Neues ZDF-Format mit Jan Fleischhauer: Öffentlich-rechtes Trashfernsehen auf Trip

W as für ein rasant geschnittener Trailer, denkt man zunächst. Im raschen Wechsel schreien sich zwei Leute an. Bevor ein Argument vertieft wird: Schnitt. Aus unerfindlichen Gründen hat man sie in viel zu kleine historische Schulpulte gezwängt, wie in so mittelalterliche Folterinstrumente.

Es wirkt wie das Vormittags-Trashformat eines Privatsenders. „Richterin Barbara Salesch“ meets „Fear and Loathing in Las Vegas“, Unterschichtenfernsehen auf Trip. Dabei wollte man doch über das neue Streitformat „Keine Talkshow – Eingesperrt mit Jan Fleischhauer“ schreiben, mit der ersten Folge zum Thema „Von Integration und Parallelgesellschaften“.

Hat uns das ZDF den falschen Link geschickt? Doch dann erkennt man Jan Fleischhauer und Reyhan Şahin alias Lady Bitch Ray: „Ich fühle mich gut, weil ich gleich Fleischi sehen werde“, verrät sie uns. Erneuter Schnitt: Sie betreten eine Art Bunker. Graue Wände, an einer von ihnen hängt eine Weltkarte, und in der Ecke steht eine Tafel. Ist das die Message: Die letzten Tage im Schulbunker?

Auch eine Teeküche gibt es, weil sie so tun, als ob sie tagelang eingesperrt sind. Vielleicht sind sie das auch. Umso bitterer, wie wenig dann dabei herauskommt: Rassistische Stereotype hier, der überstrapazierte „alte weiße Mann“ da – „wir bilden den verkanteten Diskurs in Deutschland ab“, sagt Fleischhauer. Immerhin das stimmt.

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„Keine Talkshow – Eingesperrt mit Jan Fleischhauer“

ab Freitag, 21. November, 10.00 Uhr, im ZDF-Streaming-Portal und am Dienstag, 25. November ab 0.15 Uhr im ZDF

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Wann fängt die Sendung endlich an?

Dazwischen Interviewschnipsel, in denen beide ihren Standpunkt jeweils solo in aller Ruhe wiederholen. Aber wann fängt die Sendung endlich an? Denn dieser Trailer, den man vom ZDF zugeschickt bekam, zieht sich. Am Ende ist er 28 Minuten lang, danach ist Schluss. Das ist ja merkwürdig. Aus einem bloßen Teaser kann der gewissenhafte Kulturberichterstatter natürlich keine Rezension erstellen. Also ruft man beim ZDF an: Supersorry, aber ob es vielleicht noch eine zweiten, versteckten Link gebe, mit dem man dann die eigentliche Sendung …?

Nach einem kafkaesken Gespräch mit dem Mitarbeiter dort wird klar: Das ist die Sendung – grelle Diskussionssnippets, in denen Antisemitismus, Schulprobleme, Homophobie, Sexismus im Schnelldurchlauf abgehakt werden: „Grabscher im Schwimmbad“ seien „komischerweise niemals Deutsch-Chinesen“ weiß die „absolute Mehrheitsmeinung“ im blauen Anzug, sondern – er senkt fast schamhaft die Stimme – Konstantin Wecker, nee, sorry, Araber natürlich. Das Schwimmbad gehört zum Stadtbild.

Vergeblich erinnert Reyhan Şahin an das Oktoberfest. Sie klingt aufgebracht, aber mit dem immer gleichen Müll konfrontiert, die Ruhe zu bewahren, ist für Nichtprofis in dem Metier auch nicht leicht. Denn Fleischhauer will über Zahlen reden, nachvollziehbar, wenn man von der fremden Welt sonst nichts kennt: Wie viel Prozent der Kinder kein Deutsch können, doch wie die Zahlen zustande kommen, interessiert ihn nicht. Für ihn kann es nur an der „ethnischen Gruppe“ liegen. Andere Gründe wie Akzeptanz in der Gesellschaft, Startbedingungen, Verteilung der Ressourcen scheinen nicht zu existieren. Die bleiben der Elefant im Bunker.

„Das ist Big Brother“, sagt Fleischhauer in einer Interviewpassage. Insofern täuscht der Eindruck des Krawallformats nicht. Eine Metaebene ist nicht zu erkennen, falls man Unterschichtenfernsehen nur zitieren wollte. Dazu fehlt der Bruch, und ohne den funktioniert das Stilmittel nicht. Der ganze Versuch ist auf spektakuläre Weise misslungen.

Warum macht Fleischhauer das: Um auch mal bei den ganz bösen Buben mitzuspielen? Doch während die Poschardts und Matusseks die grobe Faschoscheiße rausrotzen, wirkt das bei ihm alles so ein bisschen drollig, banal, unbeholfen; wie ein nach dem ersten Radler mutig gewordener Religionsschüler, der seine Provokationen an die Wände des Schulklos schmiert: „Rassismus, nö, ich habe Interesse daran, dass Deutschland ein fröhliches, freundliches, prosperierendes Land bleibt.“

Und was will der Sender? Es scheint gegenwärtig ein Bemühen der Öffentlich-rechtlichen zu geben, „rechter“ zu werden, um sich im schlimmsten Fall auch heil in Höckes Reich hinüber zu retten. Aber ist das wirklich nötig, da doch die Talkshows bereits randvoll mit rechten Schreihälsen stecken, bis die False Balance eines Tages doch zur richtigen geworden ist?

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