Einreihen würde er sich natürlich gerne, als Konterfei Nummer fünf im Bergmassiv. Zwischen die Köpfe vierer mythisch umkränzter Amtsvorgänger aus den frühen Tagen der USA. Schon 2018 sagte Donald Trump, es sei sein „Traum“, neben George Washington, Thomas Jefferson, Theodore Roosevelt und Abraham Lincoln eingemeißelt zu werden. Erst kürzlich versendete er auf Truth Social ein Bild, auf dem er den Traum mittels KI Wirklichkeit werden ließ – wohl wissend, dass das Projekt aus rechtlichen, finanziellen und stofflichen Erwägungen gescheitert war. Außerdem findet man selbst in trumpistischen Kreisen noch Spurenelemente von politischer Vernunft, weil: diesen Präsidenten dort zu sehen … – nein, danke!
Doch vor der buchstäblich atemberaubenden Kulisse des Mount Rushmore zu sprechen, das will Trump sich nicht nehmen lassen. Drei Tage lang feiern er und seine Regierung dort den 250. Geburtstag der USA, mit Feuerwerk, Nationalpathos, viel Tamtam – und mit einer Rede Trumps (nach Redaktionsschluss dieser Ausgabe). Am 4th of July, dem Tag der Unabhängigkeit, werden die Feiern beendet.
Indigene Helden zu ehren kam nicht infrage
Vom Besucherzentrum aus betrachtet geben Washington, Jefferson, Roosevelt und Lincoln ein rühmliches Quartett der Staatsfeierlichkeit ab. Mit dem 1941 fertiggestellten Denkmal sollte einst der Tourismus gefördert werden. Dabei war der Mount Rushmore heiliges Land der dortigen Ureinwohner, keineswegs sollte dieser Berg bearbeitet, menschenhandgestaltet, zu einem granitenen Disneyland designt werden. Doch man wollte dieser Gegend – gern Fly-over-Land genannt, also eine Gegend, in die niemand kommt oder gar will – mehr Reisende bescheren. Das Monument sollte Attraktionsort und das Ziel schlechthin sein. Indigene Helden und Heldinnen zu ehren, kam indes ohnehin nicht in Frage (dafür gibt es heute das immer noch im Bau befindliche, natürlich von Indigenen initiierte Crazy Horse Memorial in unmittelbarer Nähe), es wurden also die großen alten Präsidenten.
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So richtig ging der Tourismusmasterplan übrigens nie auf, es mangelt bis heute an angemessener touristischer Infrastruktur. Üble Speisen in den Restaurants, skandalös schmieriges und wässriges Eis etwa im nahen Hill City sowie knarrende Biker-Armaden in schöner Natur zählen zum Mount-Rushmore-Begleitprogramm.
Filmisch berühmt wurde Mount Rushmore durch Alfred Hitchcocks frühfeministischen Film „North by Northwest“ aus dem Jahr 1959 mit der sensationellen Topagentin Eva Marie Saint und Cary Grant in seiner vermeintlichen Hauptrolle. In letzter Sekunde wird sie vor dem tödlichen Schuss eines Geheimagenten und dem Sturz vom Monument bewahrt. In die Popkultur-Geschichte eingegangen ist auch das Albumcover „Deep Purple in Rock“ aus den frühen Siebzigern, die ikonische Anordnung des Outdoor-Denkmals zu eigener Sache machend. Auch der Science-Fiction-Film „Mars Attacks!“ spielt mit den Zutaten des Mount-Rushmore-Kunstwerks.
Wie es den Indigenen dort geht, das interessiert wohl sowieso niemanden in der Washingtoner Geburtstagszentrale. Sie haben hinzunehmen, dass ihr heiliger Berg ein zwiespältig stimmendes Architekturmonstrum wurde. Sie wissen dieses Jahr: Es geht immer nur um Trump. Was bleibt? Der Hitchcock-Film! Nie wirkte der Mount Rushmore schöner in Szene gesetzt.







