Non-binäre Künst­le­r:in bei Emmy-Awards: Kategorien spielen immer noch eine Rolle

W enn in der Nacht von Sonntag auf Montag die 77. Emmy Awards, der bedeutendste Fernsehpreis der USA, verliehen werden, kann sich vielleicht auch Bella Ramsey freuen. Ramsey ist für die Darstellung der Ellie in der zweiten Staffel der Erfolgsserie „The Last Of Us“ nominiert, und zwar in der Kategorie „Outstanding Lead Actress in a Drama Series“ – also „Beste Hauptdarstellerin in einer Dramaserie“.

Und da wird es kompliziert. Denn viele Preise unterscheiden zwischen dem besten Schauspieler/Musiker und der besten Schauspielerin/Musikerin. In welche der Kategorien fallen nicht-binäre Personen wie Ramsey?

Während es einerseits logisch erscheint, diese Binarität aufzulösen (warum nicht einfach die „Outstanding Performance in a Drama Series“ auszeichnen?), bringt dies neue Probleme mit sich. Erfahrungsgemäß werden Sängerinnen und Schauspielerinnen weniger beachtet als ihre männlichen Gegenparts.

Ein Extrembeispiel ist die Kategorie „Beste Regie bei den Oscars, die seit jeher nicht gegendert ist: Von den bisher 486 Nominierten waren nur zehn Frauen, das entspricht gerade einmal 2 Prozent. Bei anderen Preisen und Genres ist diese Diskrepanz zum Glück nicht so groß; trotzdem sieht man auch da in den Nominiertenlisten, dass Frauen statistisch das Nachsehen haben.

Sam Smith gegen gegenderte Kategorien

Neu ist die Frage um gegenderte Kategorien nicht. Mehrere nicht-binäre Artists wie Mu­si­ke­r*in Sam Smith, Asia Kate Dillon („Billions“), Broadway-Star Justin David Sullivan und Liv Hewson („Yellowjackets“) haben sich im Laufe der Jahre dazu geäußert, Nominierungen verweigert und/oder dazu aufgerufen, die Geschlechtertrennung aufzuheben.

Bella Ramsey als nicht-binäre Person hat sich dazu entschieden, als Darstellerin nominiert zu werden. Bereits bei deren ersten Nominierung vor zwei Jahren sagte Ramsey, dey würde sich „unbehaglich“ damit fühlen: „Ich möchte nicht, dass die sprachlichen Einschränkungen in den Kategorien dazu führen, dass nicht-binäre Schau­spie­le­r*in­nen wie ich nicht gewürdigt werden können.“

Einige wichtige Preise haben die Trennung zwischen weiblichen und männlichen Künst­le­r*in­nen aufgelöst, wie die Grammys bereits im Jahr 2012 oder die Brit Awards 2022. Auch kleinere, wie die australischen Aria Awards oder der Filmpreis Gotham Awards folgten 2021 der Aufforderung.

Was also ist der beste Weg in die Zukunft? Werden gegenderte Kategorien zusammengelegt, würden ja mitunter weniger Preise vergeben. Es bräuchte im Gegenzug auf jeden Fall neue Kategorien. So haben es die Brit Awards gelöst, die 2022 unter anderem „Dance-“, „Rock-“ und „Hip-Hop Act“ sowie „Songwriter of the Year“ erstmals oder wieder einführten.

Künstlerische Wertschätzung

Direkte Quoten für mehr Parität einzusetzen wäre teilweise zu umständlich, weil Nominierungskriterien komplex sind (für die Brit Awards beispielsweise benötigt man eine entsprechende Chartplatzierung). Eine Auflösung der binären Kategorien könnte zudem zähe Debatten über künstlerische Wertschätzung aufwerfen.

Wichtiger ist also, dass Jurys die Vielfalt der Gesellschaft abbilden und nicht primär männlich besetzt sind. Außerdem braucht es bessere Strukturen, um für mehr Diversität hinter den Kulissen zu sorgen, da weibliche und nicht-binäre Artists gerade zu Beginn ihrer Karriere die größten Hürden haben. Ob sie für prestigeträchtige Awards nominiert werden oder nicht, steht eher am Ende der Arbeit.

Zugegeben, es gibt keine optimale Lösung. Wichtig ist, dass die Meinungen und Gefühle von nicht-binären Artists wie Ramsey und Smith Gehör finden, damit Räume für Diskussionen entstehen, und dass man sich über die einschränkende Binarität einiger Kategorien und Preise bewusst ist. Gerade im aktuellen gesellschaftlichen Klima. Zugleich kann das aber nur der erste Schritt auf einem langen Weg sein, dessen Ende wir noch nicht kennen.

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