
Wenigstens eines hatten Papst Leo XIV. und US-Außenminister Marco Rubio nach ihrem Gespräch am Donnerstag im Vatikan gemein: Beide schauten freudlos, ja verkniffen fürs offizielle Foto in die Kamera, ohne auch nur den leisesten Hauch eines Lächelns. Dabei hatte es im Vorfeld in zahlreichen Medien geheißen, die Begegnung diene vor allem dazu, die Wogen zwischen Donald Trump und Leo zu glätten.
Dafür, dass diese Wogen sich auftürmten, hat Trump in den letzten Wochen mit seiner wie üblich schnörkellosen Kommunikation gesorgt. Losgelegt hatte er im April mit einem Post auf seiner Haus-Plattform Truth Social mit dem Vorwurf an den Papst, der sei „schwach an der Front der Kriminalität“ und „äußerst schlecht auf dem Feld der Außenpolitik“. Kurz darauf legte er nach: „Papst Leo hat irrige Dinge gesagt. Er war sehr konträr dem gegenüber, was ich gerade gegenüber Iran tue, und man kann keinen Iran mit Atomwaffen hinnehmen.“
Schon deshalb könne er, Trump, sich beim Papst für seinen Post nicht entschuldigen. Damit war der erste Punkt des von Trump angezettelten Krachs benannt: Iran. Hinzu kommt ein weiterer Feldzug, der der US-Administration gegen die irregulären Immigrant*innen, gegen die „vielen Kriminellen, denen gestattet wurde, in unser Land zu kommen“. Jetzt aber gelte wieder „Recht und Ordnung, und er [der Papst] schien damit ein Problem zu haben“.
Dann behauptete Trump auch noch, der US-Bürger Robert Francis Prevost müsse „mir dankbar sein, wäre ich nicht im Weißen Haus, dann wäre Leo nicht im Vatikan“. Vor akkurat einem Jahr übrigens zum Papst gewählt, ganz so, als habe die katholische Weltkirche sich höflich vor dem US-Präsidenten verneigen wollen. Und als wäre das noch nicht genug, legte The Donald mit einem Social-Media-Meme nach, das ihn selbst jesusgleich zeigte, wie er einen siechen Mann per Handauflegen heilt. Der Post löste weltweit auch in konservativ-katholischen Kreisen Empörung aus und war schnell wieder gelöscht.
Haben sich nicht viel zu sagen
„Höflich, aber bestimmt“ würde man wohl den Ton nennen, in dem Papst Prevost auf die Trump-Breitseiten antwortete. „Ich bin kein Politiker, ich spreche vom Evangelium und ich werde weiter das Wort gegen den Krieg erheben“, erklärte er im April und fügte hinzu, er habe „keine Angst“ vor Trump und er habe auch „keine Absicht, mit ihm in eine Debatte einzutreten“. Ganz nebenher warf er dem US-Präsidenten vor, „das Evangelium zu missbrauchen“.
Wogen zu glätten gab es also reichlich, doch noch am Vorabend der Rubio-Reise teilte Trump erneut aus, mit den Worten, „ob es dem Papst gefällt oder nicht, Iran darf keine Atomwaffen besitzen“. Prevost aber macht einfach weiter, beginnend bei der Feststellung, er lasse sich gern kritisieren, aber nur „auf Grundlage der Wahrheit“ – schlicht, weil er iranischen Atomwaffen nie das Wort geredet hatte.
Und auch auf dem Feld der Immigration zeigte Leo Trump die kalte Schulter. Gerade erst ernannte er mit Evelio Menjivar-Ayala ausgerechnet einen Mann, der im Jahr 1990 im Kofferraum eines Autos „illegal“ in die USA eingereist war, zum Bischof einer US-Diözese.
Und wer Hoffnungen hegte, der US-Papst könne doch zum 250. Jubiläum der USA am 4. Juli in seine Heimat reisen, sieht sich enttäuscht: Jenen Tag wird der Heilige Vater ausgerechnet auf Lampedusa verbringen, einem der Immigrations-Hotspots Italiens und Europas.
Genug Gesprächsstoff hatten Prevost und Rubio also allemal, von Iran über die Migrant*innen bis zu Kuba, einer Insel, die dem aus einer exilkubanischen Familie stammenden, katholischen US-Außenminister besonders am Herzen liegt.
Doch am Ende fiel das Kommuniqué des US-Außenministeriums äußerst dürr aus. „Die Begegnung hat die soliden Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und dem Heiligen Stuhl sowie ihren gemeinsamen Einsatz zur Förderung des Friedens und der Menschenwürde unterstrichen“, heißt es dort nur. Mit anderen Worten: Die beiden hatten viel zu bereden – am Ende aber einander nicht viel zu sagen.






