Rohstoffabau in Armenien: Noch schnell eine Goldmine eröffnet

Zuerst fährt ein Auto mit argentinischer Flagge vor, danach eines mit kanadischer. Menschen in Anzügen kommen aus einem Ausstellungszentrum, sie warten auf die grünen Busse, die sie zurück in die Innenstadt von Jerewan bringen sollen. Sechs Frauen erscheinen. Sie sind ruhig, sie lächeln und heben Schilder hoch: „Stop Mining Amulsar“ steht auf einem. Oder: „Stop poisoning our water“.

Die Frauen protestieren gegen den Bau einer Goldmine in Armenien, direkt vor dem Sport- und Konzertkomplex, in dem die UN-Weltnaturkonferenz tagt. Die Demonstration bleibt friedlich, ein Konferenzbesucher aus Spanien kommt zu ihnen und will mehr wissen. Die Polizei beobachtet die Frauen aus der Ferne. Anders als zwei Tage zuvor schreitet sie nicht ein.

Die Amulsar-Goldmine im Südosten des Landes wird in Armenien seit Jahren kontrovers diskutiert. Die Bauarbeiten begannen 2016 in der Region Jermuk, einem Kurort. Ak­tivs­t:in­nen hatten die Eröffnung schon mehrfach gestoppt, zuletzt 2018. Doch die Blockade der Um­welt­ak­ti­vis­t:in­nen endete mit dem zweiten Bergkarabach-Krieg 2020, sagt Nazeli Vardanyan von der NGO „Armenian Forests“. Die Umweltjuristin Vardanyan kommt aus Jermuk, wo die Goldmine gebaut werden soll, und sagt: „Wir hatten starke Kämpfer, die in den Bergen vor der Mine übernachtet haben.“ Doch 2020 mussten die Männer in den Krieg gegen Aserbaidschan ziehen, die meisten kamen nicht zurück, so Vardanyan.

Vardanyan engagiert sich seit 2006 gegen den Bau der Goldmine. Da begannen die ersten Grabungen 13 Kilometer außerhalb des Kurorts. Geg­ne­r:in­nen der Mine befürchten eine starke Belastung der Umwelt: vor allem durch die Wasserableitungen, die bei der Wäsche des Golds entstehen würden. Vardanyan sagt, dass dieses Wasser in Flüsse abgeleitet werden und dadurch in den Sewansee gelangen würde, den größten Süßwassersee des Kaukasus, mehr als doppelt so groß wie der Bodensee.

Unternehmen geht mit Slapp-Klagen gegen Kritiker vor

Nazeli Vardanyan bezweifelt, dass die Mine in Jermuk überhaupt genug Gold bietet. Untersuchungen lieferten keine eindeutigen Ergebnisse. Sie befürchtet, dass das Unternehmen Lydian Armenia, dass für die Goldmine zuständig ist, eigentlich andere Ressourcen gewinnen, will, etwa Uran. Das Unternehmen, dessen Muttergesellschaft Lydian im britischen Steuerparadies Jersey registriert ist, antwortet nicht auf Anfragen.

Der Wirtschaftsprofessor und Bergbauexperte Suren Parsyan glaubt, dass die armenische Wirtschaft von der Goldmine in Amulsar profitieren könne. Er geht von jährlichen Umsätzen von 930 Millionen US-Dollar aus, damit würde sie das BIP Armeniens um etwa 1,5 Prozent steigern. Zudem würden 900 direkte Arbeitsplätze und etwa 3.600 indirekte Arbeitsplätze geschaffen, so Parsyan. Er argumentiert, der Goldpreis sei global stabil, wirtschaftlich gebe es also Potenzial. Ob das Unternehmen ökologische Standards befolgen wird, könne Parsyan nicht einschätzen.

Anfang Oktober, nur wenige Tage vor dem Start der Naturkonferenz, eröffnete der armenische Premierminister Nikol Paschinjan die Mine überraschend. Seit 2025 hält die armenische Regierung einen Anteil von 12,5 Prozent an Lydian Armenia. Zuvor hatte sie Finanzierungspakete mit Banken möglich gemacht, damit das Unternehmen die Arbeiten an der Mine fortsetzen kann, wie armenische Medien berichteten.

Die Aktivistin und Anwältin Nazeli Vardanyan sagt, dass mehrere Politiker:innen, die in der Vergangenheit öffentlich gegen die Goldmine waren, mittlerweile ihre Meinung geändert hätten. Eine angefragte Politikerin reagierte nicht auf die Mail. Der Menschenrechtsaktivist Oleg Dugaryan, ebenfalls ein Gegner der Goldmine, beschäftigt sich mit Slapp-Klagen. Diese Gerichtsverfahren gegen Ak­ti­vis­t:in­nen führen zu hohen Kosten und sollen deren Kritik stoppen.

Das armenische Unternehmen Lydian Armenia soll mehrfach in solcher Weise gegen Ak­ti­vis­t:in­nen geklagt haben. Dugaryan geht mit seiner NGO gerade gerichtlich gegen die armenische Regierung vor. Und alle, die gegen den weiteren Ausbau der Amulsar-Goldmine kämpfen, hoffen auf internationale Aufmerksamkeit durch den Weltnaturgipfel.

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