Podcast „This is America: Free Luigi“: Durch Mark und Bein

Das Podcaststudio Undone ist für seine schnellen Erzählungen bekannt, für sein Verständnis von Kultur im digitalen Raum.

Es hat schon die internationalen Verbindungen des Hackerkollektivs Anonymous nachgezeichnet und dem Publikum erklärt, wieso Menschen in der analogen Welt den polarisierenden Youtuber Drachenlord jagen.

Jetzt hat sich Undone des Falls Mangione angenommen. Luigi Mangione hat mutmaßlich Brian Thompson erschossen, den damaligen CEO des umsatzstärksten US-Krankenversicherungsunternehmens UnitedHealth. Für viele ist Mangione ein Held, gefeiert auch im Internet, eine ideale Vorlage für einen True-Crime-Fall, der ins Digitale schwappt.

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„This is America: Free Luigi“

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Host Khesrau Behroz präsentiert in den fünf Folgen, produziert mit der ARD, etwas ganz anderes: ein Porträt des menschenverachtenden US-Gesundheitssystems und kultureller Strömungen, in denen Menschen Rache anerkennen, als wären sie mitten in Gotham City aufgewachsen.

Drei Patronenhülsen

Eine plastische Chirurgin schildert, wie eine Versicherung der Brustkrebspatientin nach der OP die notwendige Nacht im Krankenhaus versagen will. Eine Mutter erzählt von ihrem Sohn, der gestorben ist, weil er sein Insulin nicht bezahlen konnte. Ein ehemaliges hohes Versicherungstier spricht über einen Fall, in dem eine Lebertransplantation nicht bezahlt werden sollte und so lange hinausgezögert wurde, bis die 17-Jährige starb.

Aber wir hören auch ein Musical über Mangione. Immer wieder sagt uns jemand, wie heiß er ist. Eine Frau erzählt von ihrem Tattoo, einer Rose, in der die drei Patronenhülsen liegen, die man am Tatort gefunden hat.

Das könnte emotionalisieren, polarisieren, Hö­re­r*in­nen in einen Streit mit sich selbst führen. Doch „This is America“ sträubt sich dagegen mit allen Mitteln, insbesondere mit dem Erzähltempo. Vielleicht ist das ja aber auch ganz gut, in diesem Fall.

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