Neue Staffel „Squid Game“: Leider langatmig

Verzweifelt schreit Seong Gi-Hun (Lee Jung-jae), dass sich niemand rühren soll. Denn der überdimensionale Bewegungsmelder in Form eines Kindes erkennt jede noch so kleine Bewegung, die sofort mit einem Kopfschuss bestraft wird.

Zuerst will Gi-Hun niemand glauben, doch nach den ersten Toten folgen sie seinen Anweisungen. Immer wieder dreht sich der Bewegungsmelder herum, sagt „Rotes Licht, grünes Licht“ bevor er sich wieder zu den Spie­le­r:in­nen dreht und jede Regung bestraft. Es ist nicht das erste Mal, dass Gi-Hun an diesem skrupellosen Wettbewerb teilnimmt.

Doch nun, wo er die Regeln und die unmenschlichen Spiele kennt, will er die Menschen vor ihrem fast sicheren Tod bewahren. Doch nicht jeder will sein und das Leben anderer retten. Denn es wartet ein gigantisches Preisgeld auf die Ge­win­ne­r:in. Rückgrat und Gemeinschaft sind plötzlich bedeutungslos.

Die erste Staffel der Netflix-Serie „Squid Game“ brach im September 2021 alle bisherigen Rekorde. Inmitten der Corona-Pandemie traf die Serie den Nerv der gelangweilten Leute, deren Lebensmittelpunkt das Wohnzimmer war.

Der Ernst der Situation

die serie

„Squid Game“,

zweite Staffel

sieben Folgen auf Netfllix

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Das titelgebende Spiel ist eine Art blutbeschmiertes „Takeshi’s Castle“, in dem die Teil­neh­me­r:in­nen zur Belustigung eines elitären, geheimnisvollen Publikums tödliche Herausforderungen bestehen müssen. Der Ernst der Situation erschließt sich nicht direkt allen Teilnehmenden. Doch spätestens nach den ersten Opfern erkennen sie den Ernst der Situation.

In den ersten neun Folgen standen der verschuldete Seong Gi-Hun und der Polizist Hwang Jun-ho (Wi Ha-joon) im Fokus. In der zweiten Staffel versuchen nun beide wieder in das Spiel zu gelangen, um es endgültig aufzuhalten.

Nach den ersten beiden von insgesamt sieben Folgen gelingt es Gi-Hun wieder, Teil des „Squid Game“ zu sein. So trifft er auf unterschiedliche Charaktere, darunter auch einen Rapper, ein Crypto-Scammer, eine Schwangere, eine Trans-Person, ein Kampfsportler und ein ungleiches Mutter-Sohn-Gespann.

Noch dazu versucht die Fortsetzung, die Wäch­te­r:in­nen zu beleuchten, die hinter den Kulissen arbeiten und die Spie­le­r:in­nen in Zaum halten. Das sind individuell gute Ansätze mit erzählerischem Potenzial, doch die Folgen sind derart überladen, dass man leicht den Überblick über die vielen Handlungsstränge verfolgt.

Hoffnung auf die finale Staffel

Die Handlung lässt Fokus und Stringenz vermissen, die tödlichen Spiele haben bei weitem nicht mehr die Spannung wie noch in der ersten Staffel. Dadurch ist die Rückkehr von „Squid Game“ deutlich langatmiger und unspektakulärer als erwartet. Auch die politische Parallele zum nordkoreanischen Nachbar wird nur angerissen und verliert dadurch jedes Gewicht.

Während die erste Staffel noch eine in Teilen antikapitalistische Botschaft in sich trug, wird die Fortsetzung der Serie nun vom Kapital diktiert. Zu groß war der Erfolg mit Merchandise und Reality-TV Ablegern, um das Produkt nicht weiter auszuschlachten. Dass die aktuelle Fortsetzung erfolgreich wird, steht außer Frage.

2025 soll eine dritte Staffel das tödliche Spiel abschließen. Vielleicht findet die Serie dann auch wieder den qualitativen Anschluss an die erste Staffel.

  • informationsspiegel

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