TikTok-Trend: Ikki im Internet

„Nach sieben Wodka Soda weiß ich nicht mehr, wie ich heiße, aber du schon, du Hurensohn.“ Mit diesen Zeilen des Songs „Who’s That“ der Berliner Musikerin Ikkimel beginnt ein Tiktok-Trend, der derzeit viral geht und dabei ein ernstes Thema in den Mittelpunkt rückt: sexualisierte Gewalt.

Zu dem Sound teilen Tausende Nut­zer:innen ihre Erfahrungen mit Übergriffen, K.-o.-Tropfen, Grooming und Missbrauch. Dabei werden Täter deutlich benannt: Männer, oft älter, die ihre Machtposition ausnutzen. Die Texte im Video lesen sich wie Hilferufe: „Ich war 13, du 24. Ich hätte es nicht ­besser wissen können. Aber du schon.“ Oder: „Drei Jungs schließen sich mit ihr im Klassenzimmer ein. Sie bringen sie dazu, sich auszuziehen.“ ­Ikkis Partysong wird ­damit zur Projektions­fläche für Traumata.

Manche berichten, dass sie erst durch den Trend verstanden haben, wie falsch das Erlebte war. Genau das macht diesen viralen Moment wichtig: Er schafft Sichtbarkeit, und zwar nicht durch klassische Aufklärung, sondern dadurch, dass viele ihre Erlebnisse teilen.

Das erinnert an die ­MeToo-Bewegung, die durch die Vorwürfe gegen Harvey Weinstein 2017 weltweit bekannt wurde. Auch damals wagten viele Frauen und queere Personen erstmals den Schritt in die Öffentlichkeit und machten unter #MeToo ihre Erfahrungen bekannt.

„Who’s that ikki“

in die Suchzeile bei Instagram oder Tiktok eingeben

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Empowernd, laut, unangepasst

Dass der Auslöser diesmal ein Song von Ikkimel ist, überrascht kaum. Die Künstlerin ist bekannt für explizite, feministische Texte. In ihrem Song „IDGAF“ etwa heißt es: „Sperrt die Männer ein.“ Während sie dafür oft kritisiert wird, empfinden viele junge Frauen sie als empowernd, laut und unangepasst.

Der aktuelle Trend erreicht durch die Ver­wendung des eingängigen Songs über den Algorithmus viele. Auf TikTok und Co wird das Thema dort sichtbar, wo man sonst oft nur Content über Essstörungen oder Schönheitsideale sieht. Doch der Hype wird vorübergehen, und viele Täter werden ungestraft bleiben. Umso wichtiger ist es, diesen Moment zu nutzen: Sprechen wir mit unseren Kindern, Enkeln, Freun­d:in­nen über se­xua­lisierte Gewalt.

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