Prozess gegen René Benko: Wenn nur die Gier nicht wär’

Jetzt tritt das wahre Ausmaß des finanziellen Schadens durch den Immobilenguru zutage. Aber wahr ist auch: Reiche Geldgeber haben sich blenden lassen.

D ie Ermittler bei der Wiener Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft atmen auf. Denn die (Teil-)Verurteilung des Immobilenhasardeurs René Benko zeigt: Sie sind auf dem richtigen Weg mit ihren Recherchen, Licht in die undurchschaubar wirkenden Vorgänge im Signa-Kosmos zu bringen. Zumindest Teile von Benkos Handeln, so das Urteil, waren nicht nur grob verwerflich, sondern auch strafbar.

In Innsbruck ging es bei der festgestellten Schadenssumme von 300.000 Euro nur um Peanuts. Die Staatsanwaltschaft meint, dass Benko einen strafrechtlich relevanten Schaden von 300 Millionen Euro verursacht hat.

Nun graben sie sich immer tiefer ein in das Treiben des Blenders, dessen Geschäftsmodell eine Art von Schneeballsystem war. Hat er Investitionsgeld nicht zweckbestimmt eingesetzt, sondern damit Schulden beglichen oder versprochene Renditen ausgezahlt? Hat er dreist gelogen, wie Betrogene es ihm etwa in dem Sinne vorwerfen, dass er sagte: Gib noch ein paar Millionen für das Projekt, und ich lege dieselbe Summe aus meinem Privatvermögen drauf. Letzteres geschah – nicht.

=”” span=””>

Das Logo der taz: Weißer Schriftzung t a z und weiße Tatze auf rotem Grund.
taz debatte

=”” div=””>

“Benko war es nicht allein”, stand lange Zeit auf dem Zaun vor der Benko-Ruine Alte Akademie in München. Das muss aufgearbeitet werden: Wie konnte die Gier entstehen, aus der heraus so viele Investoren, Banken und Versicherungen ihm Unsummen an Geld hinterherwarfen?

Mit schärferen Transparenzbestimmungen muss so etwas künftig verhindert werden. Auch muss das Modell der Privatstiftungen gesprengt werden, bei solchen hat Benko in Österreich und Liechtenstein wohl sehr viel Geld, Gold und Sachwerte gebunkert. Auf die er dann nach seiner Haft zurückgreifen könnte.

By the way: Darf auch ein wenig Schadenfreude durchblitzen? Multi-Milliardär-Investoren wie Klaus-Michael Kühne oder Hans Peter Haselsteiner haben sich von Benkos Zauber völlig vereinnahmen lassen und hunderte Millionen Euro versenkt. Sie werden nicht in der Grundsicherung landen. Am meisten schmerzt sie ihr eigenes Ego, dass sie sich so leicht haben verführen lassen. Doch hat Benko auch Versicherungen geschädigt, die etwa private Altersrenten aufbauen. Oder den genossenschaftlichen Volks- und Raiffeisenverbund – und damit sehr vielen Menschen.

taz lesen kann jede:r

Als Genossenschaft gehören wir unseren Leser:innen. Und unser Journalismus ist nicht nur 100 % konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Texte, die es nicht allen recht machen und Stimmen, die man woanders nicht hört – immer aus Überzeugung und hier auf taz.de ohne Paywall. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass guter, kritischer Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung. Unser nächstes Ziel: 50.000 – und mit Ihrer Beteiligung können wir es schaffen. Setzen Sie ein Zeichen für die taz und für die Zukunft unseres Journalismus. Mit nur 5,- Euro sind Sie dabei!

Jetzt unterstützen

  • informationsspiegel

    Related Posts

    Pop-Kultur Festival in Berlin: Pop hat Power
    • August 24, 2026

    Popkultur spiegelt die Gesellschaft. Beim Pop-Kultur Festival geht es um rechte Kulturpolitik, Gender Pay Gap und die politische Macht von Fangruppen. mehr…

    Weiterlesen
    Im Hospiz: Jetzt schon?
    • August 24, 2026

    Nach dem Umzug ins Wenckebachkrankenhaus fragt sich unser Autor, was er noch machen möchte. Freunde noch einmal sehen oder Texte schreiben zum Beispiel. mehr…

    Weiterlesen

    Nicht verpassen

    Pop-Kultur Festival in Berlin: Pop hat Power

    • 2 views
    Pop-Kultur Festival in Berlin: Pop hat Power

    Im Hospiz: Jetzt schon?

    • 4 views
    Im Hospiz: Jetzt schon?

    Tischtennisturnier in Berlin: Boom und Biederkeit

    • 4 views
    Tischtennisturnier in Berlin: Boom und Biederkeit

    Meereskundler über das 1,5-Grad-Ziel: „Wir denken ja immer noch, wir sind hier vorbildlich“

    • 2 views
    Meereskundler über das 1,5-Grad-Ziel: „Wir denken ja immer noch, wir sind hier vorbildlich“

    An einem Abend der wie Honig fließt: Im Alten Schweden wird Dagmar böse

    • 2 views
    An einem Abend der wie Honig fließt: Im Alten Schweden wird Dagmar böse

    Die Wut von Marrokos Jugend: Den Frühling noch nicht aufgeben

    • 3 views
    Die Wut von Marrokos Jugend: Den Frühling noch nicht aufgeben