jahre geschuldet sein.

Aber: Immer wieder wird vor großen drohenden Gefahren gewarnt, die vor der Tür stehen, ohne dass Deutschland und der Faschismus benannt werden. Da das als Cliffhanger endet (auch im Roman, der keine Fortsetzung erlebte), darf man gespannt sein, ob Netflix die nie verlegen werdende Bundle Brent noch weitere Abenteuer bestehen lässt.

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