Politskandal Großbritannien: Der Spitzenbeamte, dem Keir Starmer den Krieg erklärt

Spitzenpolitiker kommen und gehen, Spitzenbeamte bleiben. Dieser Grundsatz der britischen Politik galt bis vor wenigen Tagen auch für Oliver Robbins, der höchste Beamte im Außenministerium. Am Abend des 16. April wurde der Mann, den alle Olly Robbins nennen, von Premierminister Keir Starmer entlassen. Sein Vergehen? Er soll verschwiegen haben, dass Labour-Politiker Peter Mandelson vor seiner Berufung zum britischen Botschafter in den USA Anfang 2025 bei der routinemäßigen Sicherheitsüberprüfung durchgefallen war und daher nie hätte berufen werden dürfen. Sagt jedenfalls Starmer.

Damit macht sich der Premierminister jemanden zum Feind, dessen Gewicht ihm vielleicht gar nicht bewusst ist. Seit Jahrzehnten gehört Robbins zu den innersten Zirkeln der Macht in London. 1996 bekam der junge Oxford-Wirtschaftsabsolvent seinen ersten Job im britischen Finanzministerium, noch in der Zeit des konservativen Premiers John Major. Seitdem hat Robbins allen britischen Regierungen gedient. Ob er selbst Labour oder den Konservativen zuneigt, ist nebensächlich.

2006 wurde Robbins Chefsekretär von Labour-Premier Tony Blair, 2007 Geheimdienstchef des Kabinettsamtes, das die Verwaltungsarbeit der Ministerien koordiniert. Tory-Premier David Cameron machte ihn 2010 zum stellvertretenden Nationalen Sicherheitsberater, später wechselte er zwischen Innenministerium und Kabinettsamt. Dort machte ihn die neue Tory-Premierministerin Theresa May nach dem Brexit-Referendum 2016 zum Leiter einer neuen Europa-Abteilung. Die wurde alsbald zu einem eigenständigen Brexit-Ministerium mit Robbins als Chefunterhändler mit der EU über den Austritt.

Robbins handelte Mays Brexit-Abkommen aus, das im britischen Parlament Schiffbruch erlitt und Mays Rücktritt zugunsten von Boris Johnson erzwang, der den Brexit schließlich zum Abschluss brachte. Da war Robbins’ Karriere scheinbar vorbei. Er wechselte, wie sich das gehört, zu Goldman Sachs.

Bauernopfer für Starmer

Es gehört zu den großen Rätseln der 2024 gewählten Labour-Regierung von Keir Starmer, wieso sie so oft Figuren aus der Vergangenheit wie Olly Robbins oder auch Peter Mandelson aus der politischen Versenkung holt. Robbins wurde im Januar 2025 zum höchsten Beamten im Außenministerium berufen. Er musste also Starmers bereits geäußerten Wunsch umsetzen, den Labour-Veteranen Mandelson zum nächsten Botschafter in den USA zu machen. Mandelson würde zu Trump passen, dachte man, gerade wegen seiner Epstein-Freundschaft. Den Regeln entsprach das nicht. Aber wer widerspricht schon dem Premierminister? Nicht Olly Robbins.

„Der Premierminister wollte diese Ernennung. Er ließ sich beraten und bildete sich eine Meinung, und wir handelten entsprechend“, sagte Robbins dem außenpolitischen Ausschuss des britischen Parlaments im Januar 2026. Da war Mandelson schon längst wieder entlassen, und als der Epstein-Skandal hochkochte, beharrte Starmer, Mandelsons Berufung sei korrekt verlaufen, einschließlich des Sicherheitsverfahrens, für das Robbins zuständig war.

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Der Premierminister wollte diese Ernennung. Er ließ sich beraten und bildete sich eine Meinung, und wir handelten entsprechend

Olly Robbins zu den Vorwürfen gegen ihn

Das, so enthüllte der Guardian jetzt, war nicht korrekt. Also musste Robbins gehen. Aber kann es wirklich sein, dass Robbins alles über die Sicherheitsbedenken wusste und Starmer nichts? Es gab darüber sogar Presseberichte.

Am Montag muss Starmer sich dazu im Parlament erklären. Am Dienstag ist Robbins im außenpolitischen Ausschuss an der Reihe. Man darf gespannt sein. Der britische Beamten- und Sicherheitsapparat schart sich bereits in Solidarität um Robbins, der an diesem Montag 51 Jahre alt wird. Robbins sei Starmers Bauernopfer, heißt es allerorten. Und man erinnert sich: Spitzenbeamte bleiben. Spitzenpolitiker gehen.

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