Studie zu Artenvielfalt: Wie der Regenwald sich selbst heilt

Tropische Regenwälder kühlen die Erde, speichern riesige Mengen an CO2 und beherbergen mehr als die Hälfte aller Tier- und Pflanzenarten weltweit. Manche dieser Ökosysteme bestehen seit über 80 Millionen Jahren. Doch dieser Reichtum schwindet in einem beängstigenden Tempo. Allein im Jahr 2024 wurde mit der Zerstörung von 6,7 Millionen Hektar Wald ein trauriger Rekord aufgestellt. Die Ursachen dafür sind bekannt: die Ausweitung von Agrarflächen, Waldbrände oder der Abbau von Bodenschätzen.

Klar ist, um den Regenwald zu schützen, darf der Mensch den Wald nicht länger so nutzen. Aber reicht das, damit sich die Natur wirklich erholen kann? Eine neue Studie, die ein internationales Forschungsteam unter der Leitung der TU Darmstadt Anfang April im Fachmagazin Nature veröffentlicht hat, gibt Anlass zu Hoffnung.

Die Studie

Die Forschenden stellten fest: Die Natur besitzt eine beeindruckende Selbstheilungskraft – wenn man sie lässt. Im ecuadorianischen Chocó-Regenwald untersuchten sie insgesamt 16 verschiedene Artengruppen auf Flächen, die früher als Weiden oder Kakaoplantagen genutzt wurden. Im Detail analysierten sie über 10.000 Tier- und Pflanzenarten und mehr als 23.000 Bakteriensequenzen.

Das Ergebnis ist bemerkenswert: Bereits nach 30 Jahren erreichen Artenvielfalt und Tierzahl wieder über 90 Prozent des Niveaus unberührter Urwälder. Drei Viertel der typischen Tier- und Pflanzenarten kehrten in diesem Zeitraum zurück. Besonders schnell erholen sich mobile Tiere der Lüfte wie Vögel, Fledermäuse und Bienen. Sie treiben die Erholung wiederum als Bestäuber und Samenverbreiter aktiv voran.

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Bäume hingegen brauchen deutlich länger, um die ursprüngliche Artenzusammensetzung wiederherzustellen. Und das unsichtbare Leben im Boden – Bakterien, Pilze, Mikroorganismen – zeigt nach landwirtschaftlicher Nutzung kaum Erholungstendenz, was darauf hinweist, dass Pestizide und Dünger hier langfristige Narben hinterlassen haben. Entscheidend ist auch die Vorgeschichte des Landes: Flächen ehemaliger Kakaoplantagen erholen sich beispielsweise deutlich schneller als frühere Viehweiden. Denn sie bewahren Reste einer Waldstruktur, Schatten und Feuchtigkeit, die den Übergang erleichtern.

Was bringt’s?

Wer aufhört, den Wald zu zerstören, bekommt ihn zurück, zumindest größtenteils. Das macht natürliche Regeneration zu einer der wirkungsvollsten und günstigsten Strategien gegen das Artensterben: keine aufwendige Bepflanzung, kein teures Eingreifen, sondern einfach Brachliegenlassen.

Darüber hinaus zeigt die Studie konkrete Mechanismen, wie Erholung funktioniert und ermöglicht so eine gezieltere Planung von Projekten. Die einzige Bedingung ist Schutz: Junge Wälder müssen über mehrere Jahrzehnte konsequent in Ruhe gelassen werden, statt sie zwischenzeitlich immer wieder neu abzuholzen.

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