Unabhängigkeit von russischem Gas: EU-Kommissar will mehr LNG aus den USA einkaufen

Berlin taz | Der EU-Kommissar für Energie, Dan Jørgensen, will mehr flüssiges Erdgas (LNG) aus den USA importieren. Das sagte er dem Newsletter Table.Europe. „Wir sind offensichtlich nach wie vor von russischem Gas abhängig. Das ist untragbar aus politischen, sicherheitspolitischen und moralischen Gründen“, sagte der dänische Politiker. Das gebe Russland die Möglichkeit, Energie „weiterhin als Waffe einzusetzen“. Indirekt bedeute es auch, „dass wir Putins Krieg mitfinanzieren“.

Die EU will bis 2027 kein Öl und Gas mehr aus Russland beziehen. Derzeit kommt noch knapp ein Sechstel des in der EU verbrannten Gases aus Russland. Nach dem russischen Angriff auf die Ukraine 2022 wurde zunächst deutlich weniger russisches Gas importiert, 2024 kauften europäische Unternehmen aber wieder 18 Prozent mehr Gas aus Russland als 2023.

Der größte Gaslieferant ist Norwegen, das per Pipeline etwa ein Drittel des EU-Gasbedarfs einführt. Nach Russland auf Platz zwei folgen die USA, die 16 Prozent der EU-Gasimporte ausmachen. Gas aus den USA muss verflüssigt als sogenanntes LNG eingeführt werden, weil es nicht per Pipeline transportiert werden kann.

Das macht LNG teurer und klimaschädlicher als per Pipeline transportiertes Gas, weil LNG-Tanker mit fossilen Brennstoffen angetrieben werden und Methan bei der Verladung entweichen kann, das die Erde um ein Vielfaches stärker anheizt wie CO2.

Greenpeace fordert Gas-Ausstieg bis 2035

Russisches Gas mit LNG aus den USA zu ersetzen, hält Mira Jäger deswegen für „hochproblematisch“. Jäger ist Energie-Expertin bei Greenpeace. Wenn die EU ihre Klimaziele einhalten will, müsse sie bis 2035 aus der Gasverbrennung aussteigen, sagt Jäger.

Deshalb dürften keine langfristigen Lieferverträge abgeschlossen und keine neue Gas-Infrastruktur errichtet werden. „Die Milliarden, die darin investiert werden, müssten eigentlich in den Ausbau der Erneuerbaren Energien fließen“, sagt Jäger.

EU-Kommissar Jørgensen fordert schon seit Amtsantritt Donald Trumps mehr LNG-Importe aus den USA. Der US-Präsident hatte die EU Anfang April aufgefordert, Öl und Gas im Wert von 350 Milliarden US-Dollar aus den USA zu kaufen. 2024 importierte die EU für etwa 13 Milliarden US-Dollar LNG aus den USA.

Jørgensen und die EU-Kommission können allerdings nicht selbst Lieferverträge mit den USA abschließen, dafür sind die gasverbrauchenden Unternehmen verantwortlich. Die Kommission kann höchstens Druck auf Unternehmen aufbauen und Regierungen anregen, neue LNG-Importterminals zu bauen.

Schon jetzt zu viel Gas-Infrastruktur

Einer Studie der Denkfabrik Ember zufolge werden aber bereits die derzeit geplanten Gas-Pipelines und LNG-Kapazitäten in Europa 2030 nur zu drei Vierteln ausgelastet sein, weil das Gasangebot die Nachfrage übersteigen wird. Das bedeute eine Verschwendung öffentlicher Gelder sowie unnötig hohe Kosten für Konsumenten, schreiben die Studienautor*innen.

„Energiesicherheit gibt es nur, wenn Europa auf Erneuerbare umsteigt und die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen abbaut“, sagte Jäger. Auch Trump sei kein berechenbarer Handelspartner.

Die LNG-Exporteure in den USA kämpfen derweil mit den Auswirkungen von Trumps „America first“-Wirtschaftspolitik. Sie werden von den Zöllen hart getroffen, weil Ersatzteile für die Gasförderung und Stahl für neue Exportterminals teurer werden.

Außerdem will Trump sie zwingen, nur noch US-amerikanische LNG-Tanker für den Export zu verwenden, um den heimischen Schiffbau anzuregen. Derzeit gibt es aber keinen einzigen unter US-Flagge fahrenden LNG-Tanker und keine Kapazitäten in US-Werften, um sie zu bauen, wie die Financial Times berichtet.

  • informationsspiegel

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