
Gut 75 Jahre nach der McCarthy-Ära beschwört Donald Trump die Gefahr des Kommunismus und knüpft an eines der toxischsten Kapitel der USA an.
M anchmal hat eine rein repräsentative Staatsspitzenfunktion wie etwa die des Bundespräsidenten ihre Vorteile. Zum Beispiel, wenn es Nationalfeiertage zu feiern gibt wie jetzt den 250. Jahrestag der US-amerikanischen Unabhängigkeitserklärung. Denn dann sind Menschen, die nicht in der tagespolitischen Auseinandersetzung stehen, im Idealfall ein bisschen besser geeignet, einigende Worte zu finden. Solche Reden sind wahrlich nicht immer spannend – aber sie taugen mitunter doch zur Selbstvergewisserung und Besinnung in turbulenten Zeiten.
Und dann gibt es Donald Trump. Nicht nur, dass diesem Präsidenten niemand abnimmt, auf irgendeines der historischen Daten, die er in seiner nächtlichen Ansprache in Washington erwähnte, wirklich selbst gekommen zu sein. Nein, er knüpft auch noch an eine der spalterischsten Episoden der US-Geschichte des 20. Jahrhunderts an, wenn er wie in der McCarthy-Ära von 1947 bis 1956 vor der Zersetzung der USA durch „den Kommunismus“ im Innern warnt.
Zur McCarthy-Zeit gab es wenigstens noch den Kalten Krieg, also die reale globale Systemauseinandersetzung. Heute gibt es nur einen Präsidenten, der sich selbst jede Definitionsmacht zuspricht, was oder wer zu „Amerika“ gehört. Wer nicht, ist ein Feind. Und will die USA „dem Kommunismus“ zum Fraß vorwerfen, wenn er etwa, wie Zohran Mamdani in New York, bezahlbare Mieten und kostenlosen Nahverkehr anstrebt.
Manche würden vermutlich sagen, Trumps Idiotien, Korruptheit und rhetorische Absurditäten beschrieben im Kern exakt das Wesen der US-amerikanischen Gesellschaft heute. Wer die USA ein bisschen mag, will das immer noch nicht glauben. Und zwar auch deshalb nicht, weil eben Kandidat*innen aus den Reihen der Demokratischen Sozialisten immer öfter Vorwahlen gewinnen, auch wenn Trump sie als „Kommunisten“ beschimpft.
Ob diese oft jungen Engagierten politisch funktionieren, wird sich zeigen. Aber erst mal signalisieren sie, anders als der US-Präsident, dass die USA am 250. Jahrestag ihrer Unabhängigkeit noch nicht verloren sind.
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