
epd | Der Westdeutsche Rundfunk will 76 Programmangebote bis Ende 2027 einstellen. Es handele sich um Angebote, „die ihre Zielgruppe nicht gut genug erreichen oder die nicht zu den strategischen Schwerpunkten des WDR gehören“, teilte der Sender am Freitag in Köln mit. Neben Social-Media-Kanälen, Newslettern und Websites seien auch sechs Angebote im linearen Hörfunk wie die „Satire am Sonntag“ bei WDR4 und „Ex & Pop“ bei WDR3 betroffen. Im linearen Fernsehen sollen neben „Frau TV“ auch „Menschen hautnah“, die „WDR Story“ und vier weitere Formate eingestellt werden.
Bereits im April hatte Intendantin Katrin Vernau angekündigt, dass der WDR sein Programm-Portfolio bis zum Jahr 2030 von 600 auf 300 Angebote verringern wolle. Nach Angaben des Senders sollen im selben Zeitraum 80 bis 100 neue Formate entstehen, daher müssen rund 400 Programmangebote aus dem Bestand gestrichen werden. Der Abbau der 76 Angebote ist der erste Schritt zu einem umfassenden Programmumbau. Programmangebote sind nicht einzelne Sendungen oder Beiträge, sondern Programmreihen und Formate sowie Web-Auftritte von Redaktionen in sozialen Netzwerken oder auf Onlineplattformen.
Mehr Mittel für digitale Angebote
Vernau sagte: „Die Mediennutzung verändert sich rasant, unsere Finanzierung ist ungewiss, unsere Kosten steigen. Gleichzeitig benötigen wir mehr Mittel für digitale Angebote – während derzeit noch gut drei Viertel unserer Ressourcen im klassischen linearen Programm gebunden sind. Deshalb müssen wir jetzt handeln und Tempo machen.“
Ab 2027 will der WDR jede dritte Stelle nach einer Verrentung nicht wiederbesetzen. Insgesamt sollen bis zum Jahr 2030 133 Stellen wegfallen. In den beiden Programmdirektionen werden 150 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Ruhestand gehen, sodass dort in den kommenden Jahren 50 Stellen abgebaut werden. Geplant sind auch Kürzungen beim Honorarumfang für freie Mitarbeiter. Beim WDR arbeiten rund 4.000 fest angestellte und 2.500 arbeitnehmerähnlich frei Beschäftigte.
Kritik an Rundfunkpolitik
Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi kritisierte die geplanten Kürzungen. Es sei nicht nachvollziehbar, dass der WDR bisher nicht offen im Rundfunkrat mit den Plänen umgegangen sei, sagte Christoph Schmitz-Dethlefsen, der im Verdi-Bundesvorstand für Medien zuständig ist. Der Abbau bedeute einen Verlust an Programmvielfalt. Die Länder würden mit ihrer Rundfunkpolitik die Sender kaputtsparen.
In seinem Fernsehprogramm will sich der WDR mit den eigenen Ressourcen auf eine „Kernsendezeit“ von 17 Uhr bis 22.15 Uhr konzentrieren. Deshalb wird das Magazin „Hier und Heute“ im WDR Fernsehen um eine Stunde verkürzt und erst um 17 Uhr starten.
„Heimatflimmern“ bleibt
Die linearen Sendeplätze für „Menschen hautnah“ und „WDR Story“ werde es in dieser Form nicht mehr geben, teilte der Sender mit. Die Reihe „Heimatflimmern“ bleibe als lineares Angebot bestehen, der begleitende Facebook-Kanal werde jedoch eingestellt. „Erlebnis Erde“ werde komplett ins Digitale verlagert, der Instagram-Kanal dazu werde aber beendet.
Dokumentationen werden in Zukunft vorrangig für die Mediathek produziert, können dann aber im WDR Fernsehen wiederholt werden. Auch will der WDR weiterhin seinen Anteil von etwa 21 Prozent für dokumentarische Formate im Ersten erfüllen. Bei Dokumentationen und Unterhaltungssendungen will der WDR künftig mehr mit externen Produktionsfirmen und Dienstleistern zusammenarbeiten. Insgesamt soll es mehr Programmaustausch mit anderen ARD-Anstalten geben.
Neue Formate sind geplant
Im ersten Schritt fallen nach Angaben des WDR vor allem Web-Auftritte den Kürzungen zum Opfer, darunter digitale Angebote wie „Studio M“, „Lisas Paarschnitt“ und „Doc Esser“. Auch die Instagram-Kanäle von „WDR Jeck“ sowie der „Fußball-Podcast mit Sven Pistor“ würden beendet. Alle WDR-Redaktionen zögen sich von der Plattform X zurück, darunter auch „Hart aber fair“, „Maischberger“ und „Quarks“.
Gleichzeitig sollen neue Angebote geschaffen werden, teilte der WDR mit. Gestartet sind bereits die Reihe „Deutschland, ich küss dein Herz – mit Tahsim Durgun“ und das Talk-Format „Draußenpolitik“ mit Louis Klamroth. Weitere Formate seien in Planung. Der Sender will Anfang 2027 über weitere Maßnahmen informieren.







