Proteste in der Türkei: Recht, Gesetz und Gerechtigkeit

Es ist eine der größten Protestwellen der Türkei. Die Journalistin Pelin Ünker begleitet die Demos und findet ein Hauch Gezi-Spirit sei schon dabei.

Berlin taz | In den vergangenen Wochen wurde viel über die Türkei berichtet. Bilder von Massendemonstrationen aus Istanbul, Ankara und Izmir gingen um die Welt. Und nicht nur dort. Auch in kleineren Städten in den konservativeren, eher regierungsfreundlichen Provinzen formierte sich Protest. Sogar in Traditionellen AKP-Hochburgen an der Schwarzmeerküste.

Es sind die größten Demonstrationen seit den Gezi-Protesten im Jahr 2013. Damals löste der Protest gegen die Abholzung von Bäumen in einem Istanbuler Park eine wochenlang anhaltende landesweite Protestwelle aus. Diese wurden brutal niedergeschlagen, die Ak­teu­r*in­nen hart verfolgt und zu hohen Gefängnisstrafen verurteilt.

Auslöser der aktuellen Proteste war die Verhaftung des inzwischen suspendierten Istanbuler Bürgermeisters Ekrem İmamoğlu. Am 19. März wurde der künftige Präsidentschaftskandidat der oppositionellen CHP bei einer nächtlichen Razzia von der Polizei in Gewahrsam genommen. Nur einen Tag zuvor wurde ihm der Universitätsabschluss aberkannt. Ohne diesen kann man in der Türkei nicht als Präsident kandidieren. Ihm wird Korruption vorgeworfen.

Seither sind Millionen Menschen, vor allem junge und Studierende unter dem Slogan “ Hak, Hukuk, Adalet“ zu Deutsch „Recht, Gesetz und Gerechtigkeit“ auf die Straße gegangen. Sie kritisieren das Vorgehen der langjährigen AKP-Regierung gegen seine politischen Kontrahenten und verlangen den Rücktritt des Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan.

Eine Stimme für unabhängige türkische Jour­na­lis­t*in­nen

In der Podcast-Reihe „Freie Rede“ Türkei der taz Panter Stiftung, blicken wir im kommenden Monat einmal die Woche auf die politischen und gesellschaftlichen Entwicklungen in der Türkei und widmen uns dabei je einem Thema, wie Frauen, Zivilgesellschaft oder Medien.

Die erste Folge widmen wir den Protesten und der Protestkultur in der Türkei. Hierzu haben wir mit der Journalistin Pelin Ünker gesprochen. Sie lebt und arbeitet in Istanbul und begleitet die aktuellen Proteste seit dem ersten Tag.

Die Podcast-Reihe „Türkei“ im Format „Freie Rede“ wird ausschließlich durch Spenden finanziert, und die taz Panter Stiftung freut sich über Unterstützung: taz.de/spenden

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